Aachen - Alemannia-Prozess: Kraemers schwerer Vorwurf gegen die Stadt

Alemannia-Prozess: Kraemers schwerer Vorwurf gegen die Stadt

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Frithjof Kraemer
Frithjof Kraemer, ehemaliger Geschäftsführer von Alemannia Aachen, muss sich vor Gericht verantworten. Foto: Ralf Roeger
Prozess Kramer
Steht wegen diverser mutmaßlicher Vergehen vor Gericht: Frithjof Kraemer (2.v.l.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zu Beginn des Prozesses um die Alemannia-Insolvenz 2012 hat der angeklagte frühere Geschäftsführer des Vereins, Frithjof Kraemer, der Stadt Aachen am Montag einen schweren Vorwurf gemacht.

Über einen seiner Verteidiger ließ Kraemer erklären, die Stadt habe sich vor der Übernahme der Schulden, die aus dem Stadionneubau stammten, nicht für die finanzielle Situation von Alemannia Aachen interessiert. „Die Stadt hat vor der Vertragsunterzeichnung nicht nach dem aktuellen Verbindlichkeitsstand gefragt“, sagte Kraemers Anwalt Ulf Reuker.

Die Staatsanwaltschaft Köln wirft Kraemer neben Insolvenzverschleppung und Untreue unter anderem auch Betrug vor, weil er die Stadt vor der Unterzeichnung des Vertrages am 31. Mai 2012 über die finanzielle Lage des Vereins getäuscht habe. Die Frage ist jedoch, ob Kraemer die Stadt überhaupt hätte informieren müssen, oder ob die Stadt von sich aus hätte nachfragen müssen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft waren drei Alemannia-Gesellschaften zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung überschuldet und zahlungsunfähig, der Insolvenzantrag hätte längst gestellt werden müssen. Die Stadt wollte sich am Montag nicht zu Kraemers Vorwurf äußern.

Die Stadt Aachen und andere Beteiligte hatten am 31. Mai 2012 die Schulden der Alemannia aus dem Stadionneubau übernommen, der Anteil der Stadt betrug etwa 18,5 Millionen Euro. Allerdings habe Aachens Kämmerin Annekathrin Grehling im Ermittlungsverfahren als Zeugin ausgesagt, die Stadt hätte die Schulden nicht übernommen, wenn sie über das Ausmaß der finanziellen Krise zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im Bilde gewesen wäre, wie Staatsanwalt René Seppi am Montag vor Gericht erklärte. Schon deswegen nicht, weil der sportliche Erfolg der Alemannia eng mit der finanziellen Situation des Vereins zusammenhängt.

Seit fast fünf Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der ersten Alemannia-Insolvenz 2012, und im Moment sieht es danach aus, als blieben Frithjof Kraemer und einer seiner Mitarbeiter die einzigen, die sich deswegen vor Gericht verantworten müssen. Die Anwältin des mitangeklagten Mitarbeiters, der damals als Controller bei der Alemannia beschäftigt war, erklärte, während der Krise 2012 hätten „viele Akteure aus Politik, Sport und Wirtschaft“ im Verein mitgemischt. Es sei „unfair und ungerecht“, dass Kraemer und ihr Mandant, damals ein Berufsanfänger, nun „als Sündenbock“ herhalten sollen. Staatsanwalt Seppi bestätigte, dass die Stadt Aachen „bis an den Rand dessen gegangen ist, was eine Stadt“ für ein mittelständisches Unternehmen „möglich machen darf“. 

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