Aachen - Alemannia: Personeller Aderlass rasant

Alemannia: Personeller Aderlass rasant

Von: Christoph Pauli
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Bei der Pressekonferenz zur Alemannia-Rettung noch Seite an Seite: Michael Nobis (links) mit dem derzeitigen Alemannia-Sprecher Michael Voskuhl. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am Donnerstag ist auch noch Michael Nobis von Bord gegangen. Alemannias Aufsichtsrat legte sein Mandat nieder, nachdem die Gläubiger die Fortführung des Spielbetriebs beschlossen hatten. Nobis bleibt dem Verein als Sponsor erhalten. Teile des Vereins lösen sich gerade in hohem Tempo auf, der komplette Aufsichtsrat besteht derzeit aus Christoph Terbrack.

In den letzten Wochen sind Günter Delzepich, Rolf Gerwert und Günter Franken aus dem Verwaltungsrat aus persönlichen, teilweise gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Am Wochenende legte Helmut Kutsch seine Ämter in Präsidium und Aufsichtsrat nieder. Vor zwei Monaten löste sich der Wirtschaftsbeirat auf, der Alemannias Zukunft gestalten wollte, weil er sich nach Eigenauskunft vom Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning und seinem Geschäftsführer Michael Mönig nicht sonderlich ernst genommen fühlte.

Alemannias Präsidium besteht nur noch aus drei Mitgliedern. Christoph Terbrack, Stephan Grießer und Oliver Laven sind zu ganz anderen Zeiten angetreten, werden gerade von den Ereignissen überrollt. Vergnügungssteuerpflichtig ist der Existenzkampf sicher nicht, meint Laven. Längst versuchen nahezu alle Gremienmitglieder mit viel Energie und privatem Geld, den Verein zu retten. Ein Rückzug wäre auch für das Trio naheliegend, aber allein rechtlich ist es schon zweifelhaft, ob eine „Niederlegung zur Unzeit“ wie es die Juristen nennen, überhaupt greift. Und einen Notvorstand, über den Mönning spekulierte, sieht die Satzung gar nicht vor. Hat der Vorstand weniger als drei Mitglieder, wird er mit Verwaltungsräten aufgefüllt. Das Trio wird weitermachen. „Wir haben die Chance, den Verein zu retten, wenn wir es gemeinsam angehen.“

Die Herren sind verblüfft über Zitate während der Gläubigerversammlung, bei der der Insolvenzverwalter die Gremien als „führungslos“ und „zerstritten“ darstellte. Merkwürdig sei, dass da jemand zu einem Urteil komme, der ebenso wie sein Geschäftsführer Michael Mönig seit Monaten jede Einladung zu gemeinsamen Sitzungen mit Vorstand und Verwaltungsrat konsequent ausschlage, findet Laven. „Unsere Gegner heißen eher Fortuna Köln oder Rot-Weiß Essen, nicht GmbH oder TSV. Warum versuchen wir nicht ernsthaft, gemeinsam eine Lösung für die Probleme zu finden?“

Das größte Problem des Vereins ist zweifelsfrei das Verfahren, das der Rechtehändler Michael Kölmel gegen den Mutterverein mit guten Aussichten vor dem OLG in Köln führt. Mönning hatte vor den Gläubigern gefordert, dass im Verein „endlich mal jemand“ mit Kölmel sprechen müsse. „Er weiß genau, dass Christoph Terbrack seit Wochen intensiv mit Herrn Kölmel und dessen Anwälten redet“, wundert sich Grießer.

Der Verein hat nun fast zwei Millionen Euro als Forderung bei der Insolvenzmasse angemeldet. Mönig hatte diesen Schritt öffentlich als „idiotisch“ bezeichnet, das Präsidium dagegen sieht sich in der Pflicht, korrekt zu handeln, Ansprüche anzumelden, um nicht schadenersatzpflichtig gegenüber dem Verein zu werden.

Der Vorstand wundert sich, wie intensiv Mönning Personalpolitik im Verein betreibt. In einem Brief an Helmut Kutsch und den „lieben Horst“ (Heinrichs) informierte Mönning bereits am letzten Freitag über das Interesse der niederländischen Gruppe Northstar Investment, Anteile an der insolventen GmbH zu übernehmen. Es stehe die Frage im Raum, ob man sich seriösen Beteiligungspartnern öffnen solle, meint Mönning. Warum aber teilt der zur Diskretion verpflichtete Insolvenzverwalter einem Mitglied ohne Mandat, das gerade erst eine Unterlassungserklärung unterschreiben musste, solche vertraulichen Dinge mit?

Weitere Infos blieben aus

Das Interesse der möglichen Investoren sei Anfang März schriftlich mitgeteilt worden. Weitere Informationen seien trotz wiederholter Bitten an Mönning ausgeblieben, sagt Laven. Der Schatzmeister wundert sich, dass der Jurist bei einer Gläubigerversammlung der insolventen GmbH nebenbei Steuerprobleme des TSV in den Raum gestellt habe. „Die treffen nicht zu“, sagt Verwaltungsrat Horst Reimig, der seit Monaten die Buchführung der letzten Jahre aufarbeitet. Für anstehende Zahlungen im August seien Rücklagen längst gebildet.

Anfang September laden die dezimierten Gremien zur (überfälligen) Mitgliederversammlung ein, Neuwahlen wird es da keine geben. Die will der Vorstand Anfang 2014 vorziehen. Fraglich ist, ob sich dann jemand von den amtierenden Ehrenamtlern dieser Aufgabe noch einmal stellt.

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