Aachen - Alemannia: Karlsbande für 13 Minuten im stillen Sitzstreik

Alemannia: Karlsbande für 13 Minuten im stillen Sitzstreik

Von: Hans-Peter Leisten
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„Sitzstreik” als Protest: Di
„Sitzstreik” als Protest: Die Anhänger der Karlsbande (im Bild oben) brachten ihren Unmut über die Verbote zum Ausdruck, in dem sie sich gut 13 Minuten lang auf der Stehtribüne niederließen. Foto. Andreas Steindl

Aachen. Im Grunde kann es doch gar nicht besser laufen. Anpfiff, und schon gehen die Gesänge los: „Wir sind Aachen - Alemannia Aachen!” Wer nicht mitsingt, ist logischerweise kein Alemanne. Und davon gibt es tatsächlich viele. Wo? Genau da, wo sich ansonsten die Karlsbande lautstark zu Wort meldet.

Dort, unter dem Dach der Stehtribüne, ist Sitzstreik angesagt beim so wichtigen Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt. Selbst die Gesänge „Steht auf, wenn ihr Aachener seid!” treffen auf taube Ohren. Die Karlsbande Ultras wollen es dem Verein heimzahlen.

Wie berichtet, hatte der Klub nach dem Höhepunkt einer ganzen Serie von Gewalt drastische Schritte eingeleitet. Schriftzug und Logos der Karlsbande sind bis auf Weiteres auf und vor dem Tivoli verboten. Nichts geht also in Sachen Fahnen, Banner, Transparente oder auch Flugblätter.

Immerhin: Die so unmissverständlich Angesprochenen halten sich an die Vorschriften. Und sie schweigen, überlassen damit aber ihren Gegnern im eigenen Block - den Aachen Ultras - die akustische Vorherrschaft. Es ist trotzdem laut im Stadion. Nicht nur weil die Lautstärke der eingespielten Musik mit sinkenden Zuschauerzahlen steigt. Auch der Applaus ist enorm.

Zum Glück auch, als Kapitän Albert Streit vor dem Anpfiff das Mikro in die Hand nimmt und - wie alle Mannschaftskapitäne in den drei Profiligen - einen Appell an die Zuschauer richtet: „Fußball ist die Leidenschaft, die uns verbindet. Als Kapitän sage ich: Helft mit, die Werte dieser einzigartigen Sportart zu erhalten. Wir sind gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt.” Die Meinung des Publikums dazu ist eindeutig, da passt auch ein Banner auf der fast verwaisten Nordtribüne: „Wir lieben Alemannia. Wir verabscheuen Naziunterwanderung.”

Fast wie eine Ironie des Spiels wirkt das Ende des Karlsbande-Streiks. Nach 13 Minuten und 12 Sekunden springt die Bande auf und lockert die Stimmbänder. Dieser exakte Zeitpunkt ist kein Zufall, sondern aufs Alphabet übertragen eine Beleidigung der Polizei - der hier kein Raum gegeben wird. Fast wie eine Bestrafung wirkt da die direkte Führung der Erfurter.

Das Konzept der Polizei und die Maßnahmen des Vereins zeigen aber Erfolg. „Alles friedlich und im Sinne unseres Konzeptes”, bilanzieren Polizeidirektor Uwe Pasternack und der Erste Hauptkommissar Josef Bayer, die die Einsatzleitung inne haben.

Und auch Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer ist erleichtert: „Es gab keine Versuche, Fahnen oder verbotene Symbole ins Stadion zu bringen. Das ist gut, aber nicht mehr. Wir nehmen das zur Kenntnis und werden die Situation weiter beobachten.” Ein erster kleiner positiver Schritt. Die Mannschaft lässt diesen auf dem Platz leider noch vermissen.
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