Aachen - Alemannia in der Zeit des Nationalsozialismus: Ausstellung begeistert auf Anhieb

Alemannia in der Zeit des Nationalsozialismus: Ausstellung begeistert auf Anhieb

Von: Peter Schopp
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„Alemannia Aachen 1939-45 - Fußball zwischen Sport und Politik": Die Eröffnung der Ausstellung im Zeitungsmuseum stieß auf großes Interesse. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Spannung knisterte, die Erwartungen waren hoch und die Meinung der Gäste eindeutig. Die Ausstellung „Alemannia 1933-1945 – Fußball zwischen Sport und Politik“ im Zeitungsmuseum in der Pontstraße begeisterte auf Anhieb und sorgte bereits bei der Eröffnung für nachhaltige Diskussionen und nachdenkliche Gesichter.

In den kurzen Eröffnungsreden der Initiatoren kam die Freude über die gelungene Aufarbeitung dieses Themas ebenso zum Ausdruck wie die Sorge um die Gegenwart, in der sich Intoleranz und Abgrenzung verstärkt Bahn brechen. Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, bedankte sich zunächst für ein großes bürgerliches Engagement und freute sich über eine kleine, aber feine Ausstellung, „die Aachen gut zu Gesicht steht“, wie er es formulierte.

Es gebe bereits viele Abhandlungen zur Nazizeit, die politischen Auswirkungen seien nachhaltig aufgearbeitet, aber zur Aachener Sportgeschichte habe es in der Form noch keine Untersuchungen gegeben. „Es war auch nicht nur die Alemannia betroffen, alle Vereine wurden ja ab 1933 gleichgeschaltet, jüdische Mitglieder verschwanden meist stillschweigend aus den Mitgliederlisten und den Annalen“, blickte er zurück.

Dies wird deutlich erkennbar an den beiden exemplarischen Schicksalen, die in der Ausstellung beispielhaft in den Fokus gerückt werden. Der berühmte Nationalspieler Reinhold Münzenberg und der 1933 aus dem Verein „ausgetretene“ Max Salomon, damals äußerst bekannter und erfolgreicher Stürmer der Schwarz-Gelben, nur eben jüdischen Glaubens. Er kam später im KZ zu Tode.

Aufklärung betreiben

Pohle hob in seiner Ansprache den Einsatz von André Bräkling, Thomas Wenge und Lutz van Hasselt hervor, ohne die die Arbeit rund um diese Ausstellung wohl nicht hätte geleistet werden können. Dies unterstrich auch der Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums IZM, Andreas Düspohl, und erklärte, warum sein Museum der richtige Ort für diese Ausstellung ist: „Im IZM wird Aufklärung betrieben, und in der heutigen Zeit werden Journalisten gerne mal als Lügenpresse bezeichnet. Dieses Vorgehen kennen wir bereits aus der nationalsozialistischen Zeit, was liegt da näher, als einer Ausstellung, die sich mit der Alemannia in der damaligen Zeit befasst, hier eine Heimstatt zu geben“.

Er halte es für eine tolle Sache, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu ziehen, da der Fußball immer auch ein Spiegel der Gesellschaft sei.Rund um die Ausstellung findet bis zum 4. März ein buntes Rahmenprogramm statt, worüber zeitnah informiert wird. Mit-Initiator Thomas Wenge befürchtet, dass Intoleranz auf dem Weg zur Salonfähigkeit ist. Ein Fußballstadion bietet seiner Meinung nach genügend Raum, entsprechende Meinungen anonym zu artikulieren. Für ihn ein Beweggrund, sich nachhaltig bei der Arbeit zur Ausstellung einzubringen. Die Macher freuten sich bei der Zusammenstellung der Exponate über die Unterstützung von Münzenbergs Sohn Reinhold, der viele Original-Devotionalien beisteuerte und ebenfalls bei der Eröffnung zu Gast war.

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