Aachen - Alemannia hat die rechte Gefahr unterschätzt

Radarfallen Bltzen Freisteller

Alemannia hat die rechte Gefahr unterschätzt

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Ein Team, eine Kurve? Ein Bild
Ein Team, eine Kurve? Ein Bild aus der Vergangenheit. Die Aachener Fan-Fehde zwischen verfeindeten „Ultra”-Gruppen hat bundesweit Negativ-Schlagzeilen gemacht. Der Verein hofft am Samstag gegen St. Pauli auf ein Zeichen der breiten Masse der vernünftigen Fans. Foto: Imago/Team 2

Aachen. Sportlich und finanziell kämpft die Aachener Alemannia ums Überleben, doch mittlerweile hat der Fußball-Zweitligist auch noch ein Gewaltproblem in den eigenen Fanreihen am Hals.

Denn nach den mutmaßlich rechtsradikal motivierten Übergriffen beim letzten Heimspiel im Dezember gegen Aue, bei denen auch ein Ordner schwer verletzt wurde, blicken die Verantwortlichen im Verein und bei der Polizei mit Sorge auf die Partie am Samstag gegen St. Pauli.


Zumal offenbar in den vergangenen Wochen alle Versuche gescheitert sind, zwischen Alemannias verfeindeten „Ultra”-Fangruppen zu vermitteln. „Wir haben viele Gespräche mit allen Beteiligten geführt, aber die waren nicht wirklich zielführend”, sagt Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Das manifestiert sich aktuell darin, dass ein Aufruf des Vereins, der Mannschaft sowie der IG der Alemannia-Fans und -Fanclubs gegen Gewalt, Extremismus und Rassismus just von zweien an der Konfrontation beim Spiel gegen Aue beteiligten Gruppen bislang nicht unterzeichnet worden ist.

Gegen die Personen, die im Dezember als Gewalttäter identifiziert werden konnten, hat der Verein insgesamt elf Stadionverbote ausgesprochen. „Aus unserer Sicht ist das Maß jetzt voll”, sagt Kraemer und fährt im aktuellen Stadionheft auch verbal schwere Geschütze auf. Der Verein werde nicht die Augen davor verschließen, dass Aachen „bekanntermaßen eine Hochburg der rechten Szene” sei, schreibt der Geschäftsführer.

Auf Nachfrage bezieht er sich dabei auf einen Aktionsplan, von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Darin ist Aachen neben Köln, Dortmund und Wuppertal als einer von vier Neonazi- „Brennpunkten” im Land genannt - nicht zuletzt wegen der in der Region aktiven rechtsradikalen „Kameradschaft Aachener Land” (KAL).

Kraemer räumt ein, das Problem bislang „unterschätzt” zu haben: „Wir hätten nicht gedacht, dass es zu solch einer politisch untermauerten Aktion kommt.” Dabei schwelt der Konflikt zwischen erklärtermaßen demokratisch und antirassistisch eingestellten „Ultras” und solchen, denen eine Nähe zur KAL attestiert wird, schon länger. Das hatte sich seit Beginn dieser Saison auch in einer auffälligen räumlichen Trennung der Gruppen im schwarz-gelben Fanblock manifestiert.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert