Alemannia gegen RWE: Pyros, Böller und demolierte Sitze

Von: Hans-Peter Leisten
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Umnebelte Geister: Zumindest bei den Pyros bekannten sich die Essener Anhänger zu einer ihrer Vereinsfarben.
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Provokation: Eine in Kerkrade entwendete Freundschaftsfahne „25 Jahre Roda – Alemannia“ wurde demonstrativ im Essener Block hochgehalten. Foto: Ralf Roeger
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Später musste die Polizei doch eingreifen. Foto: Roeger

Aachen. Es war das Aufeinandertreffen der Enttäuschten. Angesichts der bisherigen mageren sportlichen Bilanz der beiden Aufstiegsaspiranten war die Polizei bereits davon ausgegangen, dass bei einigen Fans von Rot-Weiß Essen und Alemannia Aachen die körperliche Auseinandersetzung Bestandteil des Samstagnachmittagprogramms werden könnte.

Hier konnten Polizei und Sicherheitsdienst weitgehend als Spielverderber auftreten. Wirklich verhindert werden konnten aber Provokationen, Pyros, Böller, primitivste Beschimpfungen und am Ende auch Sachbeschädigungen nicht. Nach Stand der Dinge muss dabei der Schwarze Peter weitgehend in den Stehrängen der Essener gesucht werden.

Ganz offensichtlich hatten die Essener es auf organisierte Provokation abgesehen. Rund 200 Vermummte überrannten die Sicherheitskontrollen in der Gästeschleuse und konnten so Pyros und Böller mit ins Stadion nehmen. „Wir hatten im Vorfeld eine Schätzung aufgestellt, sind aber von der Vielzahl der Provokateure überrascht worden“, erklärte Alemannias Geschäftsführer Timo Skrzypski den „Überraschungseffekt“ und vermutet, dass einige aus der alten, inzwischen aufgelösten Ultraszene mit nach Aachen gekommen seien.

In der Tat sorgten diese RWE-Anhänger für unschöne optische und akustische Knalleffekte gleich zu Spielbeginn. Mit welcher Absicht sie ins Stadion gekommen waren, entlarvt die Tatsache, dass sie eine ganze besondere Fahne im Gepäck hatten: eine Freundschaftsfahne „25 Jahre Freundschaft Roda Kerkrade – Alemannia Aachen“. Die war vor einiger Zeit im Doppelpack in Kerkrade als gestohlen gemeldet worden.

„Wir konnten diese Fahne dann schnell in Sicherheit bringen“, erklärt Polizeidirektor Willi Sauer, der ständige Einsatzleiter am Tivoli. Zusätzlich habe man vier Rädelsführer in Gewahrsam genommen und gehofft, damit die Ruhe auf den Rängen zu wahren. Was auch bis zur 82. Minute gelang – als das 2:0 für Aachen fiel.

Dann hätten die Provokationen deutlich zugenommen. Angesichts der Leere auf der Sitzplatzgeraden sei es dann etwa 20 Aachener Chaoten gelungen, an den Kräften des Sicherheitsdienstes vorbei in Richtung Essener Block zu sprinten. Als sich Prügeleien anbahnten, kam die Polizei dem Sicherheitsdienst im Stadioninneren – was grundsätzlich unüblich ist – zu Hilfe und sorgte für Ruhe. Die Essener konnten sich dann intensiver Begleitung durch die Polizei zum Bahnhof erfreuen. „Beide Seiten wollten sich tatsächlich per Handy zu Schlägereien verabreden“, erklärte Willi Sauer.

Am Montag muss sich Timo Skrzypski bei einer Begehung die Essener Hinterlassenschaften ansehen: rund 20 demolierte Sitze, ein zerstörtes Schloss und einen kaputten Kiosk. Mit den Essener Kollegen sollen jetzt die Täter ermittelt und entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden. Skrzypski sagt aber auch: „Ich bin froh, dass unsere Fans angesichts der Provokationen lange ruhig geblieben sind.“

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