Alemannia: Fans drehen großes Rettungs-Rad

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
4815789.jpg
Schnee schippen fürs Bayern-Spiel: Die Stadt ließ am Freitag die CHIO-Brücke räumen. Das eigentlich gesperrte Bauwerk, dem der letzte Bodenbelag fehlt, soll mit Gummimatten fit gemacht werden. Foto: Andreas Steindl
4815790.jpg
„Rettungskomitee“ aus Fan-Kreisen: Damit der Schnee am Sonntag nicht zum Problem wird, haben Anhänger wie Wera Bosseler und Wilfried Dickmeiß zur Schaufel gegriffen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. In den schwärzesten Stunden des schwarz-gelben Traditionsvereins ist es eine Rückbesinnung auf alte Werte: „Wir wollen wieder eine Alemannia-Familie sein“, sagt Sven Merckens. Der Mann spricht für eine Gruppe von acht Alemannia-Fans, die man in einem Umfeld, das seit Wochen von „Retter“-Shirts, -Trikots, -Buttons, -Hotlines und ähnlichem geprägt ist, fast schon als „Rettungskomitee“ bezeichnen könnte.

Doch das wehrt Merckens lachend ab. „Wir sind bloß eine lose Gruppe von Fans, nicht organisiert, die etwas tun wollten. Und dann haben wir unsere Möglichkeiten und Kontakte gebündelt.“

Was banal klingt, hat Beachtliches bewirkt. Denn die Fans haben das große Rettungs-Rad gedreht und auf 20 Seiten ihre Ideen dazu niedergeschrieben, wie ihr klammer Lieblingsklub wieder halbwegs flüssig werden kann. Und das alles schön ausformuliert und bereits mit konkreten Umsetzungstipps versehen. „Wenn man einen Großteil vernünftig umsetzt, können zwischen 500.000 und einer Million Euro hereinkommen“, schätzt Merckens.

Pünktlich zum „Retter-Spiel“ gegen die großen Bayern aus München (Anstoß: Sonntag, 13.30 Uhr)werden die ersten Ideen umgesetzt. 10.000 selbst gestaltete Buttons nebst Losen verteilen die Fans mit der Alemannia zusammen zum Stückpreis von drei Euro – vor und im Stadion, im Fan-Shop und an den Kiosken. Die Gewinner sollen im Laufe des Spiels verkündet werden. Hauptpreis: eine Loge für zwölf Personen beim nächsten Heimspiel. Zwei weitere Gewinner erhalten je zwei Business-Seats.

Dass die Anhänger mittlerweile auch per Anruf und SMS die Alemannia finanziell unterstützen können, entspringt ebenfalls einer Idee dieser „losen Fangruppe“, deren Mitglieder teils auch ihre beruflichen Verbindungen spielen lassen. So knüpfte man den Kontakt zu einem Dienstleister, der dem Klub auch finanziell entgegengekommen und kurioserweise ein Fan von Hansa Rostock sei. Merckens: „Die sind ja auch pleite, der hatte Verständnis für unsere Situation.“

Bei der Alemannia ist man ob so viel ehrenamtlichen Engagements begeistert. Die Vielzahl der kleinen Hilfen sei beeindruckend, sagt Rolf-Dieter Mönning, Sachwalter im vorläufigen Insolvenzverfahren, „aber bei den Großen könnte ich mir noch etwas mehr Action vorstellen“.

Doch da kommt der Alemannia ihr Fan-Problem in die Quere, bei dem Mönning beileibe nicht nur auf der einen Seite die bösen Rechten und auf der anderen die armen Opfer sieht. Man werde künftig härter durchgreifen als bisher und schneller Hausverbote aussprechen, kündigt der Jurist an, dessen Rettungseinsatz unter bundesweiten Negativschlagzeilen wie nach dem jüngsten Spiel in Köln leidet: „Das belastet Sponsorengespräche“, sagt Mönning.

Vor dem Hintergrund freut man sich umso mehr, dass die großen Bayern bei der kleinen Alemannia vorbeischauen. Das bringt ein volles Haus mit rund 500.000 Euro Nettoeinnahme, das bietet eine Bühne für viele Aktionen, das ist auch Anlass für den Klub, spezielle Fan-Artikel zum Spiel herauszubringen. „Wir sind den Bayern sehr dankbar, dass wir diese Plattform nutzen dürfen“, sagt Markus Krieger, bei den Schwarz-Gelben fürs Marketing zuständig.

Und während die Alemannia den prominenten Gästen verbal den roten Teppich ausrollt, verlegt die Stadt ein paar Gummimatten – auf der CHIO-Brücke. Das lange gesperrte Bauwerk wird extra fürs große Spiel geöffnet. Gestern wurde dort schon mal Schnee geschippt.

Die weiße Pracht soll am Sonntag auch im und ums Stadion herum kein Problem sein – auch dies dank des „Rettungskomitees“ aus Fan-Kreisen, das dem Klub lange Listen mit freiwilligen Helfern zusammengestellt hat. Für Merckens ein weiterer kleiner Schritt hin zur großen Alemannia-Familie: „Die Alemannia bindet ihre Fans wieder mehr ein. Das ist in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert