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Alemannia: Fans als letzter Rettungsanker

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Der Trainer nimmt schon mal drei Stück: Alemannia-Chefcoach René van Eck und Aufsichtsrat Michael Nobis stellten die „Rettungs-Shirts“ vor und appellierten an die Fans, dem Klub zu helfen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Oft sagen Bilder mehr als viele Worte. Wer Holger Voskuhle an diesem Morgen sieht, wie er auf eine Frage hin erst einmal kräftig durchpusten muss, dann zur Decke schaut und danach einen fragenden Blick in den Raum wirft, der braucht die Antwort gar nicht mehr zu hören. Gefragt worden ist der Sprecher des Insolvenzfachanwalts Michael Mönig, der seit einigen Wochen in Alemannias abstruse Zahlenwelt hinabgestiegen ist, ob er denn daran „glaube“, dass der zahlungsunfähige Klub noch die Kurve kriege.

„Fragt mich doch nicht so was“, sagt sein Blick, während sein Mund die Antwort formuliert: „Grundsätzlich ist das möglich, aber dafür müssen noch einige Stellschrauben deutlich bewegt werden.“

Optimismus klingt anders, aber dafür besteht rund um den Tivoli auch wenig Anlass. Dass noch eine siebenstellige Summe fehlt, um den Spielbetrieb bis Saisonende selbst im Sparmodus zu sichern, bestätigt der Sprecher auf Anfrage.

Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass ein „deutlicher“ Betrag bis heute zusammengekommen sein muss, wenn die Alemannia den Gang zum Insolvenzgericht antreten will und der Gläubigerausschuss zusammentritt. Zwar müsse das Geld nicht „cash“ auf dem Tisch liegen, aber in Form von „verlässlichen Zusagen“ darstellbar sein.

Genaue Summen will Voskuhl nicht nennen, ebenso wenig will er sich zu einzelnen Gläubigern äußern. Das wäre zum Beispiel die Stadt, deren Stadtrat wie berichtet am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung über die Alemannia beriet.

Allerdings ging dabei in der Politik die Bereitschaft, der Alemannia noch einmal unter die Arme zu greifen, laut Stadtsprecher Hans Poth „gegen Null“. Und „frisches Geld“, so hatte vorher schon OB Marcel Philipp bekräftigt, werde es von der Stadt nicht geben.

Genau dieses benötigt man aber neben kräftigen Einsparungen am Tivoli, und da hofft man nun – einmal mehr – auf die treuesten Fans. „Rettung – mit mir!“ lautet die Kampagne, die man über Nacht ins Leben gerufen hat.

Mit diesem Slogan bedruckte T-Shirts werden am Samstag beim Spiel gegen Osnabrück für 20 Euro verkauft. „Deutlich mehr als die Hälfte des Preises geht sofort in die Rettung“, verspricht Aufsichtsrat Michael Nobis. Und betont, dass das Geld nicht für Altschulden, sondern zur Zukunftssicherung verwendet werden soll – was im Übrigen gestern auch der Aufsichtsratsvorsitzende Meino Heyen den Sponsoren schriftlich versicherte.

Zur Rettung beitragen sollen auch Buttons, die an den Stadiontoren für drei Euro verkauft werden. Außerdem wird ein Spendenkonto eröffnet. Nobis wünscht sich, dass die Fans Samstag Flagge zeigen. „Wir sind alle Alemannen, es wäre toll, wenn alle ins Stadion kommen.“ Und er hofft auf Spenden: „Ob kleine, ob große Beträge, wir nehmen im Moment alles.“

Die ersten T-Shirts sind schon geordert. Während Michael Nobis an diesem Morgen noch überlegt, wie viele er nimmt – und dabei vielleicht die Zahl der Mitarbeiter in seinen Filialen im Kopf überschlägt –, hat Alemannia-Trainer René van Eck sich schon entschieden.

Drei Stück will er für seine Kinder kaufen, sagt der Niederländer und tritt am Ende sogar den Beweis an, dass manchmal auch ein paar Worte mehr sagen als Bilder. Ob er bei Alemannia bleibt, wird van Eck gefragt. „Ja“, sagt er knapp, „weil ich mich hier wohl fühle.“

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