Alemannia-Etat: Kritik an Barth nach öffentlicher Erklärung

Von: Christoph Pauli
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Seine Verlautbarung der vergangenen Woche steht in der Kritik: Aachens Dezernent Dr. Lothar Barth.

Aachen. Die Zusammenfassung von Alemannias Krisengipfel scheint Lothar Barth dann doch eher missraten zu sein. Der städtische Personaldezernent hatte nach dem Treffen am Tivoli, das er selbst moderierte, das Fazit in eine wohlklingende städtische Presseerklärung „Alemannia: Wie geht‘s weiter“ gegossen.

Von „Aufbruchstimmung“ war in der Info-Nr. 18/2014 die Rede. Und die Krise erklärte er per Mitteilung für „bewältigt“. Barth berichtete von „äußerst konstruktiven Gesprächen“ zwischen den Insolvenz-Anwälten, Vereinsvertretern, Sponsoren und Vermarktern. Als „wichtigste Meldung“ verkündete er: „Die in der Presse genannten Summen einer vermeintlichen Deckungslücke können nicht bestätigt werden. Sie sind weit überhöht. Am Montag lagen sie bei etwas über 500.000 Euro. Dies sei – so hieß es aus der Runde – eine nicht wirklich besorgniserregende Zahl.“ Mit einigen Aktionen sei durchaus eine schwarze Null zu erreichen. Die Euphorie dämpfte gleich Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, als er die Presseerklärung in die Hände bekam. „Wir sind noch lange nicht über den Berg“, sprach Marcel Philipp. Und auch die nächste Lücke im Etat am absehbaren Ende des Insolvenzverfahrens stufte der Verwaltungschef als „erstaunlich“ ein. Ebenso wie kurze Zeit später auch die Grünen machte der Oberbürgermeister deutlich, dass die Stadt für die nächste Lücke im Etat sicher nicht aufkommen werde.

„Im wichtigsten Punkt falsch“

Noch deutlicher wurden etliche Teilnehmer des Gesprächs. Per Mail kritisierten sie das Vorpreschen des Dezernenten. Barth sei zwar autorisiert worden, eine Erklärung herauszugeben, und auch die „Aufbruchstimmung“ sei abgesprochen gewesen, ist da zu lesen. Der Inhalt sei aber viel weitgehender „und im wichtigsten Punkt falsch“. Barth wird vorgehalten, die Öffentlichkeit nicht richtig informiert zu haben. Die Mitglieder des Gremiums erinnern Barth schriftlich daran, dass „bisher keinerlei verlässliche Zahlen seitens des Verwalters und seines Teams vorgelegt worden sind. Es handelt sich um reine Planzahlen.“ Bei dem Treffen sei eine Lücke von über 520 000 Euro mitgeteilt worden. „In der Mail vom 12. Dezember 2013 spricht Herr Oshege (Alemannias Controller; Anm. der Redaktion) ,unmissverständlich‘ von 770 T€.“

Kein Verständnis hat die Runde für Barths fröhliche Einschätzung, das sei eine „nicht wirklich besorgniserregende Zahl“. Die Beteiligten betonen das Gegenteil vom dem, was Barth mitgeteilt hatte. Dessen Darstellung entspreche keinesfalls allen Äußerungen der Gremiumsmitglieder. Die Lücken im Etat seien „im Gesamtkontext der letzten Monate vorsichtig formuliert besorgniserregend“. Gleichwohl betonen die Mitglieder des Gremiums ein gutes Verhältnis zur Stadt und insbesondere zum Oberbürgermeister.

„Lücke ist zu stemmen“

Barth wollte am Montag den Vorgang nicht weiter kommentieren. Er habe den Tenor der Veranstaltung wie abgesprochen weitergegeben. In der Insolvenz seien Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von über 50 Millionen Euro abgebaut worden, da sei die Lücke im Etat durchaus zu stemmen. In dieser Woche tagen Alemannias neue Kommissionen zum Thema Finanzen und Geschäftsführer erstmals. Ziel ist, dass die Weichen für die Zeit nach der Insolvenz dann konkreter gestellt werden.

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