Aachen - Alemannia: Die Stadt hat einen „weichen Standortfaktor” weniger

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Alemannia: Die Stadt hat einen „weichen Standortfaktor” weniger

Von: Hans-Peter Leisten
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In der 3. Liga mit einer Stimm
In der 3. Liga mit einer Stimme anfeuern: Die IG der Alemannia-Fans will die Blockbildung unter den Anhängern beenden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Natürlich geht die Welt nicht unter. Und die Uhren in der Stadt drehen sich auch nicht anders als zu Zweitliga-Zeiten. Aber so viele Aushängeschilder überregionaler Bedeutung hat Aachen nun mal nicht.

Der Abstieg der Alemannia hat offensichtlich nicht nur Auswirkungen im sportlichen Bereich. „Ein wichtiges Marketinginstrument ist weggebrochen”, heißt es übereinstimmend bei Menschen, die in Bereichen mit Außenwirkung tätig sind.

Ein Erst- und Zweitligist ist unübersehbar ein sogenannter weicher Standortfaktor für eine Stadt: „Zahlreiche Firmen haben die Spiele genutzt, um mit ihren Kunden die Spiele zu besuchen”, beklagt Fritz Rötting, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen. Er wurde und wird bei seinen Dienstreisen immer wieder auf die Alemannia angesprochen - zuletzt allerdings immer mit mitleidsvollem Unterton. Aber er will keine Endzeitstimmung schüren: „Es kommt auf den sportlichen Verlauf an. Auch die dritte Liga wird in der Sportschau übertragen. Wenns sportlich o.k. ist, dann kommen auch die Fans wieder. Dann werden wir schnell wiederkommen.”

Genau diese Überzeugung vertritt auch Werner Schlösser, Geschäftsführer des „aachen tourist service”. Es gebe auch noch den CHIO, den Karlspreis und den Dom als bedeutende Werbeträger. Gastronomie und Hotels dürften nur wenig vom Abstieg spüren, da der Fan als solcher in der Regel am Spieltag wieder nach Hause fahre. Schlösser ist aber eher optimistisch: „Es wird nicht wieder neun Jahre bis zum Aufstieg dauern. Ich traue Trainer Ralf Aussem viel zu.”

Marketing ist ein Mosaik

Schnitt machen, neu aufstellen und in Liga 3 eine gute Rolle spielen - so lautet die Einschätzung von Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. Wobei sein beruflicher Beritt bis Köln reicht, und der dortige 1. FC Piana ihm gleich ein doppeltes Misserfolgserlebnis beschert hat. Auch er wurde in den vergangenen Tagen oft angesprochen, was mit der Alemannia los sei. Was umgekehrt wiederum ein Beleg für die überregionale Bekanntheit sei. Direkte Auswirkungen für die Stadt befürchtet Piana nicht, aber er sagt auch: „Image- und Marketingarbeit ist immer Mosaikarbeit. Und die Alemannia ist ein wichtiger Baustein dieses Mosaiks.”

Und was sagt der direkte Nachbar der Alemannia? Der ALRV und der CHIO bringen Aachen einmal im Jahr weltweit positiv in die Schlagzeilen. Aber Frank Kemperman, Vorstandsvorsitzender des ALRV, bedauert den Abstieg der Alemannia außerordentlich. Man arbeite sehr freundschaftlich zusammen, vor allem in technischen Bereichen. Und bei der Parkplatzfrage stelle man sich gegenseitig Kapazitäten zur Verfügung. Diese Regelung sei Liga-unabhängig. „Und wir hoffen, dass auch in der kommenden Saison möglichst viele unserer Plätze von Fußball-Zuschauern genutzt werden.”

Als ein „mittleres Desaster” bezeichnet Stadtpressesprecher Hans Poth den Abstieg. Nicht nur für die Stadt, auch für die direkt Beteiligten: die Mitarbeiter, die Mannschaft, vor allem die Fans. Alemannia sei ein Lebensgefühl: „Und das ist intensiver, wenn die Alemannia in Liga 1 oder 2 spielt.”

Die in der IG organisierten Fans sind derweil bereits in die Offensive gegangen. Eine „Arbeitsgruppe 3. Liga” ist gegründet, die die Alemannia-Gremien bei allen Fragen unterstützen will. Ein Aspekt für die neue Saison soll der Schulterschluss unter den Fan-Gruppen sein: „Das hat zuletzt bereits geklappt. Man darf zwei Positionen haben, im Stadion aber nur eine Stimme.” Das Saisonfinale habe die Fans doch ein gutes Stück zusammengeschweißt. Ihm sei versprochen worden, dass niemand im Stadion Angst zu haben brauche. Jetzt gelte nur eine Devise: „Es zählt nur der Verein.”
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