Aachen - Alemannia: Ärger um rechte Hetze

CHIO Freisteller

Alemannia: Ärger um rechte Hetze

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
14991847.jpg
Ein Fernsehbeitrag über Whatsapp-Nachrichten des Geschäftsführers der Fan-IG sorgt am Tivoli für Wirbel. Foto: Peter Kneffel/dpa

Aachen. Die Nachrichten haben zwar nur im kleinen Kreis die Runde gemacht, aber jetzt ziehen sie doch weite Kreise – weil ihr Inhalt offenbar fremdenfeindlich und rechtsextrem ist und unter den wenigen Empfängern ein Journalist war.

Und weil der Absender der Whatsapp-Nachrichten im Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans aktiv ist, womit der gebeutelte Traditionsklub mal wieder mit extrem rechten Umtrieben in Verbindung gebracht wird.

Der WDR-Fernsehbeitrag vom Donnerstagabend über die Whats-app-Nachrichten des 2. Vorsitzenden und Geschäftsführers der Fan-IG, Horst Filbrich, hat rund um den Tivoli jedenfalls hohe Wellen geschlagen. Berichtet wurde darin, dass Filbrich via Whatsapp Texte der Schauspielerin und selbsternannten „Patriotin“ Silvana Heißenberg verbreitet hat, deren Facebook-Account kürzlich vorübergehend gesperrt worden war. Der Grund: ein offener Brief an Angela Merkel zu ihrer Flüchtlingspolitik voller Beschimpfungen, Beleidigungen und pauschaler Hetze gegen Flüchtlinge.

Filbrich soll diesen Brief verbreitet haben, in dem Flüchtlinge als „mehrheitlich kriminelle Invasoren, die in Deutschland vergewaltigen und morden“, bezeichnet werden. Ob er das tatsächlich gemacht hat und warum, will er auf AZ-Anfrage nicht sagen, weil er gegen den WDR-Beitrag beim Landgericht Aachen eine Einstweilige Verfügung beantragt habe und sich zur Sache deshalb erst einmal nicht äußere.

Nur so viel teilt er schriftlich mit: In seiner Sache seien „Tatsachen verdreht und unterschlagen“ sowie „aus dem Zusammenhang gerissene Passagen“ verwendet worden. Und er selber stelle „mit allem Nachdruck“ klar, „dass ich weder rechtsradikales Gedankengut verbreite noch rechtsradikal bin“.

Der Vorstand der Fan-IG distanziert sich jedoch deutlich von ihm. Filbrich habe „einen schwerwiegenden Fehler gemacht“, indem er besagten Text verbreitet habe, heißt es in einer Stellungnahme. Und: „Einen solch bösartigen und hetzerischen Text dennoch unkommentiert und undistanziert weiterzuverbreiten, ist nach einhelliger Auffassung des restlichen IG-Vorstandes absolut inakzeptabel.“ Dies sei weder mit der Satzung noch mit dem Alemannia-Leitbild zu vereinbaren.

Auf dieses Leitbild, zu dem Werte wie Toleranz und Weltoffenheit gehören, verweist auch Alemannia-Präsident Dr. Martin Fröhlich und hält das Ganze ebenfalls für „völlig inakzeptabel“. Zumal sich die Alemannia im Breitensport auf die Fahnen geschrieben habe, einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten.

Dass der Verein, der vor einigen Jahren Negativschlagzeilen wegen Neonazis in der Fankurve schrieb, nun wieder mit rechten Parolen in Verbindung gebracht wird, verärgert den Präsidenten, zumal die Fans sich in dieser Saison „absolut in Ordnung“ verhalten hätten. „Aber auch wenn es nur ein Einzelfall zu sein scheint, müssen wir uns der Anfänge erwehren.“

Die Fan-IG will mit Filbrich am nächsten Donnerstag über den Vorfall sprechen. Filbrich selber kündigt an, sich in Kürze auch öffentlich ausführlicher zur Sache äußern zu wollen. Ihm droht im schlimmsten Fall ein Vereinsausschluss.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert