„Alemannia 2018“: Ramponierte alte Dame soll bessere Jahre erleben

Von: Christoph Pauli
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Das Team „Alemannia 2018“: Thomas Deutz, Heinz Maubach, Horst Reimig (stehend von links), Tim Hammer, Oliver Laven und Christian Steinborn (sitzend von links) wollen sich am 13. März dem den Mitgliedern stellen, wenn es um die Wahl des neuen Vorstands geht. Maubach soll dabei Präsident werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit der alten Dame hat Tim Hammer in den letzten Jahren ja schon mehrfach zu tun gehabt. Zweimal ist er näher gekommen, als er ihr dienen durfte. Jetzt ist der Spediteur wieder da, und die Braut ist nicht attraktiver geworden in der Zwischenzeit. „Sie ist aktuell eher schlecht gefönt“, sagt Hammer launig, „aber sie ist lebendig. Wir würden sie gerne in den nächsten Jahren etwas aufhübschen, denn die Dame Alemannia ist enorm wichtig für die Stadt.“

Hammer ist ebenso ein Beisitzer-Kandidat für das Präsidium von Alemannia Aachen wie der bisherige Schatzmeister Oliver Laven, geschäftsführender Direktor der „regioMedien“. Horst Reimig, Prokurist bei den Dalli-Werken, (bislang Verwaltungsrat) soll Schatzmeister werden. Als Präsident wird Heinz Maubach kandidieren, als sein Vertreter der Diplom-Kaufmann Thomas Deutz. Für den Verwaltungsrat sind Heiner Höfken, Robert Moonen, Stephan Grießer und Stefan Wirtz vorgesehen.

Und auch die Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrats am 13. März sind gefunden: Antreten werden neben Deutz, Laven und Hammer noch Olaf Heinrich, Chef des Hauptsponsors DocMorris, und Christian Steinborn, Vertriebsleiter bei „Streetscooter“. Das ist die Mannschaft, die sich in den letzten Wochen formiert hat und sich „Alemannia 2018“ nennt. Solange würde die Amtszeit laufen – wenn der Vorschlag denn angenommen würde.

Jetzt beginnt die „Road-Show“, die Männer werden sich insbesondere bei den Fans in den nächsten Wochen mit ihren Ideen vorstellen. Die beiden Vorsitzender der Fan-IG, André Bräkling und Dirk Habets, sprachen gestern sofort eine Einladung aus. „Wir wollen keinen überreden, sondern überzeugen“, sagt Deutz. „Wir streben einen anderen Dialog, eine andere Transparenz auch in Hinblick auf Zahlen an.“

Sie verstehen sich als Team mit unterschiedlichen Aufgaben. Dazu fühlen sie wichtige Mitstreiter wie die Stadt Aachen oder den Vermarkter an ihrer Seite, die ausreichend Grund gehabt hätten, desillusioniert von Bord zu gehen. „Wir spüren ein großes Vertrauen“, sagt Hammer. Ausscheiden wird der aktuelle Aufsichtsrat, der nur noch aus Christoph Terbrack besteht.

Auschlaggebend für seinen Verzicht sei nicht die Androhung von möglichen Haftungsansprüchen durch den Insolvenzverwalter, sagt der Notar. „Dann hätte ich wie andere auch schon früher gehen müssen, zumal wir zuletzt keine entsprechende Versicherung mehr besaßen.“ Vielmehr wolle er aus „familiären Gründen“ das unglaubliche Pensum der letzten Monate reduzieren.

Gestern schaute die Mannschaft in der Redaktion vorbei. Noch immer wissen sie nicht genau, wie es um die Fußball-GmbH finanziell tatsächlich steht, sagt Reimig. „Wir haben Zahlen, aber keine Unterlagen bekommen. Uns fehlen vertragliche Grundlagen.“ Die Männer sind trotzdem nicht ausgestiegen, obwohl die Lage noch diffus ist. In den nächsten Wochen wollen sie einen Geschäftsführer herausfiltern, der vorerst extern finanziert werden soll. „Wir brauchen da einen Volltreffer“, hofft Laven.

Die Funktionäre versuchen sich im Bodenturnen, sie müssen den Spagat wagen. Einerseits haben nicht alle ein Mandat beim Klub, andererseits „fehlen Zeit und Geld“, meint Hammer. Sie wollen sich ohne Umschweife an die Arbeit machen, ihr Netzwerk aktivieren, um Vertrauen bitten, Gelder akquirieren, die Scherben der Vergangenheit wegkehren. Die ersten Signale sind ermutigend. „Wenn denn andere gewählt werden, profitiert dennoch der Klub“, sagt Hammer. Kurzfristig soll auch wieder der Wirtschaftsbeirat eingerichtet werden, „der hochkarätig“ besetzt werden soll. Wenn man Hammer & Co. reden hört, sieht man, wie sie die Ärmel hochkrempeln. „Wir wollen Gas geben.“

Natürlich suchen sie die richtige Thermik, sie wollen Alemannia wieder in Schwung bringen, „aber wir bauen keine Luftschlösser“. Aufbruchstimmung ist höchst willkommen, aber mit Augenmaß.

Kurzfristig geht es darum, die Regionalliga zu erhalten. Der dritte Abstieg in Serie, wäre das Ende des fast 114-jährigen Klubs, sagt nicht nur Hammer. Mittelfristig will das Team „Alemannia 2018“ wieder aufsteigen. „Es wird schwerer, als viele glauben. Wenn wir nach vier Jahren drittklassig wären, wäre das ein Erfolg.“ Dann wäre die alte Dame tatsächlich schon wieder attraktiver.

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