Albrecht-Dürer-Stube muss schließen

Von: Robert Esser
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Stehen im Regen: Die Gastronomen Marion Körner und Tochter Sandra Albarus müssen die Albrecht-Dürer-Stube dichtmachen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wütend und enttäuscht sind Mutter Marion Körner und Tochter Sandra Albarus. „Weil bestimmte Herren gerne Monopoly spielen, wird hier ein letztes Stück Stadtgeschichte einfach ausradiert“, ärgert sich Albarus.

Seit vielen Jahren führt die Wirtin eine der ältesten Kneipen der Kaiserstadt: die Albrecht-Dürer-Stube am Fischmarkt. Die Pächter bestätigten jetzt entsprechende Informationen unserer Zeitung: Ende des Jahres ist Schluss – nach rund 500 Jahren! Damit verliert der Fischmarkt nach dem Degraa (2006) und dem Konzeptwechsel der „Rose am Dom“ (2015) die letzte Traditionskneipe.

„Der Eigentümer hat das Haus verkauft, wir wussten erstmal von nichts. Und der neue Eigentümer, dem hier schon reihenweise Häuser gehören, will hier wohl keine Kneipe mehr haben“, sagt Körner. Für rund 850.000 Euro war das pittoreske Eckhaus auf dem Markt angeboten worden. Zugeschlagen haben Investoren, deren Namen im Immobiliengeschäft der Stadt seit Jahren immer wieder auftauchen – darunter ein Immobilienspekulant, der vor Jahren in Sachen Kaiserplatz-Galerie und Hotelneubau an der Sandkaulstraße in vorderster Reihe mitspielte, seinen Namen nun aber lieber nicht mehr in der Zeitung lesen möchte.

Er legt Wert auf die Feststellung, dass der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben ist – aber das Haus nach dem Vorbild des ehemaligen Degraa (das derselbe Investor erworben hat und heute an das Café Liége verpachtet) nebenan kernsaniert werden wird.

„Und sobald sich was im Haus ändert, greifen die neuen Brandschutz- und Schallschutzvorschriften, der Bestandsschutz ist dann vorbei – und damit ist es auch für die kleine Kneipe vorbei“, stellt er fest. Der künftige Eigentümer betont, dass der Pachtvertrag mit der Albrecht-Dürer-Stube von seiner Seite nicht aufgelöst wurde. Er räumt aber ein, dass das Aus für die Traditionskneipe mit der Kernsanierung wohl besiegelt ist. Auslöser dafür sei nur das Verkaufsinteresse des ursprünglichen Eigentümers, behauptet er.

Tatsache ist, dass die Albrecht-Dürer-Stube zum Jahresende die Zapfhähne hochdreht. „Dabei läuft das Lokal mittlerweile super, wir haben unheimlich viel Geld und Herzblut hineingesteckt“, sagt Albarus. „Natürlich wissen wir, dass das Haus sanierungsbedürftig ist: Es ist eine liebenswerte Bruchbude mit Charme und tollem Personal“, schwärmt Mutter Körner. Und fügt hinzu: „Schlimm, dass man auf diese Weise hier ausgelöscht wird.“ Es drehe sich in Sachen Immobilien eben alles nur ums Geld, Traditionsbewusstsein und Verantwortungsgefühl für Ikonen der Stadtgeschichte spielten wohl kaum noch eine Rolle.

Ihre Kneipe mit Restaurant am Fischmarkt 7, die früher „Zum Siegel“ hieß, verdankt ihren Namen einem Besuch des heute weltbekannten Malers Albrecht Dürer. Der kehrte 1520 in das Wirtshaus ein und notierte in seinem Reisehandbuch: „Ich hab 7 Stüber mit heren Hans Ebner im Spiegel verspielt.“ In Erinnerung an den berühmten Gast trägt das Haus seit langem den Namen „Albrecht-Dürer-Stube“. Die Wände sind holzgetäfelt, die Theke klassisch, an der Wand hängen Bilder der Aachener Stadttore.

Im nächsten Marco-Polo-Reiseführer sollte das Lokal als „Geheimtipp“ für Aachen gelistet werden. Das können sich die Autoren nun sparen. „Es ist eine Schande, was hier passieren wird“, sagt Körner. Albarus verspricht, dass man anderswo und mit dem selben Namen ein Wirtshaus übernehmen will. „Albrecht Dürer nehmen wir mit, auch wenn es nicht dasselbe sein wird“, sagt sie. Am Fischmarkt hingegen wird aller Voraussicht nach ein solventer Nachmieter irgendeiner gastronomischen Kette einziehen – so wie in der direkten Nachbarschaft.

Wut und Enttäuschung bleiben hingegen. Nicht nur bei den letzten Pächtern. Auch bei den Touristen, die hier ab 2017 vor verschlossenen Türen stehen.

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