Alarmstimmung: Bundespolizei mit Maschinenpistolen auf dem Bahnsteig

Von: Stephan Mohne
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Aufgerüstet: Die Bundespolizei patrouilliert im Hauptbahnhof nach den Anschlägen von Paris mit schusssicheren Westen und Maschinenpistolen. Foto: Ralf Roeger
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Anteilnahme: Wenige Stunden nach den Anschlägen platzierten Aachener im Gedenken an die Opfer Blumen und Kerzen am französischen Konsulat an der Theaterstraße. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sie tragen Maschinenpistolen, sie tragen schusssichere Westen. Die Bundespolizisten haben aufgerüstet. Klar, nach den Terroranschlägen von Paris herrscht Alarmstimmung. Auch und vor allem am Hauptbahnhof.

Insbesondere die Fernzüge von und nach Frankreich stehen im Fokus der Beamten, die aber auch den Rest des Tages deutlich auf den Bahnsteigen und am Eingang Präsenz zeigen. Aachen ist Grenzstadt. Es herrscht höchste Aufmerksamkeit. Grenzkontrollen gibt es indes laut Bundespolizeizentrale in Potsdam punktuell derzeit nur an der Grenze zu Frankreich selbst. Aber das könne sich je nach Lage auch schnell ändern.

Während die Grenzschützer schwer bewaffnet Sicherheitsgefühl vermitteln sollen, wird andernorts in der Stadt der Opfer gedacht. Aachen ist mit Frankreich eng verbunden. Man merkt es in diesen Tagen. Wenige Stunden nach den brutalen Anschlägen haben sich Menschen auf den Weg zur Theaterstraße gemacht. Im Haus mit der Nummer 67 – auch bekannt als Haus Matthey – hat das französische Konsulat ebenso seinen Sitz wie das Deutsch-Französische Kulturinstitut. Auf den Fensterbänken werden Blumen und Kerzen platziert, um der Trauer, aber auch der Hoffnung Ausdruck zu verleihen.

Dr. Angelika Ivens, seit wenigen Wochen Honorarkonsulin Frankreichs in Aachen und Leiterin des Kulturinstituts, fehlen beinahe die Worte. Weil der Schock der Anschläge auch bei ihr noch tief sitzt. Aber auch, weil die Anteilnahme überwältigend ist. Etliche E-Mails haben sie in den Stunden nach den Anschlägen erreicht. „Es fällt schwer, darüber zu sprechen“, sagt Ivens traurig. Fassungslos und fern des Verstehens stehe man vor der Situation. Ihr erster Gedanke, als sie von den Anschlägen erfuhr, habe 30 jungen Leuten in Paris gegolten. Sie nehmen an einem Ausbildungsprogramm teil, dass Ivens leitet.

„Die jungen Leute gehen dort, wo die Anschläge verübt worden sind, abends aus“, erzählt die Honorarkonsulin. Auf sie kommen auch einige Aufgaben zu, permanent stehe sie in Kontakt mit der französischen Botschaft und dem Generalkonsulat. Und sie hat ein Kondolenzbuch ausgelegt. Ab Montag, 10 Uhr, kann man sich im Haus Matthey eintragen. Angesichts der vielen Solidaritätsbekundungen sagt sie: „Paris ist uns nahe.“ Nicht nur im geografischen Sinn. Was OB Marcel Philipp nicht anders sieht: „Aachen ist eine Europastadt. Die feigen Terrorakte waren ein Schlag gegen Europa. Damit waren sie auch ein Schlag gegen Aachen.“

Apropos Anteilnahme: Im Pius-Gymnasium gibt es am Montag eine Gedenkveranstaltung mit allen Schülern und Lehrern. Noch bis Mittwoch waren Austauschschüler aus Paris dort zu Gast. Und die islamische Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat, die eine Moschee an der Feldstraße hat, verurteilt die Terroristen als „Feinde der Menschlichkeit und eine Gefahr für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung“. Mitgefühl und Beistand seien „mit den Opfern und den Familien und natürlich mit dem französischen Volk“.

Angelika Ivens wird mit der Polizei Kontakt aufnehmen, um über die Sicherheitslage zu reden. Das Konsulat wird ohnehin überwacht. Nun aber noch intensiver. Die Polizei spricht von „zeitweise besonderen Schutzmaßnahmen“ hinsichtlich „eines Objekts in der Innenstadt“. Gemeint ist das Haus Matthey. Eine „konkrete „Gefährdungslage“ liege jedoch nicht vor. „Die bestehende Gefährdungslage nehmen wir sehr ernst“, so Polizeisprecher Werner Schneider. Die „Gefahrenbewertung“ habe sich durch die Anschläge jedoch nicht verändert. Schneider: „Es ist weiterhin von einer generell abstrakt hohen Gefahrenlage auszugehen.“ Hinweise auf konkrete gewalttätige Aktionen oder gar Anschläge in der Region habe man nicht. „Dennoch ist die Aachener Polizei sehr wohl sensibilisiert und wachsam“, so der Polizeisprecher.

Was auch kein Wunder ist und nicht nur mit der Grenzlage Aachens zu tun hat. Aachen und die Städteregion sind in den Augen des Landesverfassungsschutzes schon länger Hochburgen der Salafisten. Der Verfassungsschutz geht von mehreren Dutzend gewaltbereiten Islamisten in der Region aus. Einige von ihnen stehen unter Dauerbeobachtung. Da wird man gerade nach den jüngsten Anschlägen wohl noch genauer hinschauen. Mit Sicherheit.

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