Alarmierend: Gewalt gegen Polizisten nimmt drastisch zu

Von: Stefan Herrmann
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Die Gewalt gegen Polizisten nimmt drastisch zu. 2016 wurden über 100 Beamte verletzt. Symbolbild: dpa

Aachen. Der Mann wird direkt aggressiv. Kurz zuvor hatten die beiden Polizisten den Autofahrer angehalten, weil er mitten in der Nacht ohne Licht durch die Aachener Innenstadt fuhr. Als die Beamten ihn daraufhin kontrollieren wollen, werden sie sofort mit Beleidgungen überhäuft.

Doch damit hört es nicht auf. Der Mann schlägt nach den Beamten, versucht sie zu treten. Mit angelegten Handschellen bringen sie ihn schließlich zur Wache. Dort eskaliert die Situation weiter. Offenbar unter Drogeneinfluss stehend, geht der Mann – völlig außer Rand und Band – auch auf den Arzt los, der ihm eine Blutprobe entnehmen soll. Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Wochenende. Die Beamten wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Ihren Dienst machten sie trotzdem weiter. Kein Einzelfall, sondern bitterer Alltag.

Allein im vergangenen Jahr sind über 100 Polizisten der Aachener Polizei durch körperliche Attacken verletzt worden. Das entspricht einem Anstieg von etwa 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015, als 83 Polizisten bei Einsätzen Verletzungen davontrugen. Von einer Hemmschwelle, von Respekt gegenüber den Menschen, die da ihren Dienst für die Allgemeinheit tun, ist immer häufiger nichts zu spüren.

Der Freund und Helfer als Feindbild. Eine besorgniserregende Entwicklung, die Polizeipräsident Dirk Weinspach nun zu einem aufrüttelnden Appell bewegt hat. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind keine Prügelknaben, die für gesellschaftlichen oder privaten Ärger und Frust missbraucht werden können. Sie sind Menschen mit Familien, die zu Hause warten und hoffen, dass ihre Liebsten wieder gesund nach Hause kommen“, sagt er in einem Video der Aachener Polizei, das derzeit durch die sozialen Netzwerke rauscht und auf eine große Resonanz stößt.

Polizisten werden beleidigt, bespuckt, bedroht, getreten und verletzt. Und das beinahe täglich. Denn die gut 100 verletzten Beamten im vergangenen Jahr bilden nur die traurige Spitze des Eisbergs. So habe es 2016 insgesamt 260 Fälle von sogenannten Widerstandshandlungen gegeben, wie Polizeisprecher Paul Kemen mitteilte. 2015 zählte die Behörde noch 181. Und auch im laufenden Jahr habe es bereits zahlreiche solcher Fälle gegeben, die Weinspach konsequent zur Anzeige bringt. „Es ist nicht hinnehmbar, dass unsere Kolleginnen und Kollegen, die es sich zum Beruf gemacht haben, andere Menschen zu schützen, selber Opfer von Angriffen werden. Ich unterstütze daher die Kollegen, die Angriffe auf ihre Person zur Anzeige bringen, ausdrücklich.“

Erst am Mittwoch, berichtet Kemen, seien acht weitere Berichte über Attacken auf Beamte, die sich in den vergangenen Tagen ereignet haben, auf dem Schreibtisch des Polizeipräsidenten gelandet. Von einer gefühlten Zunahme der Gewalt gegen Polizisten, das belegen die Zahlen, könne längst keine Rede mehr sein. „Es ist handfeste Realität. Eine Realität, die beängstigt“, so Kemen. Offene Aggression und Attacken erleben die Polizisten in jeder nur erdenklichen Situation. Großeinsätze wie zum Beispiel bei Demonstrationen und Fußballspielen seien nicht einmal die größten Konfliktherde.

„Es sind oftmals die Routineeinsätze“, erklärt Kemen. Werden Beamte wegen häuslicher Gewalt gerufen, drohen immer wieder auch ihnen Schläge und Tritte. Die, die eigentlich als Schlichter auftreten wollen, rücken plötzlich selbst in den Fokus. Familienangehörige, die sich zuvor noch heillos gestritten hätten, würden dann gemeinsam die Polizisten attackieren. Vulgärste Beschimpfungen, massive Drohungen gegen die Beamten und sogar gegen ihre Familienangehörigen müssen sie dabei immer wieder ertragen.

Die Polizei berichtet, dass alleine am vergangenen Rosenmontag insgesamt 13 Polizeibeamte bei Einsätzen in der Städteregion angegriffen worden seien. Die Attacken fanden zumeist am Rande von Karnevalsveranstaltungen statt. Und wie so häufig wurden die Polizisten von den völlig enthemmten Tätern getreten, geschlagen und bespuckt. Zwei Beamte wurden dabei verletzt, einer sogar so schwer, dass er seinen Dienst nicht fortsetzen konnte.

Die alarmierenden Entwicklungen beschränken sich unterdessen nicht auf Polizeibeamte. Auch der Stadt Aachen bereiten die Attacken gegen Mitarbeiter zunehmend Sorgen. Im Jahr 2014 wurden elf Strafanzeigen gestellt, 2015 waren es schon 26. 2016 wurden bereits bis Oktober 42 Strafanzeigen gestellt. Die Stadt betont, dass man eine „Null-Toleranz-Strategie“ fahre und jede Beleidigung und jeden tätlichen Angriff unverzüglich zur Anzeige bringe.

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