Alaaf und Amen: Wenn die Penn geht, ist Dieser im Anflug

Von: Stefan Herrmann
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Ob für Karnevalist, Chor oder Bischof: Rathaus-Hausmeister Heinz Spees ist dieser Tage im Dauereinsatz. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Grenze zwischen Karneval und Kirche ist fließend. Oder zumindest sehr dünn. In zeitlichen Parametern ausgedrückt: Keine fünf Stunden liegen am Samstag in Aachen zwischen Bütt und Bischof. Denn wenn Mitglieder der Oecher Penn die letzten Teile der Bühnendeko und andere Aufbauten am frühen Samstagmorgen ab 7 Uhr aus dem Krönungssaal karren, dürfte Aachens designierter Bischof Helmut Dieser schon auf dem Weg Richtung Dom sein, um dort zunächst ab 9.30 Uhr feierlich in sein Amt eingeführt zu werden.

Und direkt im Anschluss empfängt der Bischof dann unzählige Gratulanten – ebenfalls im Krönungssaal. Alaaf und Amen geben sich an diesem Tag im Rathaus gewissermaßen die Klinke in die Hand.

Den zeitlichen Ablauf kann man also als durchaus sportlich bezeichnen. Und das nicht nur beim rasanten Wechsel vom Fastelovvend zum feierlichem Empfang. Denn schon am Mittwoch geht der Veranstaltungsmarathon im Krönungssaal los. Das bedeutet für Rathaus-Hausmeister Heinz Spees und sein Team: Stühlerücken im Akkord. „Das wird am Samstag sicher eine Punktlandung“, orakelt Spees.

Von Nervosität, dass womöglich etwas nicht klappen könnte, ist bei ihm aber nichts zu spüren. Kein Wunder, gehört die punktgenaue Vorbereitung von Festakten, Konzerten und Diskussionsabenden doch seit gut drei Jahrzehnten zum ganz normalen Alltagswahnsinn von Spees.

Eine kurze Nacht

Vor und nach der Stadtgarde Oecher Penn, die am Freitagabend im großen Stil ihr 160-jähriges Bestehen im Krönungssaal mit reichlich Tamtam feiert, und dem folgenden Bischofsempfang reihen sich nämlich weitere Veranstaltungen in Aachens wohl edelster Stube an.

Daher machte sich Spees schon am Dienstag daran, den Saal zu bestuhlen und eine Bühne aufzubauen. Im ersten Akt bedeutet das: Am Mittwoch lädt die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu Erinnerungen an die Reichspogromnacht in den Krönungssaal. Dann hält der Karneval Einzug. Akt zwei: 450 Stühle samt Catering und Platz für 300 weitere (Steh-)Gäste müssen perfekt arrangiert werden. Hinzu kommen Licht- und Tontechnik sowie die jecken Aufbauten der Penn. Gefeiert wird am Freitagabend dann bis „23 Uhr plus x“, wie es Evelin Wölk vom städtischen Presseamt diplomatisch ausdrückt.

Spees kennt die Ausdauer der Karnevalisten und geht davon aus, dass er nicht vor 1 Uhr den Krönungssaal abschließen kann. Eine kurze Nacht später steht er dann schon wieder zwischen den mächtigen Säulen und gibt Gas, damit der Bischof samt Gefolge und Gästen nicht über Luftschlangen vom Vorabend stolpert. „Die wird‘s hier aber definitiv nicht mehr geben“, verspricht der heimliche Herr des Rathauses.

Eine Putzkolonne schrubbt die Fastelovvendsüberbleibsel gründlich aus dem gut 1100 Quadratmeter großen Saal, die 450 Stühle verschwinden in Windeseile in den Abstellkammern und das Catering sowie feinster Blumenschmuck sorgen für das passende Ambiente, um den dann offiziell ernannten neuen Bischof von Aachen gebührend zu empfangen. Und zwar im Stehen.

Akt drei endet am späten Samstagnachmittag. Nicht aber der Arbeitstag von Spees. Denn nun heißt es wieder: Stühle rein, und zwar gleich 670 an der Zahl. Die sollen am Sonntagabend (18 Uhr) im vierten Akt den Konzertbesuchern des St.-Marien-Gesangsvereins Aachen-Horbach Platz bieten.

„Alles drin“ lautet der Werbeslogan für die Einkaufsstadt Aachen. In diesen Tagen trifft er wohl vor allem auf das stramme Von-Kirche-bis-Karneval-Programm im Krönungssaal zu.

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