AKV-Ordensverleihung: Öcher Kräfte trotzen dem Ton

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
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Komplett überfordert: Die aufwendig inszenierte AKV-Ordensverleihung lieferte tolle Bilder fürs Publikum – aber die Abmischung des Saaltons gelang der WDR-Crew nach einwöchiger Aufbau- und Probezeit leider nur phasenweise. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gar nicht komisch: Gleich zum Start verkündet die unsichtbare Regisseurin dem gut gelaunten Saal über Lautsprecher: „Bitte alle wieder hinsetzen, damit wir die Sendung starten können!“ Da schwant vielen im Publikum schon, dass man am Samstagabend als Gast der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ im Aachener Eurogress an Gregor Gysi bestenfalls Staffage ist.

So ziemlich alles beim Aachener Karnevalsverein (AKV) wird dem Diktat der Fernsehmacher untergeordnet. Der Ton im Saal klingt zuweilen so schlecht und leise, dass man Redner wie Comedian Abdelkarim und Laudatorin Gertrud Höhler selbst beim allerbesten Willen nicht versteht. Gar nicht. Hauptsache im Ü-Wagen passt der TV-Sound. „Ich dachte erst, mein Hörgerät ist kaputt. Unfassbar!“, klagt AKV-Ehrenpräsident Georg Helg nach der gut dreieinhalbstündigen Karnevalsrevue. Er wird nicht der einzige Kritiker im Laufe der Nacht bleiben.

Weil‘s so schade ist: Denn gerade die Kräfte aus der Aachener Region machen zwischen den Prominenten und WDR-Importen auf der Bühne eine hervorragende Figur: AKV-Elferrat David Lulley moderiert erstmals neben AKV-Präsident Werner Pfeil und Tagesschau-Sprecher Jens Riewa – angenehm unaufgeregt und sympathisch. Sagenhaft kommen Aachens EU-Parlamentarierin Sabine Verheyen und Stimmungssänger Kurt Christ an.

Standing Ovations der 1300 Zuschauer erntet ihr Duett zum legendären Lennet Kann! Zuvor räumt Hastenrath‘s Will ab. Als Bauer aus dem Selfkant zündet der Komiker mit Riesenkuh wunderbare Pointen. Er empfiehlt den USA angesichts ihres neuen Präsidenten Trump „die Pille danach“ – und hat auch fürs Publikum manch guten Rat parat: „Ich sehe hier so manche Ehe, die auch schon länger dauert als nötig.“ Tusch, Alaaf.

Zauberhaft glänzt der Tanz „Made to move“ der Gruppe „Dash“ aus Monschau-Imgenbroich im Rampenlicht, der mit dem Zentis-Kinderpreis belohnt wird. Dann fliegen den Prinzen – Thomas III. und Luc I. – die Herzen zu. Das eigens für die AKV-Sitzung komponierte Lied der beiden passt wunderbar, die prachtvollen Garden liefern eine tolle, bloß viel zu kurze Show – mit dem Tanzpaar Janine Wolff und Sandro Gallazini – ab.

Weil wiederum der Saalton viel zu schwach ist, kommt die grandios getanzte „Bollywood“-Nummer der Aachener Dance-Company „TNBoom“ kaum an. Je leiser der Bühnenton, umso lauter das Gemurmel im Saal. Darunter leidet auch die witzige Musik-Comedy von „Et Zweijestirn“. Die Parodisten Carsten Forg und Roland Jansen aus Erkelenz schlagen sich dennoch wacker.

Da die Tontechnik patzt, geht fast unter, wie die sensationelle Tanzmarie Julia Plötz von der KG Eulenspiegel mit dem Lambertz-Ehrenpreis ausgezeichnet wird. Kompliment! Ein Faszinosum bleibt, dass die 4 Amigos – Uwe und René Brandt, Stefan Beuel und Dietmar Ritterbecks – Jahr für Jahr der Stimmungshöhepunkt jeder Aachener Karnevalssitzung sind.

Vergangenes Jahr hatte das Quartett aus Protest gegen Ritter Markus Söder – der dafür diesmal durch Abwesenheit glänzt – ausgesetzt. 2017 schlagen die 4 Amigos mit bekannten Melodien und meisterhaften Mundart-Texten wieder voll ein.

Fast jeder im Saal tanzt und singt mit, der AKV-Soundexpress unter der Leitung von Dieter Graaf spielt dazu geniale Arrangements. Das ist einfach perfekt. So gut, dass sogar die völlig überforderte Tontechnik-Crew das Gelingen des Amigo-Auftritts nicht verhindern kann. Klasse. Als Aachens „Voice“, Mullefluppet-Preisträger Jupp Ebert, beim großen Finale um 23.15 Uhr „Alemannia, olé, it‘s forever än ene day “ anstimmt, strahlen alle – Präsident, Elferrat, Künstler und Ordensritter Gysi – vor Glück im Konfetti-Regen. Ende gut, alles gut?

Klatschnass verlässt danach der Saalton-Ingenieur sein Mischpult oben im Saal. Er hatte schon während der dreieinhalbstündigen Preisverleihung reichlich Besuch. Gelächelt hat da keiner, komisch.

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