Aachen - AKV-Festsitzung: Schweiß wie Schampus in Strömen

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AKV-Festsitzung: Schweiß wie Schampus in Strömen

Von: Robert Esser, Thorsten Karbach und Albrecht Peltzer
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Sensationelle Stimmung: Rund 1300 Gäste der AKV-Sitzung ließen sich im Eurogress beim über dreistündigen Programm vor allem von den Aachener Karnevalsgrößen – hier die „4 Amigos“ – mitreißen. Foto: Michael Jaspers
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Augen zu und durch: Vorjahres-Laudator Philipp zu Guttenberg war beim Duo Naseweis wirklich „Arm dran“ – das Publikum lachte sich schlapp.

Aachen. Es ist 1.10 Uhr, Sonntagmorgen. Die Party nach der AKV-Festsitzung steuert auf ihren Höhepunkt zu. Und Ordensritter Cem Özdemir nimmt mit seiner Frau Pia Maria Castro Kurs Richtung Tanzfläche. Die „Wheels“ spielen im Eurogress-Foyer gerade „Er gehört zu mir“ – und er bleibt tatsächlich hier, weitab vom abgeschirmten VIP-Bereich, in dem sich Promis sonst verschanzen.

Dutzende Partygäste recken Foto-Handys inmitten des wogenden Narrenmeers in die Höhe, filmen das bunt beleuchtete Bad in der Menge. Özdemir strahlt, taucht mal hier, mal da auf – er plaudert, plauscht, hat vööl Pläsier.

Was für eine Nacht! Guttenberg-Gau, Fischer-Fiasko? Das war gestern. Heute entdeckt ein anatolischer Schwabe seine neue Heimat: den Öcher Fastelovvend. „Toll, was hier für eine Stimmung herrscht! Klasse, was der Aachener Karnevalsverein hier auf die Bühne gebracht hat!“, sagt der grüne Parteichef. „Phänomenal“ fand der Geehrte vor allem die Aachener Acts. Was WDR-Berater Axel Beyer nach drei Stunden und 15 Minuten Aufzeichnung mit sieben Kameras wurmt: „Das war superklasse, ich weiß nicht, was wir schneiden sollen“, stöhnt er. Und lächelt: „Die beste AKV-Sitzung seit Jahren!“ Komprimierte zwei Stunden sendet die ARD am Montag ab 20.15 Uhr.

Wie viel Aachen bleibt also übrig? Schon der schmissige Startsong von AKV-Vize und Moderator Rolf Gerrards mit „Aachen-“ statt „Gangnam-Style“ kommt live fantastisch an. „Et Zweijestirn“ aus Erkelenz dichtet danach zu Songs wie „Sexbomb“ Zeilen á la „Angie Merkel, das ist ne geile Braut“ – der Auftritt dürfte deutlich gekürzt werden. Und auch die Nummer der „Lennet Girls“, mit Ballett wunderbar in Szene gesetzt, fällt wohl der Schere zum Opfer.

Als echter Hingucker kassieren die 26 Kinder der Neptun-Tanzkompanie – barfuß (!) verstärkt durch das Monschauer Topmodel Rebecca Mir und Tanzpartner Massimo Sinato – nach ihrer choreographischen Reise zu „Arielle, die Meerjungfrau“ nicht nur tosenden Beifall, sondern auch den mit 3333 Euro dotierten Zentis-Kinderkarnevalspreis. Der Lambertz-Ehrenpreis für das beste Tanzmariechen geht an Jennifer Lander, die später inmitten der Horbacher Freunde atemberaubend akrobatisch über die AKV-Bühne fliegt. Die Öcher Urgesteine „Josef, Jupp und Jüppchen“ attackieren zielsicher die Zwerchfälle der 1300 Gäste im zum Hightech-Fernsehstudio umgebauten Europa-Saal – und bestimmt auch Millionen Fernsehzuschauer. Die lernen dann ebenso das Duo Naseweis kennen, die zwei Auftritte im AKV-Programm absolvieren. Ihr Pantomimen-Song „Rad da“ wird fürs Fernsehen gestrichen. Arm dran? Von wegen: Der hinreißende Jackett-Klamauk von Martin Bruders und Frajo Ligmann treibt dem fremdgesteuerten Vorjahres-Laudator Philipp zu Guttenberg Schweiß und den Zuschauern Lachanfälle ins Gesicht. Slapstick-Komik in Perfektion, ein Muss fürs Fernsehen!

Prächtige Bilder versprechen auch der Auftritt von Prinz Thomas II. und seinem kleinen Pendant Prinz Tim I. samt Hofstaat, Prinzengarde und Tanzpaar. Das Tollitäten-Duett „Oche Alaaf“ aus der Feder des Roetgener Musikproduzenten Meinolf Bauschulte – der übrigens auch die knackigen Arrangements für den AKV-Soundexpress schrieb – klingt toll. Schade nur, dass die TV-Produzenten bei fast allen Musikbeiträgen auf Vollplayback bestehen. Obwohl die Öcher Karnevalsprofis erfahrungsgemäß spielend den richtigen Ton treffen. Was Prinzengarden-Kommandant Markus Bongers – angesichts seiner eigens aufmarschierten Kapelle – am Mikrofon süffisant-witzig beweist: „Gibst Du dem WDR einmal eine CD, dann lässt er sie auch laufen...“

Seit 27 Jahren stakst Dirk von Pezold als Lennet Kann auf die AKV-Bühne. 2013 gibt‘s eine Premiere: An seiner Seite singt Laura Lennartz (13). Das hat Charme, passt wunderbar in ein närrisches Programm, das Tradition und Moderne so dynamisch voran treibt. Dann bricht der Vulkan los. Wenn die „4 Amigos“ ihren Hit „Vür fiere Öcher Karneval“ anstimmen, kocht der Saal. Damen in Abendroben klettern auf Tische und Stühle, Herren im Smoking grölen lauthals mit. Als die Amigos Özdemir mit dem „Schäng“ als „Öcher Cem“ adeln und ihn – das akribische AKV- und TV-Regiebuch ignorierend – zur spontanen Tanzeinlage auf die Bühne holen, gibt‘s gar kein Halten mehr.

Das Publikum tobt. Und darf stolz sein auf alle Akteure: die Oecher Börjerwehr, das AKV-Ballett, den AKV-Elferrat mit Präsident Werner Pfeil, die Ehrenhüte, zig Techniker, Servicekräfte des Casinos (die unter anderem 280 Flaschen Champagner und 1300 Liter Bier ausschenken) und die Crew um Quellenhof-Küchenchef Jeroen Rumpen (der für 400 VIPs Köstlichkeiten wie Austern, Fettuccine mit Hummersauce sowie Ananas auf Kokos-Mangocreme kredenzt). Außerdem lässt sich die Gästeschar hunderte Currywürste schmecken, wie Hans-Joachim Stuntz, Chef der Spielbank-Gastronomie am frühen Morgen bilanziert. Und Ritter Cem Özdemir, das grüne Krokodil? Der Mann ist Vegetarier, bleibt Sonntag aber noch zum Katerfrühstück. „Ich komme zurück“, schwört er. Und strahlt wieder. Er bleibt auf Kurs „Wider den tierischen Ernst“.

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