Aktive Blogger: Pferdealltag auf allen Online-Kanälen

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Bloggerinnen wie Harriet Charlotte Jensen berichten auf allen Social-Media-Kanälen und ihren Pferdesportblogs über den CHIO. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Handyvideos macht auf diesem CHIO wahrscheinlich nahezu jeder der insgesamt rund 300.000 erwarteten Besucher. Doch kein Amateurfilmer wird anschließend so viele Zuschauer für sein Material finden wie Harriet Charlotte Jensen.

Die 25-jährige Hamburgerin betreibt den erfolgreichsten persönlichen Reitsportblog Deutschlands. In diesem Jahr ist sie erstmals über die gesamte Turnierlänge auf dem Reitsportfestival – gemeinsam mit elf weiteren Pferdebegeisterten aus der Szene belebt sie die neue Blogger-Lounge im CHIO-Village.

Jensen hat geschafft, wovon viele ihrer knapp 79.000 Instagram-Follower vermutlich nur träumen: Ihr Alltag besteht darin, Zeit mit ihren fünf Pferden und ihrem Hund zu verbringen und ihr Online-Publikum daran teilhaben zu lassen. Dafür bespielt die Deutsch-Norwegerin alle aktuell gängigen Kanäle der Sozialen Medien: Auf Youtube erreichen ihre Videos regelmäßig mehrere hunderttausend Klicks, neben Twitter ist sie auch auf Snapchat aktiv.

Das Herzstück ihrer Arbeit jedoch ist ihre Website, der eigentliche Blog. Jensen verdient damit ihren Lebensunterhalt. Mehr als 650.000 Besucher hat die Seite bislang. Eine Reichweite, die sie für Sponsoren und Kooperationspartner interessant macht. Seit vergangenem Jahr betreibt sie ihren Internetauftritt als Unternehmensgesellschaft. Ihre ehemalige Stallnachbarin Franziska Sack übernimmt die professionelleren Fotoarbeiten, im „Back-Office“ gibt es Verantwortliche für Buchhaltung und Webdesign.

„Ohne den Blog wäre es definitiv nicht möglich, fünf Pferde zu unterhalten und sie mindestens fünf Tage in der Woche selbst zu begleiten“, sagt Jensen. Sie habe aber das Glück, dass mit der Anzahl ihrer Pferde auch der Erfolg wächst: „Je mehr Pferde ich habe, desto mehr habe ich zu zeigen.“ Ob Alltägliches wie Training, Pflege, Gesundheit und die Ausbildung ihres Fohlens oder auch Turnierbesuche und Gespräche mit Persönlichkeiten aus dem Reitsport: Jensens Auftritt im Internet ist vielfältig.

Besonders gut kommt das bei der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen an. Und wie das Publikum in den Reitställen der Nation vermuten lässt, sind es hauptsächlich Mädchen und Frauen, die ihre Beiträge „liken“ und kommentieren. „Ich bediene insbesondere den ambitionierten Amateurbereich, also Freizeitreiter, die auch auf Turniere gehen“, sagt Jensen.

Den CHIO hat Jensen in den vergangenen beiden Jahren auch schon besucht. „Ich hatte aber so viele Ideen, dass ich festgestellt habe, dass ein Tag auf dem Turnier einfach nicht reicht.“ Besonders gespannt ist Jensen auf die Nachwuchswettbewerbe und den Nationenpreis.

Bereiche wie die Vielseitigkeit, die weniger Aufmerksamkeit erhalten und von denen sie selbst nicht besonders viel verstehe, wolle sie aber ebenfalls mitnehmen. Das Zusammenkommen in der Bloggerlounge bietet zudem natürlich Möglichkeiten zum Netzwerken. Außerdem auf dem Programm: Gespräche mit den begehrten Reitstars: Meredith Michaels-Beerbaum und Sönke Rothenberger stehen bereits auf Jensens Zettel.

Für spontane Geschichten und Interviews hält die junge Frau aber genauso jederzeit die Augen offen. Aachen sei schließlich etwas Besonderes: „Viele Reitsportveranstaltungen wirken viel kleiner, wenn man sie nur aus dem Fernsehen kennt und dann zum ersten Mal da ist. Der CHIO ist das einzige Turnier, das live noch imposanter ist als auf dem Bildschirm.“

Am Auftaktabend im Licht des „fantastischen Sonnenuntergangs“ konnten Jensens Follower auf Instagram schon teilhaben. Doch was fesselt Tausende von Pferdebegeisterten am Alltag der ausgebildeten Tierphysiotherapeutin mit einem Abschluss in Marketing? „Es ist unheimlich wichtig, dass man sich nicht verstellt.“ Der realistische Umgang mit dem Pferd und große Ehrlichkeit in Bezug auf Schwächen seien, was bei ihren Fans so gut ankomme. In der Community entstehe regelmäßig ein reger, fruchtbarer Austausch über Probleme.

Vorbildfunktion

Nicht immer jedoch sind die Kommentare freundlich: Die Anonymität verleite viele dazu, jegliche Konventionen des höflichen Umgangs zu vergessen. Als Jensen 2013 mit dem Bloggen begann, habe sie sich das oft sehr zu Herzen genommen, sagt sie. „Ich war zu Beginn viel naiver und musste mir streckenweise so einiges anhören.“

Gehässigen Kommentaren begegnet die Bloggerin inzwischen sehr offensiv. Den Vorwurf, sie könne ihre Vierbeiner nicht genug wertschätzen, weil sie ständig mit der Kamera beschäftigt sei, entkräftet sie mit einem Lächeln: „Die Kamera ist für mich inzwischen so selbstverständlich wie der Reithelm.“ Und wer eine derartige Vorbildfunktion für junge Reiter hat, trägt auf dem Pferderücken natürlich auch ausnahmslos einen Kopfschutz.

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