Aktionärsversammlung bei Schumag: Chaos geht weiter

Von: Stephan Mohne
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Bei Schumag sind 110 Mitarbeiter gekündigt worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Das ist einmalig, so etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt”, schüttelte Rechtsanwalt Thomas Hechtfischer den Kopf. Und als NRW-Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat er schon einige Wirren in Aktiengesellschaften erlebt. Klar, die Zahlen sind mies, dramatisch gar.

40 bis 50 Prozent weniger Aufträge, seit Monaten und für weitere Monate Kurzarbeit, fast 200 Jobs weg - das sind die lokalen Folgen der globalen Krise.

Am Nerscheider Weg in Schleckheim ist sie voll eingeschlagen - beim Traditionsunternehmen Schumag. Trotz alledem gibt es Grund zur Freude. Darüber nämlich, dass das Unternehmen überhaupt noch existiert.

Denn was auf der Aktionärsversammlung am Dienstag offenbar wurde, ist krass. Um ein Haar wäre Schumag vor die Wand gefahren, die Pleite stand kurz bevor.

Zwei Monate hätte das Unternehmen, damals noch im Maschinenbau und in der Präzisionsteileherstellung aktiv, noch gehabt, dann wär´s vorbei gewesen.

So zumindest brachte es Aufsichtsratvorsitzender Dr. Jens Ohlinger in einer emotionalen Debatte auf den Punkt. 1000 Menschen hätten dann auf der Straße gestanden. Nicht etwa, weil bei Schumag schlecht gearbeitet wird oder keine Aufträge da gewesen wären.

Vielmehr kündigten die Banken wegen der chaotischen Verhältnisse auf der Aktionärsseite zweitweilig die Kreditlinien, wie es auch Vorstandsvorsitzender Reiner Kiechl darstellte.

Das Aus konnte abgewendet werden, die Maschinenbausparte wurde verkauft. Zwar bestätigt dies niemand, aber dabei sollen 40 Millionen Euro geflossen sein. Ohne diesen Verkauf hätte es düster ausgesehen, so der Tenor in Kiechls Rede.

Das Problem ist nur: Während die Schumag-Mitarbeiter und der Vorstand das Unternehmensschiff mit verschiedenen, teils harten Maßnahmen auf Überlebenskurs bringen wollen, setzt sich das Kapital-Chaos nahtlos fort.

Hatte man sich für den Dienstag Klärung erhofft, wer denn zwischenzeitlich das größte Aktienpaket von knapp 80 Prozent hält, so sah man sich getäuscht.

Mehrfach verlangten Kleinaktionäre und Aktionärsvertreter, die Wahrheit auf den Tisch zu legen. Vergebens. Vordergründig will der Berliner Peter Koschel - auch im Aufsichtsrat sitzend - das Paket übernommen und die bisherige Eignerfamilie Kazinakis abgelöst haben. Letztere bestreitet das, hat die Gerichte angerufen. Ende offen.

Doch wer nun hinter Koschel steckt, den Insider nur für einen Strohmann halten, dazu waren seine Lippen versiegelt.

Möglicherweise ist es der Londoner Fondsmanager Alexander von Ungern-Sternberg, einst selbst Aufsichtsratchef der Schumag. Er jedenfalls platzierte mit dem Kölner Kaufmann Hans-Peter Heinen am Dienstag erst einmal einen eigenen Vertrauten im Aufsichtsrat.

Und da geht das Chaos gleich in die nächste Runde. Ein Kandidat für das Gremium sprang - warum auch immer - am Freitag kurzfristig ab. Einen anderen Kandidaten habe man auf die Schnell nicht auftreiben können, so Ohlinger.

Er hatte anfangs der Veranstaltung ohnehin erst einmal reichlich zu tun, alleine um alle Wechsel der jüngeren Vergangenheit im Vorstand und im Aufsichtsrat aufzuzählen.

Weil nun gleich zwei Posten im Aufsichtsrat neu zu besetzen waren, konnte praktisch jeder jeden vorschlagen - ein Formblatt dafür gab´s gleich am Eingang.

„Es geht zu wie in einem Taubenschlag, unglaublich. Und das ausgerechnet in der wirtschaftlichen Krise”, wetterte denn auch Rechtsanwalt Markus W. Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Tatsächlich kann selbst Firmenchef Kiechl „nicht verlässlich beantworten”, wem die Aktien denn jetzt gehören. Der ganze Hickhack um die Aktien samt zweimal angekündigter Zwangsversteigerungen durch Hedgefonds hätten jedenfalls zu viel Nervosität bei den Kunden geführt. Und dem guten Schumag-Ruf sei das alles andere als zuträglich gewesen. Kiechl konnte denn auch nur „vehement bitten, für eine schnellstmögliche Beruhigung” zu sorgen. Ernst genug - siehe oben - ist die Lage auch ohne dieses Tohuwabohu schon.
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