Aixpertentheater zeigt „Die Macht der Gewohnheit“

Von: Svenja Pesch
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Chaotische Zirkustruppe: Das Aixpertentheater feierte mit Thomas Bernhards „Die Macht der Gewohnheit“ Premiere. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Morgen in Augsburg, da muss es funktionieren“. Aber leider will es einfach nicht klappen. Weder in Augsburg, noch in einer anderen Stadt. Doch Caribaldi darf nicht aufhören. Er kann nicht aufhören. Er muss weitermachen. In dem Stück des Aixpertentheaters „Die Macht der Gewohnheit“ von Thomas Bernhard geht es um die Sinnlosigkeit allen Strebens und die tägliche Notwendigkeit, dennoch immer weiterzumachen.

Zirkusdirektor und Protagonist Caribaldi sitzt auf einem Stuhl, das Cello zwischen den Knien, den Bogen in der Hand. Diesen Bogen wird er oft brauchen. Zum Zeigen, Dirigieren und Herumkommandieren. Er wird auch einzelne Töne auf dem Cello spielen, aber zur Musik kommt es nicht und zur Kunst schon gar nicht. Denn Fakt ist: Nichts gelingt, nichts ist je gelungen.

Und niemand weiß es so schonungslos genau wie dieser Zirkusdirektor. Doch das Ensemble, bei dem nichts wirklich rund läuft, ist nicht das einzige Problem. Caribaldis Traum ist es, ein einziges Mal das „Forellenquintett“ zur Aufführung zu bringen. Bisher scheiterte dies immer, weil seine Truppe die Probe sabotiert.

Die Komödie „Die Macht der Gewohnheit“ ist eine Parabel auf den scheiternden Künstler, der versucht, vollkommene Kunst zu schaffen. Sie ist nicht nur ein Stück über Herrschaft und Macht, sie handelt von der Abwegigkeit allen Strebens und von der täglichen Notwendigkeit, dennoch immer weiter zu machen. Caribaldi, verkörpert von Michael Strack, hat sein ganzes Leben auf Leistung orientiert und ist kühl und unnahbar. „Ich liebe das Cello nicht, aber es muss gespielt werden.

Wir hassen das Forellenquintett, aber es muss gespielt werden“, so Caribaldi. Kurz darauf wird deutlich, wie weitreichend sein Satz ist. Denn in dieser Zirkustruppe hält keiner zusammen. Der Jongleur, der nach Frankreich will, der Spaßmacher, der außer dem Fallenlassen seiner Kappe nicht viel bietet, und der Dompteur, der volltrunken in die Manege torkelt - sie alle machen deutlich, dass es nur darum geht, irgendwie die Vorführungen zu überstehen. Es muss weitergemacht werden. Vor allem wegen des „Forellenquintetts“, für dessen Realisierung der Zirkusdirektor alle zwingt, ein Musikinstrument zu spielen.

Die Frage, die das Aixpertentheater unter der Regie von Raphael Fachner aufwirft, ist die, ob ein Mensch andauernd weitermachen kann, ohne es wirklich zu wollen. Doch was will er dann? Wäre die Alternative, wenn es sie denn geben würde, wirklich besser? Ob das „Forellenquintett“ wirklich in Augsburg aufgeführt wird, bleibt jedenfalls bis zum Ende spannend.

Weitere Aufführungen sind am 10., 17. und 18. März jeweils um 20 Uhr in der Klangbrücke, Kurhausstraße 1. Karten können per Mail (aixpertentheater@web.de) oder telefonisch (89439684) bestellt werden.

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