Aachen - Aixpertentheater feiert mit Strindberg-Klassiker Premiere

Aixpertentheater feiert mit Strindberg-Klassiker Premiere

Von: Esra Güner
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Aachen. Es ist eine Mittsommernacht, die alles verändert. Aus dem anfänglichen Flirt zwischen dem adeligen Fräulein Julie (gespielt von Amanda Rodekamp) und ihrem Diener Jean (Michael Strack) wird ein riskantes Verhältnis aus Verführung und Zurückweisung. Regisseur Raphael Fachner hat diese verhängnisvolle Beziehung gemeinsam mit drei Schauspielern nun gekonnt in Szene gesetzt.

Die Produktion „Fräulein Julie“ des Aixpertentheaters feierte jetzt im Suermondt-Ludwig-Museum Premiere.

Im Jahr 1888 schrieb der schwedische Dramatiker August Strindberg dieses „naturalistische Trauerspiel“, das heute weltweit als Klassiker gilt. Seine Veröffentlichung löst damals einen Skandal aus; das Theaterstück wird schnell verboten. Erst 1906, 17 Jahre nach der Uraufführung, findet „Fröken Julie“ den Weg ans Folkteater in Stockholm.

Fräulein Julie scheint verrückt, denn was hat sie sonst in der Küche verloren? Sie, die Tochter des Grafen. In der Küche. Bei den Bediensteten. Doch zusehends steigert sie sich gemeinsam mit dem weltgewandten Diener Jean in eine Leidenschaft, obwohl Klassenunterschiede und Jeans misstrauische Verlobte Kristin (Astrid Kempen) im Weg stehen. Es kommt zur dramatischen Wendung und plötzlich ist alles anders, als Julie die Nacht mit Jean verbringt. Was folgt, ist rasche Ernüchterung. „Wissen Sie überhaupt, was Liebe ist?“, fragt Fräulein Julie Jean im hämischen Ton und wünscht sich sein Haupt blutig auf einem Teller. Mit messerscharfen Dialogen wird von da an die Beziehung der beiden seziert und die tatsächlichen Beweggründe treten hervor: Julie spielt nur ihre Spielchen mit Jean, während dieser sich insgeheim von der Liebschaft einen gesellschaftlichen Aufstieg erhofft. Wer hier wen verführt hat, bleibt die ewige offene Frage. Es sind feine Gestiken und Mimiken, die Ausdrucksweise in den Dialogen und die Intensität des Spiels, für das die Schauspieler am Ende mit reichlich Applaus belohnt werden.

An Modernität hat „Fräulein Julie“ auch heute nichts eingebüßt. Die Diskussion um Machtverhältnisse, Klassenkampf und Emanzipation ist laut Regisseur Raphael Fachner immer noch in vielerlei Hinsicht aktuell. Fachner, der zum ersten Mal Regie beim Aixpertentheater führte, zeigte sich im Anschluss erleichtert und rundum zufrieden mit der Premiere. Die Resonanz im Publikum gab ihm Recht. Besucherin Ulla Kranemann ist vom gegenseitigen Schlagabtausch der Schauspieler begeistert: „Selten habe ich eine so tolle Umsetzung von Strindberg erlebt“.

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