Aachen - aix:ART: Auf der Bühne das Selbstbewusstsein gestärkt

aix:ART: Auf der Bühne das Selbstbewusstsein gestärkt

Von: Carolin Cremer-Kruff
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„Irre ist menschlich“: Die Darsteller fiebern der Premiere des außergewöhnlichen Stückes im Projekt „aix:ART“ entgegen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sechs Monate intensiver Proben liegen hinter dem bunt gemischten Ensemble. Der Premierentermin rückt gnadenlos näher. Das Lampenfieber steigt. Aber das Selbstbewusstsein der Laienschauspieler, die alle erstmalig auf der großen Bühne vor Publikum stehen werden, hat den Höhepunkt erreicht.

Davor sah die Welt noch anders aus. Denn alle Darsteller sind langzeitarbeitslos, waren kurz davor, ihren Mut zu verlieren und ihren Glauben an sich selbst.

Die mehrmonatige Initiative „aix:ART“, eine Kombination aus individuellem Jobcoaching und Theaterarbeit, welche in Aachen, Eschweiler und Alsdorf nun ins Leben gerufen wurde, bot einen neuen Lichtblick. Wer bin ich eigentlich? Wo liegen meine Stärken? Wo will ich in Zukunft hin?

Diese Fragen stehen seit dem Startschuss des unkonventionellen Projekts, welches vom Jobcenter der Städteregion und der Bochumer „defakto GmbH“ durchgeführt wird und in Aachen vom Sozialwerk Aachener Christen sowie von einem professionell aufgestellten Team aus den Bereichen Jobcoaching, Theaterpädagogik und Stellenakquise unterstützt wird, im Raum. Entstanden ist so auch am Standort Aachen ein eigenes Theaterstück: „Irre ist menschlich“.

Lustig geht es zu, manchmal auch nachdenklich. Gemeinsam mit Theaterpädagogin Yvonne Kessel, die auch die Regie übernommen hat, haben die rund 20 Aachener Teilnehmer ein ganz eigenes und vor allem persönliches Theaterstück inszeniert – vom Text über Bühnenbild, Technik und Musik bis hin zu Kostümen und Requisiten.

Viele Erfahrungen, welche die Mitstreiter in den letzten Jahren gesammelt haben, fließen in das Theaterstück ein und verbinden sich hier zu einer ganz neuen Geschichte. Entstanden ist eine „bunte Sammlung menschlichen Irrsinns“, bei der unter anderem Raumfahrer, Beruhigungsseminarleiterinnen, Sinnsuchende oder auch Hübschmacherinnen zu Wort kommen und sich in Szene setzen.

500 Unternehmen abgeklappert

„Im letzten halben Jahr konnte man von Monat zu Monat beobachten, wie die Teilnehmer immer aufrechter durch unseren Innenhof zu dem Proberaum gingen. Dieses Theaterprojekt hat das Selbstbewusstsein der Teilnehmer enorm gestärkt“, erzählt Dr. Simone Pfeiffer-Bohnenkamp vom Sozialwerk. Das bestätigen auch die Teilnehmer, auch wenn nicht alle sofort an den Erfolg geglaubt haben.

Denn schließlich geht es nicht nur ums Theaterspielen, sondern auch um eine neue Chance, wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. An dieser Stelle kam Ralf Jansen als Stellenakquisiteur ins Spiel. „Knapp 500 Unternehmen habe ich abgeklappert, von denen rund 180 infrage kommen. Dort hatten die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit eines Hospitationstags, sondern konnten auch ein Wochenpraktikum machen.“

Im Januar folgt als Abschluss ein mehrwöchiges Praktikum. Angelika Paßen vom Sozialwerk, die im Rahmen des Projekts das Jobcoaching übernommen hat, ergänzt: „Theaterspielen kann sehr gut auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.“ Wer den Sprung ins Berufsleben tatsächlich geschafft hat, wird sich zum Ende des Projekts im Februar 2015 zeigen. Bis dahin erobert die eingeschweißte Truppe erst einmal die Theaterbühne. Und die unterscheidet sich ja erfahrungsgemäß nicht großartig vom realen Leben.

„Irre ist menschlich“ feiert Theaterpremiere am 10. Dezember, die zweite Aufführung folgt am 12. Dezember, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr. Spielort: Saal „Space“ im Ludwig Forum, Jülicher Straße 97-109. Kartenvorbestellungen mit freiem Eintritt unter: www.defakto.org/de/premieren oder verwaltung@defakto.org.

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