„aix-la-sports“ bietet Schwimmkurse für junge Migranten an

Von: Angelina Boerger
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Spielen erlaubt: Bei den Schwimmkursen in der Elisabethhalle steht der Spaß im Vordergrund. Zahlreiche junge Flüchtlnge haben mit Hilfe der Trainer von "aix-la-sports" dort bereits das Schwimmen erlernt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. In den engen Neoprenhemden, durch die sich jeder Muskel ihrer breiten Oberkörper abmalt, sehen sie fast so aus, als hätten sie gerade die olympische Goldmedaille im Brustschwimmen bekommen. Dass viele von ihnen vor diesem Kurs nicht einmal schwimmen konnten und bei der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer ertrunken wären, wäre das überfüllte Boot gekentert, kann man sich kaum vorstellen.

So zum Beispiel der 18-jährige Afghane Ali Ebrihimi, der im kleinen Becken der Elisabethhalle so aussieht, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht als zu schwimmen. Er ist einer von vier neuen Trainern, die ehrenamtlich anderen Flüchtlingen zwischen 14 und 18 Jahren jeden Samstag das Schwimmen beibringen.

„Es macht mir einfach riesigen Spaß, obwohl ich teilweise drei Stunden am Stück im Wasser stehe und die anderen trainiere,“ erzählt er. Zu sprachlichen Problemen kommt es dabei nie, denn die jungen Männer aus Afghanistan, Syrien, Mali und Bangladesh beherrschen zusammen 15 Sprachen. Ausgebildet wurden sie in Gruppenlehrgängen des Vereins „aix-la-sports“.

Dessen Geschäftsführerin Christine Weber ist mächtig stolz auf „ihre Jungs“. „Ich bin sowas von begeistert, wie sie sich da durchgekämpft haben. Ihre Arbeit unterstützt unser Projekt enorm, und wir sind froh, dass wir sie hier haben.“ Generell seien die Kurse ein voller Erfolg: „In der kurzen Zeit wurden hier 26 Seepferdchen und 24 Mal Bronze absolviert.“

Interessenten für die Kurse findet der Verein bei den verschiedenen Einrichtungen, in denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind. „Wir sprechen mit den Betreuern alles ab und laden die Jugendlichen dann zu einem Testschwimmen ein. Dort gucken wir, wer schon schwimmen kann und wer noch Hilfe braucht. Danach werden die Gruppen dann eingeteilt“, erzählt Christine Weber.

Auch die Leiterin des städtischen Fachbereichs Sport, Petra Prömpler, betont, wie wichtig die Schwimmkurse sind: „Bei diesem Angebot geht es um mehr als nur Schwimmen.“ Die Flüchtlinge, die samstags in die Elisabethhalle kämen, lernten neben auch spielerisch die deutsche Sprache und hätten die Möglichkeit, sich an den öffentlichen Badebetrieb zu gewöhnen.

Finanziert wurden die Kurse durch eine Spende des Vereins „Nele und Hanns Bittmann – Hilfe für Kinder in der Region Aachen“, ohne die das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre. „Aufgrund des großen Erfolgs werden weitere 7000 Euro für neue Kurse bereitstellen,“ so Dr. Wolfgang Herff, Vorsitzender des Vereins.

Neben den Angeboten für junge Männer gibt es auch Schwimmkurse für Kinder und einen Mädchenkurs. Gerade bei den Mädchen merke man, dass sie länger brauchten als die Jungen. „Kein Wunder, wenn man weiß, dass sie teilweise hier in der Elisabethalle zum ersten Mal einer sportlichen Aktivität nachgehen. Manche von ihnen sind noch nie in ihrem Leben in einem Schwimmbad gewesen,“ weiß Christiane Weber. Trotzdem laufe alles ohne Druck nach dem Motto „Jeder so, wie er kann“.

Als Belohnung für die Bemühungen seiner Mitglieder plant der Verein nun eine große Weihnachtsfeier mit allen aktuellen Kursteilnehmern, Helfern und Ehemaligen. Da gibt es dann auch für jeden ein kleines Geschenk, das natürlich etwas mit Schwimmen zutun hat.

Der 17-jährige Ali Obaida aus Syrien, der auch einen Trainerschein gemacht hat, freut sich schon sehr auf die Feier. „Die Leute hier sind so nett zu uns, und ich ich habe durch dieses Projekt viele neue Freunde gewonnen“, sagt er. Auf die Frage, was er und die anderen Freiwilligen sich für ihre Zukunft vorstellen, ist die Antwort eindeutig: „Wir wollen alle Sportlehrer werden.“

„Na wenn das keine Integration ist“, lacht Wolfgang Herff, „dann weiß ich es auch nicht.“

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