Aids-Hilfe zieht Bilanz: Finanzielle Lage bleibt schwierig

Von: Peter Schopp
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Hoffen auf stärkere Unterstützung im Kampf gegen eine heimtückische Krankheit: Geschäftsführer Walter Brüsseler (links) und Sozialarbeiter Karl Rinkleff von der Aids-Hilfe. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Thema ist medial nicht mehr so präsent – was aber nicht bedeutet, dass es zu vernachlässigen ist. Die Aids-Hilfe Aachen stellte ihren Jahresbericht vor, und Geschäftsführer Walter Brüsseler und Sozialarbeiter Karl Rinkleff waren sich einig: Ihre Arbeit hat sich im Laufe der 30 Jahre, auf die ihre Organisation zurückblickt, deutlich verändert.

„Die Diagnose HIV ist heute kein Todesurteil mehr“, erklärten beide unisono. Im Gegenteil, ihre Klienten können heutzutage bei frühzeitiger Diagnose ein durchaus „normales“ Leben führen. „Das geht im besten Falle soweit, dass die betroffenen Menschen nach entsprechender Therapie nicht mehr ansteckend sind“, erklärte Rinkleff die deutlich verbesserten medizinischen Möglichkeiten.

Andererseits ist die Aufklärung der Bevölkerung, die Prävention bei Jugendlichen und Risikogruppen immer noch notwendig. „Die UNO hat das Projekt „Neunzig – Neunzig – Neunzig“ vorgegeben! Bis zum Jahre 2030 möchten die Vereinten Nationen, dass 90 Prozent der infizierten Menschen von ihrer Krankheit wissen, von dieser Gruppe 90 Prozent Zugang zu einer Therapie haben und von diesen wiederum 90 Prozent derart nachhaltig behandelt werden, dass die Krankheit in ihrem Körper nicht mehr nachweisbar ist“, erklärt Brüsseler die Idee.

In Deutschland leben 72.000 HIV-Infizierte Menschen, die Dunkelziffer liegt bei 14.000. „Und das sind nicht nur Mitglieder der bekannten Risikogruppen wie Homosexuelle oder Drogenabhängige“, weiß Brüsseler. Schon ein Seitensprung schließe eine Gefahr ein, im besten Falle sollte man sich dann in Eigeninitiative um eine Kontrolle kümmern. Die ist bei den Gesundheitsämtern kostenlos und anonym möglich, beim Arzt kostet es einen vertretbaren Preis. In naher Zukunft wird es einen in Apotheken erhältlichen Schnelltest geben.

Bei der Aids-Hilfe Aachen haben sieben fest angestellte Mitarbeiter 2016 insgesamt 115 Jugendpräventionsveranstaltungen organisiert, sieben Aktionen bei Prostituierten in der Antoniusstraße sowie einige Großveranstaltungen und etliche andere Unternehmungen angeboten. Alles mit dem Ziel, für Aufklärung zu sorgen und eine Infektion mit dem Virus zu verhindern.

Insgesamt 122 HIV-Infizierte Personen wurden in den Räumen an der Zollernstraße betreut, und dabei beschränkte man sich nicht auf die medizinische Betreuung. Die Klienten haben Beratungsbedarf in der Partnerschaft, im Beruf oder der Familie, unnötige Ausgrenzungen sind ebenso Alltag und sehr diskriminierend wie längst überholt geglaubte Vorurteile bezüglich der Ansteckungsgefahr. All das kostet natürlich eine Menge Geld, und der Kampf um den jährlichen Etat gehört zum Berufsalltag von Geschäftsführer Brüsseler.

„Ein Großteil unserer finanziellen Ansprüche wird über das Land oder die Kommune bestritten, allerdings bleibt immer noch eine erkleckliche Summe übrig, die wir selber aufbringen müssen“, rückte er einen weiteren wichtigen Punkt der Tagesordnung in den Fokus. Und möchte eine bereits aus früheren Jahren bekannte Möglichkeit der Unterstützung wieder mit Leben füllen. Als Fördermitglied für einen Euro pro Woche können Menschen helfen, das Niveau des Angebotes der Aids-Hilfe auf dem aktuellen Stand zu halten.

„Sollte uns dies nicht gelingen, haben wir Ende Januar ein finanzielles Problem, denn die Zuweisungen der öffentlichen Hand werden erst Ende Februar überwiesen“, zeichnet Brüsseler ein etwas düsteres Bild. So soll seine Idee helfen, die leicht prekäre Lage zu entspannen. Ehrenamtliche Helfer sind ebenso gerne gesehen, die Einführung wird von Brüsseler selber übernommen. Die Kontonummer zur Unterstützung lautet Konto IBAN: DE84390500000000030403.

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