„Ahoi 3“: Mit Kochkunst und Musik Grenzen überwunden

Von: Sina Stieding
Letzte Aktualisierung:
12890146.jpg
Willkommen in der Küche der Kulturen: Die Künstlerin Vera Sous (Mitte rechts im gestreiften Kleid) kochte am Sonntag zum Abschluss ihres Projektes „Ahoi 3“ noch einmal mit ugendlichen Flüchtlingen, dem syrischen Fernsehkoch Fadi und vielen Freunden, Helfern und Besuchern im Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn syrische Fernsehköche in Aachen den Kochlöffel schwingen, ist die Begeisterung groß – wie auch am Sonntag im „Hafencafe“ des Ludwig Forums. Eine bunte Mischung von Teilnehmern aus verschiedenen Ländern zeigte sich während der Abschlussfeier des Projektes „Ahoi 3“ der Bleiberger Fabrik.

Bei herrlichem Wetter und dampfenden Kochtöpfen wurde das zweimonatige Sommerprojekt feierlich mit Musik, Essen und Trinken und jeder Menge Austausch abgeschlossen.

An einem großen Tisch versammelt fanden sich ein letztes Mal unbegleitete Jugendliche aus Syrien, Afghanistan und Eritrea mit jungen und alten Aachenern zusammen. Ein Teilnehmer des Sommerprogramms, Kibrab Welegeriel, flüchtete vor zwei Jahren im Alter von 17 Jahren alleine aus Eritrea.

Nach Monaten der Isolation lernte er die Aachener Künstlerin Vera Sous kennen. Am Sonntag feierten beide den erfolgreichen Abschluss von Sous‘ Projekt „Ahoi 3“ gemeinsam mit vielen Teilnehmern, Ehrenamtlern und Neugierigen, die nicht nur zum Naschen der syrischen Spezialitäten durch Fernsehkoch Fadi angereist waren.

„Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen“, fasst Vera Sous das Projekt zusammen, das sie mit ihrer Tochter Ana ins Leben rief. Bis zu 100 Besucher kamen täglich, um durch Küche und Musik Deutschland kennenzulernen und sich auszutauschen.

Jeden Tag wurde gekocht, musiziert und einander kennengelernt. Dabei profitierten nicht nur ihre Teilnehmer auf der Flucht, sondern auch Helfer und Mitarbeiter. Die Gemeinsamkeit, die sie im „Hafencafe“ erfuhr, wurde zu ihrem Kunstwerk. Diese „Soziale Plastik“, wie sie es nennt, illustriert, wie der Austausch von Menschen zu einem Neubeginn für Flüchtlinge in Deutschland wurde.

Die Resonanz auf das Projekt war laut Dr. Annette Lagler, Vizedirektorin des Ludwig Forums, durchweg positiv. Ihre vorherigen Erwartungen, dass sich jugendliche Flüchtlinge nicht für Kunst, Musik oder deutsches Essen interessieren, bestätigte sich nicht. „Mir war es wichtig den Jugendlichen zu zeigen, dass wir diesen Dingen einen Wert zuordnen“, erzählt sie. Selbst beim Besuch des Kimiko-Festivals zeigten sich die Teilnehmer sehr interessiert an den verschiedenen Aspekten der deutschen Kultur.

„Es war wundervoll zu beobachten, wie aus scheuen Jugendlichen Persönlichkeiten wurden“, erinnert sich Lagler. Das „Hafencafe“ ist dekoriert mit Bildern und Skulpturen der Teilnehmer, die am Sonntag stolz von ihren neuen Freundschaften erzählten. Dabei wurde immer wieder gekocht und gegessen als Symbol des Zusammenkommens. Auch Mitarbeiter und Besucher des Ludwig Forums nahmen an der Tafel Platz, und langlebige Freundschaften wurden geschlossen.

Auch Khaled Haddad aus Damaskus zählt die Familie Sous fortan zu seinen Freunden in Aachen. Dank „Ahoi 3“ konnte der 25-Jährige sein Deutsch verbessern und Aachen von einer neuen Seite kennen lernen. In Zukunft wird er auch weiterhin die „Küche der Kulturen“ besuchen, die jeden Freitag zwischen 14 und 18 Uhr in der Bleiberger Fabrik alle Aachener zum Essen einlädt. Ob Sauerkraut, Bürek oder Shawerma, der Austausch steht dabei immer im Vordergrund.

Vera Sous freut sich auch in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit jugendlichen Flüchtlingen in Aachen. Für das nächste Jahr plant sie gemeinsam mit Projektträgerin Sibylle Keupen bereits das nächste große Sommerprojekt, um „die Schwellen zwischen den Menschen niedriger zu machen“.

Ihre ehrenamtlichen Helfer, denen Sous den Erfolg des Projektes verdankt, seien so zahlreich erschienen, dass weitere Projekte nur eine Frage der Zeit seien. Bis dahin hofft sie, dass ihre Teilnehmer durch den aktiven Austausch einen leichteren Weg in das neue Leben in Deutschland finden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert