Aachen - „ahoi 2 you“: Gemeinsames Projekt junger Flüchtlinge

„ahoi 2 you“: Gemeinsames Projekt junger Flüchtlinge

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
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Können im übertragenen Sinne in See stechen: die kreativen Jugendlichen, ihre Begleiter und die Künstlerin Vera Sous (am Rettungsreifen rechts). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein Trommelwirbel eröffnet die Taufe. Drei Wochen lang ist in der Galerie „Kunstwechsel“ im Rahmen des Projektes „ahoi 2 you“ ein Schiff entstanden, gebaut von jungen Flüchtlingen und engagierten Aachenern.

Die Aachener Künstlerin Vera Sous ist die geistige Mutter dieses Projektes, gedacht als Willkommensgruß und Möglichkeit, Bürger und Neu-Bürger zusammenzubringen.

Die Idee entstand bei ihrer Arbeit als Honorarlehrerin an der Hauptschule Burtscheid, wo sie junge Flüchtlinge kennenlernte, die dort internationale Klassen besuchen. „Ich habe sie als ehrgeizige, liebenswerte Menschen kennengelernt und mich gefragt, was sie machen, wenn die Ferien kommen“, erzählt Sous. Das Schiff ist eine Ausdrucksform, die die Künstlerin Vera Sous schon lange begleitet, am Grenzübergang Köpfchen entstand bereits ein Schiff. „Mir ist allerdings auch bewusst, dass es in diesem Zusammenhang etwas heikel ist.“

Vorsichtig hat sie sich mit den Teilnehmern an das Thema herangetastet: Zuerst entstanden die Kajüten. Je mehr das Vertrauen wuchs, desto mehr nahm später das Schiff Konturen an. Das offene Projekt stach mit 60 Teilnehmern in See, ein harter Kern von 20 Teilnehmern baute regelmäßig am Schiff mit.

Wünsche und Erinnerungen

Jungen und Mädchen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren aus der Städteregion, die aus Syrien, Afghanistan, Albanien, Algerien und Eritrea stammen, wirkten dabei mit. Kronkorken, altes Holz und Stoffreste dienten als Material. „Jeder hat sich das gesucht, worin er sich am besten ausdrücken kann“, erzählt Vera Sous.

Die Nähmaschinen seien vor allem bei den Jungs der Renner gewesen. Mit ihnen fertigten sie Kronkorkenteppiche an, die später das Schiff schmückten. Auch Wünsche und Erinnerungen der jungen Menschen lassen sich in dem Kunstwerk erkennen. „Ich habe einen Traum“, ist auf einem Fähnchen zu lesen: „Licht und Frieden für alle“. Eine Schatzkiste mit Fotos und Fundstücken zeigt den Verlauf des Projektes.

„Ich hatte eine fantastische Mannschaft“, blickt Vera Sous auf die drei Wochen zurück. Zu der Mannschaft gehört auch eine lange Liste an Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern, die die jungen Künstler begleitet haben. Schreiner Milosch Peters half bei der Umsetzung der Ideen, Tochter Ana Sous, ebenfalls Künstlerin, sowie die Künstlerinnen Fatemeh Samernejad und Michaela Franz begleiteten die Teilnehmenden von der ersten Stunde an.

„Vera Sous hat einen Mikrokosmos geschaffen, der ein Traum ist: verschiedene Völker kommen zusammen und sind gemeinsam kreativ“, sagt Fatemeh Samernejad. Michaela Franz ist besonders beeindruckt von der Solidarität der Teilnehmenden: „Die älteren haben die jüngeren unterstützt, wenn sie gesehen haben, dass sie Unterstützung brauchen. Reibereien, wie sie öfter zwischen Jugendlichen auftreten können, gab es hier überhaupt nicht.“ Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom kommunalen Zentrum für Integration der Stadt Aachen.

Die Bürgerstiftung Lebensraum half bei der Umsetzung und Organisation. Wie es sich für ein Schiff gehört, geht auch dieses auf eine Reise, wenn auch nur auf eine kurze: Heimathafen wird der Gemeinschaftsgarten „Hirschgrün“ in der Richardstraße. „Es hat großen Spaß gemacht,“ sagt Jassin Semlali aus Algerien, der von Beginn an beim Schiffbau mitgeholfen hat. Die Menschen, die er in der Werkstatt getroffen hat, bleiben ihm in Erinnerung, ebenso, wie das Schiff: „Ich kann es jederzeit besuchen und sagen, dass ich dabei geholfen habe, es zu bauen.“

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