„Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ feiert Donnerstag Premiere im Mörgens

Von: Ines Kubat
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Von süßen und bitteren Früchten der virtuellen Revolution: Jens Dierkes inszeniert „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Gleißend blendendes Licht scheint von den perfekt glatten Oberflächen um die Tribünen reflektiert zu werden. Makellos, puristisch – wie die Vorbereitung zu einer großen Modenshow - erscheint das Bühnenbild, auf das vor der Premiere ein kurzer Blick erhascht werden konnte. Denn im Mörgens wird ab Donnerstag, 19. September, das Stück „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ aufgeführt.

Und die Bühne scheint passend, wenn man an Steve Jobs denkt: Er ist das Sinnbild einer Vision, einer Karriere und dem Aufstieg bis zum Popstar-Status. Denn Apple steht mehr als andere Marken für den Zeitgeist einer Generation um Multimedia und ästhetischen Anspruch. Und so wirken die Produkte über die reine Technik schon fast identitätsstiftend, so Katharina Rahn, eine der beiden Dramaturgen.

Alles andere als ein Werbeblock

Doch das Theaterstück von Mike Daisey ist keinesfalls ein 90-minütiger Werbeblock für das amerikanische Unternehmen, um dessen Verkaufszahlen neuen Antrieb zu verleihen. Ganz im Gegenteil: Daisey schrieb das Stück als zunächst selbst glühender Verehrer der Apple-Ikone und stellt sich darin als Protagonist und Autor zugleich Fragen über diesen Mythos unserer Zeit und die dadurch von uns selbst geschaffene Welt.

Ganz bewusst wählte der Regisseur des Mörgens, Jens Dierkes, bei der Umsetzung des Textes eine Mittelbühne, die im Kreuzgang angeordnet ist. Denn es erlaube dem Publikum, ganz unterschiedliche Perspektiven einzunehmen: auf den Erzähler, auf Steve Jobs und das Apple-Imperium. Es sind unterschiedliche Perspektiven im ganz wörtlichen aber auch im übertragenen Sinne.

Die Fassade bröckelt

In szenenhaften Monologen werden kleine Geschichten erzählt, mit denen Daisey seine Erfahrungen mit der Trendmarke Apple und dem Idol Jobs verarbeitet. Und so bröckelt nach und nach die anfänglich hochglänzende perfekte Fassade einer Marke und ein Gefühl der Unbehaglichkeit mag so manchen Besucher beschleichen, wenn die imaginären Tore zu den Produktionshallen durchschritten und ein Blick hinter die iPhone Hülle geworfen wird.

Dramaturg Harald Wolff erklärt den besonderen Reiz des Textes: Der Erzähler selbst schwanke stets zwischen wahrhaftiger Liebe gegenüber der Apple-Welt und purer Fassungslosigkeit über selbige. Schauspieler Markus Weickert, der auf der Bühne Daisey mimt und in Videosequenzen zudem Jobs darstellt, zeige letzteren zunächst noch als strahlenden Held, der sich aber immer mehr von seinem humanitären Ursprungsidealen entferne und zum „visionären Arschloch“ werde, wie es Regisseur Jens Dierkes provokant auf den Punkt bringt.

„Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ ist Daiseys erstes Stück, das er nicht nur selbst spielt, sondern auch freigibt an alle Bühnen der Welt – zum Übersetzen und selbst interpretieren.

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