Aachen - Aggressives Betteln greift in der Innenstadt immer mehr um sich

Aggressives Betteln greift in der Innenstadt immer mehr um sich

Von: Robert Esser
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Aachen. „Haste mal ne Mark?” Diesen Spruch kennt auch im Euro-Zeitalter noch jeder Bürger. Geschäftsleute in der Aachener Innenstadt klagen allerdings, dass der Ton von immer mehr Bettlern, Obdachlosen und Junkies schärfer werde.

„Der Weg zwischen dem nächstliegenden Parkhaus und unserem Geschäft am Büchel ist eine Zumutung”, sagt Silvia Goertz vom Schuhgeschäft „Botas”. „Es sind Obdachlose und Junkies, die uns und unsere Kunden täglich beschäftigen - und die teils auch handgreiflich werden”, erklärt die Verkäuferin. „Ich habe wirklich Angst”, sagt sie.

Schlägereien vor der Ladentüre beobachte man regelmäßig. Die Polizei lasse sich selten sehen. Ebenso am Friedrich-Wilhelm-Platz, wo Polizeipräsident Klaus Oelze am Wochenende die Videoüberwachungsanlage abschalten ließ. „Vor zwei Wochen gab´s die letzte Schlägerei direkt vor unserem Bistro”, erklärt Manuela Masur vom „Glaskubus”. „Unsere Gäste werden auf den Außenterrassen massiv belästigt, besonders krass ist es samstags”, sagt sie.

Michael Detrich vom benachbarten Spielegeschäft „Game Stop” pflichtet ihr bei: „Die Obdachlosen laufen den Passanten bettelnd hinterher - das gilt allerdings auch für die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die hier jedes Wochenende Geldgeber und neue Mitglieder jagen”, klagt Detrich.

Auf der anderen Seite des Elisengartens übt Fleischermeister Rolf Gerrards Kritik: „Landstreicher übernachten hier und bei den Nachbarn oft in den Haus- und Geschäftseingängen - mit entsprechenden Folgen.” Da seine Fleischerei bereits früh morgens öffne, würden seine Verkäuferinnen auf dem Weg zur Arbeit allerdings auch immer häufiger von betrunkenen Nachtschwärmern belästigt, erklärt Gerrards. „Ich passe meine Mitarbeiterinnen deswegen am frühen Samstagmorgen in der Hartmannstraße schon an der Ladentüre ab, damit sie zweifelhaften Typen nicht alleine auf der Straße begegnen”, sagt er.

Viel Lob erntet indes der neue Elisengarten, der nun viel offener und transparenter gestaltet ist. Drogenkriminalität beobachte man längst nicht mehr, erklären die Juweliere Claudia und Bernd Uttermann an der Ecke Hartmann-/Elisabethstraße. Die Freude darüber, dass die Polizei die Videoüberwachung nun abgeschaltet hat, hält sich bei den Geschäftsleuten allerdings in Grenzen. Nicht wenige befürchten, dass die Kriminalitätsrate wieder steigt - und Junkies sowie Obdachlose künftig noch unverfrorener, weil unbeobachtet von den Ordnungskräften vorgehen. Das städtische Ordnungsamt spricht auf Nachfrage der Aachener Zeitung von etwa 20 Personen, die regelmäßig durch aggressives Betteln auffallen. Alle seien namentlich bekannt, hätten teils bereits Bußgeldverfahren und Platzverweise kassiert, heißt es.

Beides sei allerdings bei dieser Klientel schwer durchzusetzen. „Ja, es stimmt, ein Teil der Bettler wird aggressiver”, räumt Evelin Wölk vom Presseamt ein. Und dies kostet neben Euros noch Nerven.

Belästigung auf der Straße ausdrücklich verboten

Wer sich durch aggressives Betteln belästigt fühlt, sollte sich melden: Die Hotline des Ordnungsamts ist unter 432-2801 zurzeit sonntags bis donnerstags von 9 bis 1.15 Uhr sowie freitags und samstags von 11 bis 3 Uhr zu erreichen (Email-Adresse: ordnungsamt@mail.aachen.de)

Die Aachener Straßenverordnung verbietet in Paragraf 6 Absatz 2: „Betteln mit Kindern, Betteln unter Einsatz von Tieren, Betteln durch aggressive Verhaltensweisen gegenüber der angesprochenen Person (insbesondere Versperren des Weges, Festhalten, aufdringliches Ansprechen, einschüchterndes Verhalten, auch durch Worte oder Gesten) sowie organisiertes Betteln und kommerzielles Betteln.”
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