Aachen - „Äußerst blutiger Tatort”: Aus Ekel wollte Roger H. töten

„Äußerst blutiger Tatort”: Aus Ekel wollte Roger H. töten

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nein, es war wohl nicht nur das Geld, das die zwei jungen Täter aus der Robert-Koch-Straße zu dem brutalen Vorgehen gegen ihren 51-jährigen Mitbewohner Anfang Oktober veranlasste. Roger H. (27) gestand am Dienstag die blutige Tat.

Er gab in einer anwaltlichen Erklärung vor der 1. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht zu Protokoll, dass er den Kraftfahrer aus Ekel vor seinem Auftreten und aus „großer Antipathie” habe töten wollen.

Sein Verteidiger Rainer Dietz bekräftigte, das Geld und das Auto des Mannes, den H. mit einem dreifachen Messerschnitt durch die Kehle am Abend des 9. Oktober zu töten versuchte, sei nicht ausschlaggebend gewesen. Der jüngere Angeklagte hatte bereits bei der Polizei gestanden, Roger H. bei der Tat geholfen zu haben. Er verpasste dem Opfer einen ersten Faustschlag ins Gesicht, so dass der Geschlagene in die Knie ging.

Der ältere der beiden Mitbewohner in der städtischen Notunterkunft habe das anmaßende Vatergetue des 51-Jährigen nicht mehr ertragen können, hieß es in der Erklärung. Das sei eben so gewesen und er bedauere das heute. Das war seiner Lebenslage geschuldet, hieß es. Er habe zu dem Zeitpunkt nach 27 Jahren erstmals erfahren, wer seine leiblichen Eltern seien.

Was ihn dadurch zu der grausamen Tat an dem freundlichen und äußerst geduldigen Mitbewohner, der im übrigen als Kraftfahrer meistens nicht zu Hause war, veranlasste, erschloss sich aus der Erklärung nicht richtig. Der Mann sei „immer mit nacktem Oberkörper herumgelaufen” und habe sich mit Sexgeschichten von damals gebrüstet, hieß es in der Erklärung. Mehrfach wurde von Seiten des Gerichts gemutmaßt, dass eventuelle homosexuelle Aspekte tatauslösend hätten sein können. Doch die Beteiligten, Täter wie Opfer, verneinten das entschieden, letzterer bei einer direkten Befragung durch den Vorsitzenden Richter Gerd Nohl. Die Beschuldigten hatten das bereits bei der Kripo verneint.

Einer der Beamten berichtete am Dienstag als Zeuge, wie die beiden mutmaßlichen Täter vorgegangen waren. „Das war ein äußerst blutiger Tatort”, bewertete der erfahrene Kripomann, was er vorgefunden hatte. Der Rechtsmediziner versuchte erst gar nicht anzugeben, wie viel Liter Blut das Opfer verloren hatte, bis er sich zu einem Hausmeister in einer benachbarten Unterkunft gerettet hatte.

Er konnte allerdings mit Sicherheit sagen, dass das Opfer sehr viel Glück gehabt habe. Die Halsvenen waren durch die drei langen Schnitte von der Kehle bis zum rückwärtigen Halsbereich durchtrennt.

„Direkt daneben liegt die Halsschlagader. Ihr Durchschneiden hätte das Zeitfenster zur Rettung wesentlich verkleinert”, formulierte der Gutachter sachlich.

Umbringen wollten die beiden den Mitbewohner schon vorher. In einem Facebook-Eintrag hatten sie sich gegenseitig bemitleidet, dass eine Vergiftung ihres Opfers mit einem Cocktail aus 20 Koffeintabletten nicht funktioniert habe. Durch die Überdosis wollte man wohl einen Herzinfarkt des Opfers herbeiführen.

Der ganz gut verdienende 51-Jährige hatte ihnen sogar zuvor seine EC-Karte überlassen. Sie hoben eigenmächtig Geld ab und machten eine Woche Urlaub auf Mallorca. Der Geschädigte war nicht sehr böse, wollte nur sein Geld in Raten zurück. Stattdessen begannen die beiden, ihre Mordpläne zu schmieden. Der Prozess wird am 27. April fortgesetzt.
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