Ärger um schwarzes Schaf unter Schornsteinfegern

Von: Oliver Schmetz
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Schwarzes Schaf unter schwarzgekleideten Handwerkern: Ein Schornsteinfeger sorgt im Südraum für Ärger. Foto: imago/Rainer Weisflog

Aachen. Bei der Farbe Schwarz verspüren Schornsteinfeger zwar keine Berührungsängste, aber schwarze Schafe haben sie gar nicht gerne in ihren Reihen – sorgen die doch in der Regel nur für Ärger. Genau das ist zurzeit in Aachen der Fall, wo ein Schornsteinfeger mit seinem Vorgehen die Innung auf Trab hält und Hausbesitzer irritiert. Und das so sehr, dass sich die Beschwerden häufen.

Es geht in dem Fall um Aufträge im Aachener Süden im Kehrbezirk „21 AAS“, der sich von Lütticher über Eupener Straße und Diepenbenden bis nach Lichtenbusch und Burtscheid erstreckt (siehe Info). Es geht auch um eine neue Gesetzeslage und vor allem um einen Handwerker, der vom Regierungspräsidium für den Bezirk seit Anfang 2015 nicht mehr als Bezirksschornsteinfeger bestellt ist – und zur gleichen Zeit sogar aus seiner Innung ausgeschlossen wurde.

Gleichwohl will dieser aber offenbar seine Kunden behalten. Mit der Jahresrechnung erhielten viele von ihm im Oktober 2014 – da war er noch bestellter Bezirksschornsteinfeger – Vordrucke, die nur unterschrieben werden mussten, um ihn fürs nächste Jahr zu beauftragen. Manche Hausbesitzer waren darüber erstaunt, weil dieses Prozedere neu war, doch etliche dürften den Auftrag erteilt haben. Wer sucht sich auch ohne Not einen neuen Schornsteinfeger?

Bloß stellte sich kurz darauf im Bezirk Guido Urrigshardt per Brief als neuer Bezirksschornsteinfeger vor, um Termine zu vereinbaren. Er war von der Bezirksregierung per Verfügung vom 2. Oktober für sieben Jahre ab 1. Januar 2015 bestellt worden, wie es im Amtsblatt vom 27. Oktober vermerkt ist. Wusste sein Vorgänger davon bereits, als er im Oktober 2014 um Aufträge für 2015 buhlte? Hingewiesen hat er seine Kunden darauf jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Er stellte sich in dem Vordruck als „bevoll. Bezirksschornsteinfeger“ vor, der er nur noch kurze Zeit sein sollte.

Dazu muss man wissen: Nach einem neuen Gesetz haben die Bezirksschornsteinfeger seit 2013 kein absolutes Monopol mehr. Die Bürger können für Arbeiten wie Messen, Kehren und Reinigen auch einen anderen Schornsteinfeger ihrer Wahl beauftragen. Sicherheitsrelevantes wie die Feuerstättenschau und Bauabnahmen muss aber nach wie vor vom bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger erledigt werden.

„Große Unruhe im Bezirk“

Das heißt: Urrigshardts Vorgänger, der am Freitag für die AZ nicht zu erreichen war, darf sich durchaus um Aufträge bemühen. Aber wie er das tut, stößt in der Innung auf heftige Kritik – zumal die Geschichte die Kunden verärgert. „Es herrscht eine große Unruhe im Bezirk“, sagt Urrigshardt, sein Telefon stehe „seit Oktober kaum still“. Vor allem ältere Leute reagierten verunsichert, wenn sie Terminzettel von zwei Schornsteinfegern bekämen. Und dies passiere derzeit einigen, sagt Urrigshardt – egal ob sie den Auftrag an seinen Vorgänger widerrufen oder gedacht hätten, die Sache habe sich mit der Bestellung des „Neuen“ ohnehin erledigt.

Sorgen muss sich nach Einschätzung der Innung aber keiner machen, bei dem der neue Bezirksschornsteinfeger schon war und dem nun ein Terminzettel des ehemaligen ins Haus flattert. „Die Verträge sind schon aus formalen Gründen ungültig“, sagen Obermeister Eschweiler und sein Vorstandskollege Peter Schäfers, in der Innung für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. So beziehe sich der Betreffende etwa auf eine Gebührenordnung, die nur für hoheitliche Tätigkeiten gelte – und diese übe er ja nicht mehr aus. Warum der Mann für den Kehrbezirk von der Bezirksregierung nicht neu bestellt worden ist, ist nicht überliefert. Laut Gesetz erfolgt die Auswahl „nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung“. Auch die Berufserfahrung von langjährig bestellten Schornsteinfegern soll ein gewichtiges Kriterium sein. Urrigshardt sagt, er sei „überrascht gewesen, dass mein Vorgänger nicht mehr bestellt wurde, obwohl er noch nicht in Rente geht“.

Warum der Kollege aus der Innung ausgeschlossen worden ist, darüber hüllt man sich dort in Schweigen. Das hänge mit „mehreren Faktoren, sowohl in fachlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht“, zusammen, ist lediglich zu erfahren. Mit dem aktuellen Fall habe es aber nichts zu tun. Allerdings ist ein solcher Ausschluss ausgesprochen ungewöhnlich. „Ich kann mich an keinen Fall erinnern“, sagt Schäfers, „das ist ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.“ Ein schwarzes Schaf also unter den Schornsteinfegern? „Ich weiß nicht, wie man das sonst nennen soll“, sagt der Obermeister.

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