Ärger um gelbe Säcke kommt zur Unzeit

Von: Stephan Mohne
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Hauruck: Die gelben Säcke werden jetzt von einem anderen Entsorger abgeholt. Doch insbesondere um die Ausgabe der Säcke gibt es Ärger bei Bürgern. Der kommt für die Stadt höchst ungelegen. Sie hat gerade genug zu tun mit der Umstellung auf das neue Müllsystem. Dieses sorgt weiter für Protest. Foto: Michael Jaspers
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Gabriele Harren und Birgit Mardak übergaben OB Marcel Philipp das Ergebnis ihrer Online-Petition dagegen. 2900 Bürger haben sich schon beteiligt. Foto: Andreas Steindl
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Alle Hände voll zun tun mit dem Tonnentausch: Dieter Lennartz vom Stadtbetrieb. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Stadtbetrieb steckt mitten im Umbau des Aachener Müllabfuhrsystems. Auf Hochtouren läuft beispielsweise der Tausch von Mülltonnen. Und an den „Hotlines“ macht mancher Bürger nach wie vor seinem Ärger über die Neuorganisation Luft.

„Es ist etwas ruhiger geworden. Aber wir müssen und nach wie vor auch manche persönliche Beleidigung anhören“, sagt Dieter Lennartz, Abteilungsleiter für die Abfallwirtschaft, zur aktuellen Lage. Da kommt es zur Unzeit, dass es jetzt auch noch verärgerte Anrufe in Sachen gelbe Säcke gibt, die im Übrigen auch in der AZ-Redaktion landen. Der Stadtbetrieb ist für die Entsorgung des Verpackungsmülls indes gar nicht zuständig, was aber den meisten Bürgern gar nicht klar ist. „Das ist ein Störfeuer, das wir gerade gar nicht gebrauchen können“, ärgern sich Lennartz und die für Entsorgungssysteme zuständige Ingenieurin Annika Huppertz dementsprechend.

Am 1. Januar hat die Wiesbadener Firma RMG Rohstoffmanagement die Entsorgung von der Krefelder EGN übernommen. RMG hatte sich für die kommenden Jahre in der entsprechenden Ausschreibung des Dualen Systems durchgesetzt. Keine Probleme bringt dieser Wechsel beim Abholen der Säcke. Die brandneuen Fahrzeuge sind mit computergestützter Tourenüberwachung ausgestattet. Geändert hat sich aber etwas bei der Ausgabe der Säcke. So sind laut Stadtbetrieb von den bisher 65 Ausgabestellen im gesamten Stadtgebiet 16 weggefallen, davon alleine 14 Filialen einer Großbäckerei. „Das war aber deren und nicht unsere Entscheidung“, betont Max Hackl von RMG. Ein Nachjustieren bei den Ausgabestellen hält er derzeit nicht für nötig: „Wir sind der Ansicht, dass die vorhandenen Stellen durchaus ausreichen.“ Man werde das jedoch im Auge behalten.

Zudem werden kleinere Kontingente an die Ausgabestellen geliefert, wodurch es bereits mehrfach zu Engpässen gekommen ist. Auch das kann Hackl nicht so ganz nachvollziehen: „Anders als bisher liefern wir innerhalb eines Tages Nachschub, wenn er benötigt wird.“ Dennoch bedeutet das häufigere Nachbestellen auch für die Ausgabestellen einen bürokratischen Mehraufwand. „Wir werden darauf hinwirken, dass hier kulanter und nach Bedarf geliefert wird. Die Ausgabestellen haben keine Lust, ständig Kontakt mit RMG aufzunehmen“, so Lennartz. Und schließlich habe das bisherige System funktioniert. Zudem sollte gelten, dass zumindest zwei Rollen pro Person abgegeben werden. Eine AZ-Leserin ärgert sich indes über weitere Wege – insbesondere für Senioren. Zu überlegen sei, ob die gelben Säcke nicht zugestellt werden könnten. Das allerdings wird wohl ein Wunsch bleiben. Max Hackl sagt, dass bei Problemen gerne die RMG-Hotline angerufen werden könne. Sie lautet: 0800-4006005.

Im Stadtbetrieb ist man abseits der gelben Säcke mit der größten logistischen Herausforderung in seiner Geschichte beschäftigt. Dabei hat man auch schon interessante Feststellungen gemacht. Einige Details:

Tonnentausch

60000 Tonnen sind es, die bereits in der „ersten Welle“ auszutauschen sind. Dazu zählen diejenigen, die „von Amts wegen“ ohnehin gewechselt werden, weil es die bisherigen Größen nicht mehr gibt. Dazu zählen die 60-Liter-Tonnen mit schwarzem und rotem Deckel, die gegen 120-Liter-Tonnen ausgetauscht werden, wobei der Abfuhrrhythmus entsprechend angepasst wird. Aber es haben auch schon viele Bürger Anträge auf Tonnentausch gestellt. Was am neuen 7,5-Liter-Mindestvolumen pro Person und Woche liegt. Entsprechende Schreiben schickt der Stadtbetrieb eigentlich erst nach besagter „erster Welle“ an die Grundstückseigentümer. Aber viele sind schon von sich aus tätig geworden. Beeilen muss man sich diesbezüglich jedoch nicht: „Es wird niemand bestraft, weil er jetzt sein Volumen noch nicht angepasst hat“, sagt Lennartz. Auf das städtische Anschreiben zu warten, reicht völlig. Bis dahin kann man behalten, was man gerade hat.

Mit dem Austausch, für den eine externe Firma angeheuert wurde, hinke man etwas hinter dem Zeitplan zurück, so Lennartz. 20.000 waren im Januar angepeilt, rund 15.000 wurden geschafft. Nach der ersten Einarbeitungszeit sollen die Zahlen jetzt klettern. Einen genauen Ablaufplan gibt es nicht. „Die Tonnen werden an einem Tag der regulären Abfuhr getauscht“, so Lennartz. Man möge deswegen die betreffenden Tonnen bis 17 Uhr draußen lassen. Ist sie dann nicht getauscht, geschehe dies an einem der nächsten Termine.

Grüne Tonnen

Die grünen Tonnen werden seit Jahresbeginn nur noch alle zwei Wochen geleert. Das führt offenbar dazu, dass nun viele merken, dass das bisherige Volumen nicht mehr reicht. Und bestellen flott eine – dann allerdings teurere – neue und größere. „In diesem Fall können wir nicht auf Zuruf reagieren“, stellt Lennartz klar. Denn das würde die aktuelle Tourenplanung über den Haufen werfen. Da, wo es ganz besonders dränge, versuche man möglichst schnell zu liefern, ergänzt Manfred Glaser, der sich mit der ganzen Thematik schwerpunktmäßig beschäftigt. Wer schon vorher erkannt habe, dass die Tonne bei 14-täglicher Leerung nicht reichen wird und deswegen bereits frühzeitig ein größeres Gefäß bestellte, ist bereits Bestandteil der Tourenplanung.

Die Einführung einer Gebühr von 15 Euro für die Sperrmüllabfuhr hat nach den Erfahrungen des ersten Monats laut Dieter Lennartz genau den beabsichtigten Effekt. Insbesondere sollten damit nämlich die Touren reduziert und so Kosten gespart werden. Die Zahlen sind beeindruckend: Im Januar 2016 wurden 5500 Sperrmülltermine vergeben, in diesem Jahr waren es nur noch 1300. Mussten im vergangenen Jahr noch drei Fahrzeuge eingesetzt werden, die pro Tag je 250 Termine abarbeiteten, so reichte in diesem Jahr ein Fahrzeug, das im Schnitt nur noch 68 Stellen pro Tag anfahren musste. Dennoch habe es kein erhöhtes Aufkommen an wildem Müll gegeben. Diese Befürchtung war im Zuge der vorangegangenen Diskussionen immer wieder laut geworden. Der Stadtbetrieb selber hatte mit einem Ansturm auf die Recyclinghöfe gerechnet und deswegen auch jenen an der Debye-straße für diesen Zweck geöffnet. Doch dieser Ansturm ist laut Lennartz ebenfalls ausgeblieben.

Eine preiswerte kleine Tonne buchen und dann zusätzlich Restmüllsäcke kaufen – das sah mancher als probates Mittel zum Sparen an. Denn die Säcke mit einem Volumen von 70 Litern gab es bis dato für drei Euro. Das sollte eingedämmt werden, weswegen der Preis auf sieben Euro angehoben wurde. Überraschung: 2016 wurden im Januar 7550 der schwarzen Säcke verkauft, im Januar 2017 waren es jedoch trotz mehr als doppelt so hoher Kosten sogar noch mehr – nämlich 7600. Zumindest ist auch so dann mehr Geld in die Gebührenkasse geflossen. Immerhin wollen rund zwei Millionen Euro Minus pro Jahr ausgeglichen werden. Und das war ja schließlich einer der Gründe der ganzen „Müllrevolution“.

Petition

Mit der sind viele dennoch nach wie vor nicht einverstanden. 2900 Bürger haben im Rahmen der Online-Petition (www.openpetition.de/!oechermuell) von Gabriele Haaren und Birgit Mardak insbesondere gegen das Mindestvolumen ihr Missfallen dokumentiert. Die Initiatorinnen haben die Unterschriften auf einem Datenstick – verpackt in einer kleinen Mülltonne – jetzt OB Marcel Philipp im Stadtrat übergeben. In diesem Rahmen betonten die Politiker, dass im Laufe des Jahres eine Analyse gestartet werden soll, ob das neue System gut ist oder ob nachgebessert werden muss.

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