Ärger um Blumenbeet: Grünpate pflanzt, Stadtbetrieb pflügt

Von: Stefan Herrmann
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Ärger ums Beet: Mit viel Liebe kümmert sich Christoph Heinen um die Baumscheibe vor seinem Haus. Dass der Stadtbetrieb das bepflanzte Areal umpflügte, darüber kann er nur den Kopf schütteln. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im Volksmund heißt es „Zu viele Köche verderben den Brei“. Im Fall von Christoph Heinen könnte es heißen: Und zu viele Gärtner das Beet. Mit viel Liebe und Leidenschaft hat sich der 37-Jährige seit Frühjahr als Pate einer städtischen Baumscheibe vor seinem Haus an der Hohenstaufenallee um deren Bepflanzung gekümmert.

Im Sommer blühte es in allen Farben. So sollte es im Frühjahr wieder werden, fand Heinen, und pflanzte fleißig nach. Doch hatte er die Rechnung ohne Mitarbeiter des Stadtbetriebs gemacht.

Die rückten nämlich vor wenigen Tagen mit einem kleinen Bagger an und buddelten einen Teil der 200 gepflanzten Blumenzwiebeln wieder aus. Ein Schildbürgerstreich? Als der Selbstständige Heim kam, fiel ihm die Kinnlade runter: Gelbe und rote Steppenkerzen, verschiedene Narzissen-, Tulpen und Krokus-Arten hatte Heinen gesät. Doch was er nun vor allem sah, war ein Erdloch – einen halben Meter tief, anderthalb Meter im Durchmesser. Eine Winteraster, die genau dort zuvor in Blüte stand, riss die städtische Gartenkolonne komplett heraus. „So etwas kann ich gar nicht verstehen“, sagt der leidenschaftliche Hobbygärtner und schüttelt mit dem Kopf. „Ich war so sauer.“

Bei der Stadt bedauert man den Vorfall. Es habe einen „Kommunikationsfehler gegeben“, erklärt Rita Klösges vom Presseamt. Zwar sei der der Grünpate „vom Grundsatz her darüber informiert“ gewesen, dass irgendwann an dieser Stelle wieder ein Baum gepflanzt werden solle. Doch über den konkreten Zeitpunkt hatte man Heinen nicht in Kenntnis gesetzt. Dafür, so Klösges, hätten sich die Mitarbeiter des Stadtbetriebs mehrfach entschuldigt. In den kommenden Tagen wird an der Stelle des Anstoßes ein Amberbaum ins Erdreich gesetzt.

Noch im Oktober hatte Heinen einen ganzen Vormittag im fünf mal vier Meter großen Beet zwischen den Parkbuchten verbracht, damit er und seine Mitbürger sich im kommenden Frühjahr an der farbenfrohen Blumenpracht hätten erfreuen können. „Das kam schon im vergangenen Sommer super an“, sagt Heinen. Kinder blieben staunend vor der kleinen grünen Lunge stehen und fragten, was denn da so alles wachse. Einige Passanten hätten sich sogar vor knallgelben Sonnenblumen, vor Rotklee, Mohn und Sommerwicke fotografieren gelassen.

150 Euro, schätzt Heinen, habe er bisher in das Beet gesteckt. „Es besteht kein Anspruch auf Erstattung der durch den Paten investierten Kosten für Pflanzen oder Arbeitsaufwand“, bekommt jeder Grünpate von der Stadt mit auf den Weg. Doch dass ihm seine frisch gesäten Zwiebeln einfach so weggebaggert werden, ohne dass jemand Bescheid sagt, ärgert den engagierten Bürger schon. Zumal er nicht irgendwelche Blumenarten gepflanzt hatte, sondern als Mitglied des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) extra im Internet besondere Sorten bestellt hatte.

Weitermachen als Grünpate will Heinen trotzdem, auch mit Baum im Beet. Und bis im nächsten Frühjahr wieder die ersten Blumen blühen, ist womöglich auch über Heinens Pflanz- und Bagger-Ärger mit der Stadt Gras gewachsen.

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