Ärger um Aufkleber an Bankautomaten geht weiter

Von: Sarah Maria Berners und Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. 220 Sparkassen-Geldautomaten in Stadt und Kreis wurden im März mit Warnhinweisen ausgestattet.

Unter einem großen Stop-Schild steht: „Bei Einbruch wird Bargeld automatisch wertlos! (durch den Einsatz von Farbpatronen)”.

Soweit nicht ungewöhnlich, doch nach dem deutschen Schriftzug folgen drei weitere: in Englisch, Polnisch und Rumänisch. Darüber haben sich die in Aachen lebenden Polen und Rumänen gewaltig geärgert.

Durch den Aufkleber fühlen sie sich unter Generalverdacht gestellt und sehen Vorurteile gegenüber ihren Ländern geschürt.

Vorbeugende Maßnahme

Dafür hat die Sparkasse sich nun bei dem polnischen Klub Polregio und dem ehemaligen Deutsch-Rumänischen Freundschaftsverein entschuldigt. „Wir bedauern, dass durch die von uns getroffene Maßnahme der Eindruck entstehen kann, die Sparkasse Aachen hege Vorbehalte gegenüber Polen und Rumänen oder Mitbürgern polnischer und rumänischer Herkunft”, so Walter Franzen, Pressesprecher der Sparkasse.

Die Verwendung und Gestaltung der Aufkleber erklärt er folgendermaßen: „Die Firmen, die uns mit dieser Sicherheitstechnik beliefern, empfehlen als Präventionsmaßnahme das Anbringen entsprechender Aufkleber in der viersprachigen Version.”

Grundlage für diese Empfehlung seien Vorkommnisse im gesamten Bundesgebiet mit Tätergruppen, die aus den Ländern eben dieser Sprachbereiche stammen.

Die Sparkasse Aachen war in den letzten Wochen besonders von Gewalteinwirkungen und Aufbruchsversuchen an Geldautomaten betroffen.

Deswegen hat man sich dort für den Einsatz von Farbpatronen entschieden, die bei Aufbruch die Geldscheine mit roter Tinte als Diebesgut kennzeichnen und damit unbrauchbar machen.

Die Entschuldigung der Sparkasse hat Marietta Constandache vom ehemaligen Deutsch-Rumänischen Freundschaftsverein gerne angenommen. Etwas kritischer sieht das Wieslaw Lewicki, der Vorsitzende des polnischen Klubs Polregio.

Mehr Gefühl gefordert

„Eine Entschuldigung ist schon sehr viel”, sagt Lewicki. Aber sie ist ihm nicht genug. Er fordert, dass die Aufkleber sofort entfernt werden. An der Tatsache, dass die polnischen und rumänischen Mitbürger durch den Aufkleber als gefährlich dargestellt würden, ändere sich schließlich nichts.

„Eine Bank, die für so viele Kulturen offen ist, sollte mehr Gefühl dafür haben, was so etwas in den Menschen auslösen kann”, findet Lewicki. „In solchen Dingen sollte sich die Sparkasse nicht nur von einer Technikfirma beraten lassen.”

Die Sparkasse will die Aufkleber von den Automaten entfernen, sobald die akute Gefahr von Aufbrüchen nicht mehr besteht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert