Aachen - Ärger über Parken in zweiter Reihe

Ärger über Parken in zweiter Reihe

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
14194701.jpg
Verstopfen immer häufiger durch Parken in zweiter Reihe Aachens Straßen: Paketdienstwagen wie hier auf der Heinrichsallee. Foto: M. Jaspers

Aachen. Vor 15 Jahren war das Bestellen im Internet eher noch etwas „Exotisches“. Gesamtvolumen: etwas mehr als eine Milliarde Euro. Und heute? Rasen die Zahlen weiter sprunghaft in die Höhe. 2016 wurden dergestalt schon weit mehr als 50 Milliarden Euro umgesetzt. Tendenz immer noch stark steigend.

Die bestellten Sachen müssen natürlich an Mann und Frau gebracht werden, was dann natürlich nicht via Internet, sondern ganz herkömmlich mit dem Paketdienst geht. Die Folge: Auch auf wichtigen Verkehrsadern wie der Wilhelmstraße oder dem Adalbertsteinweg verstopfen die Lieferfahrzeuge beim Halten in zweiter Reihe die Fahrspuren.

Wodurch sich immer wieder lange Staus bilden. Auch hier: Tendenz stark steigend. Und logischerweise nimmt damit ebenfalls der Ärger derjenigen zu, die in diesen Staus stehen – auch wenn mancher davon sicher ebenfalls Internetkunde ist. Eine Kuriosität.

Der Stadt ist die über die Jahre immer drastischer werdende Problematik, die überdies der ohnehin schlechten Aachener Luft nicht gerade zuträglich ist, nicht verborgen geblieben. Schon vor zwei Jahren startete das Ordnungsamt eine über mehrere Monate angelegte und konzertierte Kontrollaktion gegen die Auswüchse. Doch das wurde dann zumindest in dieser Form bald wieder sang- und klanglos eingestellt.

Der Grund: „So etwas ist enorm personalaufwendig und bringt unter dem Strich fast nichts“, sagt Elmar Rosen, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung und zuständig für die Verkehrsüberwachung. Die Überwachungskräfte könnten nicht überall da sein, wo gerade jemand in zweiter Reihe hält. Und solche Sondereinsätze bedingten, dass das Personal in der Zeit seinen „normalen“ Aufgaben kaum noch nachgehen könne.

Man sei zu dem Schluss gekommen, dass es besser ist, auf Kontinuität zu setzen. Die Überwachungskräfte seien sensibilisiert, „sich sofort auf solche Fälle zu stürzen“, erläutert Rosen. Effektiver als die Fußstreifen seien da die Teams mit Fahrzeugen, die flexibler reagieren könnten. Zudem könne man natürlich auch sofort abschleppen lassen. Doch dazu muss die Ordnungskraft beim Abschlepper an Bord sein. „Doch genau dafür sind wir ja immer wieder kritisiert worden“, so Rosen.

Einen direkten Draht gibt es zur Aseag. Deren Fahrer sollen Behinderungen durch Falschparker durchfunken, damit schnell reagiert werden kann. Denn auch beim Verkehrsunternehmen heißt es eindeutig: „Das ist für uns ein ganz großes und weiter zunehmendes Problem“, so Aseag-Sprecher Paul Heesel. Knubbelt es sich auf einer Achse, weil mal wieder jemand in zweiter Reihe steht, kann der Fahrplan kräftig durcheinandergewirbelt werden.

Auch hier ist die Wilhelmstraße eines der Negativbeispiele. In diesem Zusammenhang meint Elmar Rosen: „Es ärgert mich unheimlich, wenn auf dem Seitenstreifen ein Platz zum Halten frei ist, der Paketdienstfahrer dann aber genau da trotzdem auf der Fahrbahn steht. Das ist dann purer Vorsatz.“

Was sicher auch damit zu tun hat, dass bei einigen Unternehmen die Fahrer angehalten sind, nicht einzuparken. Erstens aus Zeitgründen und zweitens, weil die Möglichkeit höher ist, dass das Fahrzeug dabei beschädigt wird. Da ist ein Knöllchen eben allemal billiger.

Apropos: Zwischen zehn und 45 Euro Strafe können die Ordnungskräfte je nach Situation verhängen. Ohne Namen zu nennen, berichtet Rosen jedoch davon, „dass die mittlerweile lächelnd den Strafzettel entgegennehmen“. Diese Kosten seien nämlich offenbar bereits einkalkuliert.

Wenn die Polizei „nur“ vorbeirollt

Die Polizei sieht man nicht selten – eben auch an der Wilhelmstraße – an haltenden Paketfahrzeugen vorbeifahren. Auf Anfrage heißt es dort, dass dies – Stichwort „ruhender Verkehr“ – in die Zuständigkeit der Stadt falle. „Aber wenn wir Verkehrsbehinderungen feststellen, ahnden wir die Verstöße natürlich auch“, sagt Polizeisprecherin Petra Wienen.

Die Zahl der Knöllchen für derlei Verstöße bewege sich bei der Stadt Aachen „auf gleichbleibend hohem Niveau“, bilanziert Elmar Rosen. Aufgeben will man beim Ordnungsamt natürlich nicht. Aber Elmar Rosen sagt auch: „Das ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel.“

Leserkommentare

Leserkommentare (15)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert