„Adler Werbegeschenke” entlässt komplette Belegschaft

Von: Stephan Mohne
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Erbost, verzweifelt, ratlos: Rund 80 Mitarbeiter der Aachener Niederlassung von „Adler Werbegeschenke” sind kurzerhand vor die Tür gesetzt worden. Sie haben am Freitag ihre Kündigungen erhalten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine „100-Zufriedenheitsgarantie” verspricht das Unternehmen. Und man sei nicht darauf aus, den Kunden „irgendwelche Wegwerfartikel” zu verkaufen.

So verkündet es James Adler auf der Internetseite der „Adler Vertriebs GmbH” aus Saarbrücken, die international mit Werbegeschenken handelt und eine Tochter des US-Konzerns Myron ist. Wie Wegwerfartikel kommen sich jetzt aber die rund 80 Mitarbeiter der Aachener Niederlassung des Unternehmens vor. Bei ihnen herrscht null Prozent Zufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber. Oder besser: ihrem bisherigen Arbeitgeber. Der hat nämlich allen Aachener Angestellten kurzerhand die Kündigungen in die Hand gedrückt und sie in einer Hauruck-Aktion vor die Tür gesetzt.

Die Betroffenen, die sich an diesem Montagmorgen noch einmal vor einer verschlossenen Metalltür im fünften Stockwerk der Aachen-Arkaden treffen, sind erbost, verzweifelt, ratlos. Hinter dieser Tür saßen sie bis Freitag an ihren Arbeitsplätzen des „Sales Centers”. Zuerst habe man vergangenen Freitag noch normal mit der Arbeit angefangen, erzählt einer von ihnen. Dann, gegen 11 Uhr, sei man von aus Saarbrücken angereisten Vorgesetzten reihenweise zwecks Kündigung einbestellt worden.

Zum 31. Oktober stehen sie nun ohne Job da, bis dahin sind sie alle freigestellt. „Menschlich völlig unwürdig” sei das abgelaufen, sagt sogar ein Mitglied der bisherigen Standortleitung. Und: „So behandelt man eigentlich nur Verbrecher.” Denn die Mitarbeiter hätten nicht mehr an die PCs gedurft, die Schlösser an den Türen waren bereits ausgetauscht. „Niemand durfte etwas anrühren”, heißt es.

Die Betroffenen zwischen 20 und 60 Jahren, darunter Schwerbehinderte, sind völlig überrumpelt von dem Aus. Es habe Gerüchte gegeben, dass beim Arbeitsamt eine Schließung des Standortes zum Ende des Jahres gemeldet worden sei. Geglaubt hat das aber niemand, weil: „Noch Anfang September wurden zehn neue Leute eingestellt und geschult.”

Begründet worden sei die Schließung mit wirtschaftlichen Daten. Die Niederlassung, die unter anderem für die Niederlande und Belgien zuständig war, habe zu wenig eingebracht. Das allerdings wird seitens der Standortleitung bestritten: „Die Zahlen waren hervorragend, besser als die in Saarbrücken.” Die Mitarbeiter hätten eine tolle Arbeit geleistet und hätten es nicht verdient, jetzt derart mies behandelt zu werden.

In der Belegschaft glaubt man an einen anderen Grund für die plötzliche Schließung: Am 19. September haben die Mitarbeiter einen Betriebsrat gewählt, was laut Betriebsverfassungsgesetz ihr Recht ist. Man habe die Nase voll davon gehabt, dass immer wieder Mitarbeiter „einfach so” entlassen worden seien. Doch solche Kritik sei bei dem Unternehmen nicht gewollt: „Der Betriebsrat wurde nicht anerkannt”, heißt es. Deswegen habe es auch erst gar keine Gespräche über einen Sozialplan gegeben.

Gefallen lassen wollen sich das die Betroffenen nicht. Der Betriebsrat hat einen Anwalt eingeschaltet. Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Corinna Groß sagte am Montag auf AZ-Anfrage, das Vorgehen des Unternehmens sei „eine Frechheit”. Moralisch sei die Sache eindeutig. Rechtlich gesehen müsse man allerdings prüfen, ob hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist. „Leider ist bei uns einiges möglich”, so Groß.

Bei Verdi sind die Adler-Leute bisher noch nicht vorstellig geworden. Groß rät allerdings dazu, dies zu tun, damit man sich die Sache anschauen kann. Die Nicht-Anerkennung des Betriebsrats durch die Firma sei indes absurd. „Wenn Betriebsräte anerkannt werden müssten, dann gäbe es in Deutschland wohl keine”, sagt die Verdi-Chefin. Und gewählten Betriebsräten dürfe man auch nicht einfach so kündigen - es sei denn, das Gesamtunternehmen hört auf zu existieren.

Vor zwei Jahren ließ sich Adler in Aachen - wo man die Niederlassung im April 2010 gründete - noch feiern, sprach beim großen Pressetermin von 150 Arbeitsplätzen, einem idealen Standort. Der Europa-Chef war dabei, Vertreter aus Stadt und Politik ebenfalls. Montag zeigte man sich da schon medienscheuer. Eine Bitte unserer Zeitung um Rückruf ließ die Saarbrücker Zentrale unbeantwortet. Derweil sagt eine Betroffene: „Viele von uns stehen vor dem Nichts.”
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