ADFC drückt beim Verkehr auf die Bremse

Von: Annika Kasties
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Noch fahren am Templergraben die Autos: Wenn es nach den Wünschen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Aachen geht, könnte dieser Bereich für den Kraftverkehr gesperrt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Weniger öffentliche Parkplätze, höhere Gebühren und eine ordentliche Portion Entschleunigung im Straßenverkehr: Das könnte auf die Autofahrer im Innenstadtbereich zukommen. Zumindest dann, wenn der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Aachen das Sagen hätte.

Einen entsprechenden Bürgerantrag für eine veränderte Verkehrsführung in der Innenstadt haben ADFC-Vertreter im jüngsten Bürgerforum vorgestellt – wohl wissend, dass sie mit ihrem Vorstoß gerade bei Autofahrern auf wenig Begeisterung stoßen dürften. Martin Christfreund vom ADFC schreckt das jedoch nicht ab: „Wir müssen den Mut haben, den Autofahrern auch auf den Schlips zu treten.“

Schließlich sei das, was der ADFC mit seinem Bürgerantrag beabsichtige, zu wichtig: nämlich weniger Autoverkehr in der Innenstadt und eine attraktivere – und vor allem sicherere – Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer. Ein Thema, das spätestens nach dem tragischen Unfall am Hansemannplatz, bei dem vor zwei Wochen eine junge Frau nach einer Kollision mit einem Linienbus ums Leben gekommen war, in der Stadt in aller Munde ist.

Mit vier konkreten Forderungen will der ADFC Abhilfe schaffen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Grabenring. Dort sollen in Zukunft nämlich deutlich weniger Motoren rollen als bisher. Neben dem Bereich am Elisenbrunnen soll der Verkehr für Autos nach Vorstellung des ADFC an drei zusätzlichen Stellen unterbrochen werden: am Templergraben, am Kapuzinergraben und an der Kurhaus- und Komphausbadstraße.

„Die Innenstadt bleibt für das Auto weiter erreichbar, aber die Durchfahrbarkeit wird für Kraftfahrzeuge durchschnitten“, erklärt Christfreund. Darüber hinaus soll rund um den Grabenring ein Netz von ausgewiesenen Fahrradstraßen entstehen. Diese Straßen sind Radfahrern vorbehalten, sofern ausgeschildert, können aber auch Autos und Motorräder auf ihnen fahren – häufig nur in eine Fahrtrichtung. Die Höchstgeschwindigkeit auf ausgewiesenen Fahrradstraßen liegt in Deutschland bei 30 km/h.

Ordentlich auf die Bremse drücken will der ADFC aber nicht nur mit einem durchgängigen Radverkehrsnetz. Der Fahrradverbund beantragt, auf dem Grabenring, im Pontviertel und wegen der anliegenden Gesamtschule auch auf der Sandkaul­straße generell ein Tempolimit von 30 km/h einzuführen. Das sei laut Christfreund bitter nötig. „Denn der Radverkehr hat in Aachen nicht im Ansatz so zugenommen, wie wir uns das erhofft hatten.“ Daran will die Stadt schon lange etwas ändern.

Der Luftreinhalteplan sieht vor, dass der Anteil des Radverkehrs bis 2020 auf 20 Prozent steigen soll. Die Mobilitätserhebung von 2011 zeigt jedoch, dass der Weg bis dahin noch lang ist. Gerade mal elf Prozent des Verkehrs wird in Aachen mit dem Rad zurückgelegt. Zum Vergleich: 1991 waren es zehn Prozent. Der Wert stagniert. Gleichzeitig gaben 50 Prozent der Befragten an, dass sie sich mit dem Fahrrad in Aachen unsicher fühlen. Ein Tempolimit könnte das ändern, sind sich die Fachleute vom ADFC sicher.

Auf Reduktion setzen die Experten auch, wenn Autos nicht mehr fahren, sondern schon stehen: beim Parken. Auf der Suche nach einem günstigen Stellplatz in der Innenstadt legen Autofahrer nämlich so einige Meter zurück – und treiben damit die Blechdichte weiter in die Höhe. Richten sollen dies zum einen weniger Parkplätze im öffentlichen Raum. Zudem sollen die Gebühren für Parkplätze am Straßenrand an die weitaus höheren Preise im Parkhaus angepasst werden. Innerhalb des Alleenrings muss man aktuell für die halbe Stunde Parken in den Apag-Häusern einen Euro berappen.

Im öffentlichen Straßenraum kann der Autofahrer dafür gleich doppelt so lange parken. Im Luftreinhalteplan für die Stadt Aachen ist eine entsprechende Überarbeitung der Gebührenordnung bereits vorgesehen. Eine entsprechende Vorlage ist im Mobilitätsausschuss jedoch noch nicht beraten worden. Mit diesen Maßnahmen hofft der ADFC Autofahrer dazu zu motivieren, direkt das Parkhaus anzusteuern statt suchend durch die Straßen zu kurven.

Neu ist das Konzept des ADFC nicht. Anfang der 90er Jahre war es bereits im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans der Stadt diskutiert worden. Umgesetzt wurde es nicht. Die Hoffnung, dass den Worten dieses Mal Taten folgen könnten, äußerte im Bürgerforum Margret Vallot von den Piraten: „Ich halte ein Tempo-30-Limit in der Innenstadt für dringend erforderlich, wenn man Unfälle verhindern will.“

Ob es tatsächlich dazu kommt, muss nun politisch diskutiert werden. Das Bürgerforum verwies den Vorschlag des ADFC einstimmig zur weiteren Beratung an die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und den Mobilitätsausschuss. Zumindest Christfreund hofft, dass die politischen Vertreter dort nicht an den aus seiner Sicht falschen Stellen auf die Bremse drücken werden.

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