Adalbertstraße sackt drastisch ab

Von: Matthias Hinrichs und Stephan Mohne
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Besucherfrequenz weiter gesunken: Auch der „Anker“ Aquis Plaza hat die Einkaufsmeile Adalbertstraße bislang nicht stabilisiert. Bald soll Peek & Cloppenburg den Standort aufwerten. Foto: Andreas Steindl
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Neuansiedlung inklusive Neubauten: Peek & Cloppenburg will das ehemaligen Wehmeyer-Stammhaus erweitern. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Geht der 16. April 2016 schlicht als „schwarzer Samstag“ in die Annalen der Einzelhändler ein ? Oder läutet das jüngste fatale Zahlenwerk zur Messung der Kundenströme in der Adalbertstraße quasi „Alarmstufe Rot“ im Hinblick auf Image und Standort ein?

Fest steht: Die Erhebung des Frankfurter Immoblienberatungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) wirft in diesem Jahr ein besonders grelles und damit schmerzhaftes Schlaglicht auf die Entwicklung der meistfrequentierten Shoppingmeile der Stadt. Bei seiner alljährlichen Zählung in Aachens größter Fußgängerzone wurden an jenem 16. April gerade einmal 4180 Passanten pro Stunde registriert – wobei die JLL-Statistiker im Rahmen ihrer bundesweiten Studie erstmals einen Durchschnittswert aus einer dreistündigen Zählung ermittelt haben, die an diesem dritten Wochenende nach Ostern zwischen 13 und 16 Uhr stattfand.

Damit rangiert die Kaiserstadt im kommerziellen Konzert der Großstädte – im Ganzen wurden 170 Einkaufsstraßen unter die Lupe genommen – gerade einmal auf Position 67. Im vergangenen Jahr – Stichtag 21. März und damit gut sieben Monate vor der Eröffnung des Aquis Plaza – belegte Aachen mit 5115 potenziellen Einkäufern Platz 46, im Jahr 2014 zählte die Adalbertstraße noch 7840 Besucher binnen 60 Minuten. Im Schnitt gaben sich seit 2007 laut JLL immerhin 6430 potenzielle Käufer die Ehre.

Dennoch: „Bange machen“ lasse man sich von derart punktuellen Erhebungen keinesfalls, unterstreicht Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands Aachen-Düren-Köln. „Natürlich hört sich das Ergebnis nicht gut an“, sagt er. „Aber man muss bedenken, dass es eine Vielzahl von Faktoren gibt, die angesichts der Kürze der Untersuchung eine Rolle gespielt haben können.“ Schon vom Wetter her seien derlei Rankings problematisch. Allerdings konstatieren die Statistiker, dass die „Top-5-Städte“ im Rahmen der Erhebung – Köln (16 835 Kunden), München (14 720), Frankfurt am Main (14 250), Düsseldorf (12 365) und Hannover (12 215, jeweils in den meistfrequentierten Fußgängerzonen) – allesamt deutlich über dem Mittel der vergangenen zehn Jahre abgeschnitten haben.

Am besagten Stichtag haben die Wetterfrösche im Dreiländereck eine Temperatur von immerhin um die 11 Grad mit gelegentlichem Regen registriert, weiß Kathrin Landsmann, Geschäftsführerin des Aquis Plaza. Gleichwohl glaubt auch sie, dass die Erhebung letztlich wenig Aussagekraft besitze. So habe der Stichtag anno 2015 zwei Wochen vor Ostern gelegen, in diesem Jahr waren die JLL-Statistiker drei Wochen nach dem Feiertag unterwegs. Auch die Einführung der Umweltzone zum 1. Februar ist aus Sicht der meisten Experten keineswegs verantwortlich für den drastischen Rückgang.

Das betont neben Hamel und Landsberg auch Oliver Mohr, Sprecher der IG Kleine Adalbertstraße. „Schönreden kann man die Zahlen nicht“, sagt er. „Fakt ist leider, dass sich hinter dem Kugelbrunnen weiter so gut wie nichts tut.“ Und Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City, sowie dessen Vorsitzender Klaas Wolters bekräftigen, dass mit der im September geplanten Standortstudie „Vitale Innenstädte“ wesentlich belastbarere Zahlen rund ums Einkaufsverhalten in der gesamten Stadt erwartet würden.

Licht am Ende des Tunnels könnte die anstehende Ansiedlung von Peek & Cloppenburg verheißen. Auf drei Etagen will das 1911 gegründete Modehaus 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen. Entstehen soll die Dependance der Düsseldorfer dort, wo heute noch das ehemalige Wehmeyer-Stammhaus steht, sowie auf den beiden Nachbargrundstücken. Die dortigen Gebäude sollen einem Neubau weichen. Allerdings hat es bei dem Projekt Verzögerungen gegeben. Zunächst gab es wegen diverser Erbengemeinschaften eine schwierige Eigentümerkonstellation hinsichtlich der drei Gebäude. Und dann gab es dem Vernehmen nach auch noch einen Mieter, der sein Zuhause nicht verlassen wollte. Dieser Fall beschäftigte sogar die Gerichte.

Zwischenzeitlich sollen die Probleme nun aber gelöst sein. Allerdings soll es noch keine konkreten Pläne für den Neubau geben. Zumindest konnte die Verwaltung dem Planungsausschuss des Rates in seiner jüngsten Sitzung, bei der das Thema nicht-öffentlich auf der Tagesordnung stand, nicht von solchen berichten. Auch eine Abrissgenehmigung sei noch nicht beantragt, hieß es auf AZ-Anfrage in der Verwaltung. Es könnte also noch ein Weilchen dauern, bis der Startschuss fällt.

Ebenfalls noch kein konkreter Termin wurde genannt für die Neustrukturierung des Kaufhofs, der seit einiger Zeit der kanadischen Hudson‘s Bay Company gehört, die in Aachen auch ihre eigenen Sortimente – wahrscheinlich im ehemaligen Saturn – platzieren will. Doch beide Projekte zusammen könnten die Besucherströme wieder ein ganzes Stück größer werden lassen.

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