Aachen - Adalbertstraße büßt jetzt Kundschaft ein

Adalbertstraße büßt jetzt Kundschaft ein

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Entwicklung verbummelt? Trotz
Entwicklung verbummelt? Trotz Sanierung reihen sich in der Bahnhofstraße verwaiste Geschäftslokale aneinander. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn schon das Geschäftslokal als Ladenhüter gilt, läuft etwas schief. Gerade ist dies in Aachen - auch dank des „Einzelhandelsinformationssystems” - der Ausnahmefall.

Doch die Hängepartie bei der seit Jahren geplanten Kaiserplatz-Galerie lähmt die Branche durchaus - zumindest was die An- und Vermietung leer stehender Geschäfte angeht. Das Angebot bleibt knapp: Nur 93 der exakt 1819 Einzelhandelsobjekte, die Experte Herbert Kuck vom Fachbereich Wirtschaftsförderung auf der Website der Stadt gesammelt hat, warten auf neue Geschäftsmieter. „Damit liegen wir im erweiterten Innenstadt-Bereich derzeit bei einer Leerstandsquote von 5,1 Prozent - darum beneiden uns viele andere Städte in Nordrhein-Westfalen”, sagt Kuck.

Der Blick aufs Zentrum der Kaiserstadt unterstreicht den Trend: Nach einer aktuellen Erhebung der Aachener Zeitung gibt es derzeit in zentraler Lage nur 55 verwaiste Ladenlokale. Ausgeklammert wurde die Adalbertstraße. Aufgrund der Kaiserplatz-Brache und entsprechend desaströser Einkaufsatmosphäre im näheren Umfeld verstauben allein dort 15 weitere ungenutzte Geschäftsflächen.

Untersucht hat die AZ das Areal innerhalb des Grabenrings (plus klassische Einkaufsstraßen). Für diesen Innenstadt-Bereich hatte die Langzeit-Analyse der Initiative Aachen 2002 noch 105 Leerstände aufgelistet - also knapp doppelt so viele wie im Oktober 2011. Vergangenes Jahr gab es hier 49 leer stehende Geschäftslokale, 2009 (inklusive Adalbertstraße) waren es 57.

Prominente Negativ-Beispiele in Sachen Leerstand sind seit Jahren - neben der Kleinen Adalbertstraße - der Büchel, die Großkölnstraße und vor allem die Bahnhofstraße. Entlang der erst jüngst städtebaulich aufgewerteten Achse zwischen Bahnhof und Theaterstraße reihen sich neun leere Ladenlokale aneinander.

„Wenn ein Standort einmal verbrannt ist, dauert es in Aachen leider Jahre, bis das Image wieder mit dem tatsächlich positiven Zustand vor Ort übereinstimmt und Geschäftsleute mehr als ernsthaftes Interesse zeigen”, erläutert Kuck. Warum etwa die Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf Geschäftslokale in der Aachener Großkölnstraße seit Jahren vergammeln lässt, bleibt rätselhaft. Antworten darauf gebe es erst, „wenn sich eventuelle Pläne konkretisiert haben”, teilt die Konzernzentrale mit.

Andrea Trebschuh, Geschäftsführerin der Initiative Aachen, resümiert in der jährlichen „Immo-Analyse”: „Die Vermietungen im Aachener Einzelhandel waren in 2010 - ähnlich wie 2009 - sehr zurückhaltend. Stark nachgefragt sind jetzt und in Zukunft Flächen in der hochpreisigen 1a-Lage.” Quadratmeterpreise, die teils über 100 Euro liegen, erzielen demnach aber nur Adalbertstraße und Dahmengraben. Innerhalb des vergangenen Jahres seien die Mieten für den Einzelhandel generell stabil geblieben.

Dennoch: „Die Immobilienmarktteilnehmer erwarten mit der Fertigstellung der Kaiserplatz-Galerie gravierende Veränderungen im direkten Umfeld. Diese wird großen Einfluss auf die Entwicklung neuer 1a- und 1b-Lagen haben”, sagt Trebschuh. Doch dies wäre - aufgrund des fraglichen Baubeginns - bestenfalls in einigen Jahren zu erwarten. So büßt die Adalbertstraße laut der jüngsten „Passantenfrequenzzählung” der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle bereits Kundschaft ein.

Unter 170 untersuchten Einkaufsstraßen rutscht Aachens Einkaufsmeile 2011 mit 6645 Passanten pro Stunde auf Rang 30 ab. Die Zählung findet bundesweit an einem Samstag von 13 bis 14 Uhr statt. Den Durchschnittswert der Erhebungen seit 2002 gibt Jones Lang LaSalle für Aachens größte Fußgängerzone mit 7486 Passanten an. Zum Vergleich: Spitzenreiter Köln begrüßt in der Schildergasse 14 855 pro Stunde, die Düsseldorfer Schadowstraße 9176.

Das Interesse von Unternehmen am Standort Aachen bleibt indes nach Einschätzung von Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, groß. „Nachteilig ist die ungelöste Situation am Kaiserplatz natürlich trotzdem”, sagt er. „Hier muss dringend endlich Bewegung in die Entstehung der Kaiserplatz-Galerie kommen.” Sonst drohe tatsächlich die Schieflage, nicht nur für Ladenhüter.
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