„across the borders“: Auch Grenzen in den Köpfen überwinden

Von: Jenny Schmetz
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Viele Köpfe aus der Euregio, ein Festival in Aachen: Kulturdezernent Wolfgang Rombey (6.v.l.) und Leiter Rick Takvorian (4.v.r.) präsentieren mit den Machern von „across the borders“ das Veranstaltungsplakat in der Citykirche, einem der Hauptspielorte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Auf die sonst so streng gebundene Krawatte hat er diesmal verzichtet. Kulturdezernent Wolfgang Rombey darf seinen Endspurt im Amt etwas lockerer starten. Der 65-Jährige geht Ende dieses Monats in den Ruhestand und hatte am Donnerstag noch die erfreuliche Aufgabe, das Programm des Kulturfestivals „across the borders“ vorzustellen. Der englische Name geht nicht nur über die Grenzen, sondern selbst alteingesessenen Öchern mittlerweile immer fließender über die Lippen.

Denn bereits zum sechsten Mal treffen sich Künstler aus aller Welt in der Aachener City zum Sommerfestival, um nicht nur Länder-, sondern auch Spartengrenzen zu überqueren. Diesmal kann der Kulturdezernent das Ganze gelassen verfolgen, erzählt er. Denn wenn das Festival vom 10. bis zum 30. August an verschiedenen Spielorten über die Bühne geht, ist er schon Pensionär. „Dann kommt keiner zu mir, der doch noch was zu meckern hat“, sagt Rombey mit einem Schmunzeln.

Aber wer sollte denn schon über dieses reichhaltige Programm mit insgesamt 14 Veranstaltungen meckern? Gut, die internationalen Einflüsse und Genre-Mixturen strahlen vielleicht nicht ganz so bunt wie im Vorjahr. Doch neben Künstlern aus Deutschland und den Niederlanden sind auch solche aus Äthiopien, Ägypten oder Osteuropa zu entdecken – diesmal vor allem Schriftsteller und Musiker. Besonders ausgiebig wird die Grenze zur Literatur überschritten.

Erstmals in Kooperation mit dem deutsch-niederländischen Festival Literarischer Sommer, dem Literaturbüro in der Euregio Maas-Rhein sowie dem deutsch-arabischen Lyrik-Salon werden mehrere Lesungen angeboten: etwa mit dem niederländischen Romancier Arnon Grünberg, der auch unter seinem Pseudonym Marek van der Jagt sehr bekannt ist (28. August, 20 Uhr, im Alten Kurhaus).

Ausgefallene Crossover-Formate sind ebenfalls zu finden. „Wir wollen, dass die Besucher auch die Grenzen in ihren Köpfen überwinden“, sagt Rombey. Zum Beispiel bei der literarisch-musikalischen Begegnung der Berliner Autorin und Theaterregisseurin Christiane Neudecker mit dem Pianisten Vadim Neselovskyi, einem Meister der Improvisationskunst (15. August, 19 und 20.30 Uhr, Aula der Domsingschule).

Meckern könnten höchstens Sparfüchse, denn in diesem Jahr gibt es keine Veranstaltungen mit freiem Eintritt. Allerdings liegen die „freundlichen Preise“ – betont Festivalleiter Rick Takvorian – unter 20 Euro. Enttäuscht sein könnten aber auch Freunde der Freiluftmusik, denn nach den vielen gut besuchten Hof-Konzerten im Vorjahr müssen sie sich nun mit nur zwei Auftritten im Quadrum des Domkreuzgangs begnügen. Stattdessen öffnet sich mehrfach die Citykirche in der Großkölnstraße für Klangereignisse – vom Jazz über Klassik bis zur Weltmusik. In Erinnerung vieler feuchter Aachener Sommertage wohl keine schlechte Alternative.

Nicht nur Rombey befindet sich im Endspurt, sondern auch die ganze Kulturregion – mit ihrer Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2018. Kurz nach dem Ausklang des Festivals „across the borders“, am 6. September, erfahren Maastricht, Aachen und die anderen Partner aus der Euregio, ob sie es geschafft haben. Und so möchte Rick Takvorian sein Festival auch als kleine kulturpolitische Demonstration für die hervorragende grenzüberschreitende Zusammenarbeit verstehen – in diesem Jahr auch mit dem Heerlener Sommerfestival Cultura Nova und dem niederländischen Kammermusikfestival Orlando.

Bis zu 10.000 Besucher peilen die Festivalmacher als Ziel an. Alles wird mit einem Budget von rund 45.000 Euro aus Aachens Haushalt gestemmt. Beim Start des Festivals waren es rund 100.000 Euro, allerdings dank weiterer Zuschüsse. Meckern will Takvorian aber nicht. „In einer Kulturhauptstadt wird das Festival wohl florieren“, zeigt er sich hoffnungsfroh. Und Rombey wird's wohl gelassen sehen.

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