Aachen/Geilenkirchen - Acht Jahre Haft für Erzieher

Acht Jahre Haft für Erzieher

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Geilenkirchen. „Dem einen mögen die acht Jahre Haft zu wenig, den anderen vielleicht zu viel in diesem Fall sein.” Das sei allerdings ein positives Zeichen, ordnete der Vorsitzende des Aachener Schwurgerichts Richter Gerd Nohl in der Urteilsbegründung im Fall von Klaus S. (43) den Kammerspruch ein.

Der zuletzt in Aachen tätige Erzieher, so stellte es das Gericht fest, hatte am 2. Januar dieses Jahres in einem Streit um eine „banale Sache” seine Noch-Ehefrau Elisabeth S. abends kurz nach 22 Uhr mit einem Brotmesser getötet. Zehn Mal stieß er in Wut zu, weil sie sich über den Rückgabezeitpunkt der Kinder am nächsten Tag nicht einigen konnten, die 42-Jährige verblutete.

Der Kammer gelang es „in diesem äußerst kompliziert zu entscheidenden Fall”, so Nohl, abzuwägen, was im Rechtssinne schuldangemessen ist. Der Richter versuchte den Familien, die im Gerichtsaal waren, in der mündlichen Urteilsbegründung Wege nahe zu bringen, wie die brutale und gleichzeitig tragische Tat vom 2. Januar möglicherweise verarbeitet werden könne und setzte sich vor allem für das Wohlergehen der Kinder ein, die jetzt ohne Eltern aufwachsen müssten. „Ich kann allen, auch staatlichen Stellen, zum Wohl der Kinder in solchen Fällen nur anraten, nicht die sogenannte Täterfamilie in ein schlechtes Licht zu rücken.”

Dabei erwähnte der Vorsitzende ausdrücklich eine „außergewöhnliche Geste” des Vaters der Getöteten. Er habe vor der Trauergemeinde sinngemäß gesagt, dass auch „für Klaus” gebetet werden solle, „denn niemand fällt aus Gottes Hand”, zitierte der Richter die Trauerrede des Vaters.

Über die Tatausführung müsse nicht detailliert berichtet werden. Es stehe fest, das habe auch die Rechtsmedizinerin ausgeführt, dass es sich um eine affektgeladene Tat gehandelt habe. Und es sei Klaus S. nicht zu widerlegen, dass der Streit um „so ein blödes Schlittenfahren”, entfuhr es selbst dem ansonsten eher fein formulierenden Richter, mit einer Ohrfeige und Beschimpfungen von Seiten des Opfers begonnen wurde.

Nie zugetraut

Dieselben Zeugen, die Elisabeth S. als absolut besonnene Vertreterin beschrieben hätten und ihr solche Aggressionen nicht zutrauten, hätten ebenso den Noch-Ehemann - das Paar hatte sich 2007 getrennt und wollte sich scheiden lassen - als jemanden beschrieben, dem sie eine solche Tat niemals zugetraut hätten. Die Tat entstand aus völlig nichtigem Anlass, das Opfer wollte die Kinder am Sonntag früher zurückhaben, der Vater wollte noch mit ihnen rodeln gehen.

Das Gericht habe eine Vielzahl von mildernden Umständen für den Täter gefunden. Strafschärfend allerdings sei die brutale Tatausführung gewesen. Auch von einer Bewusstseinstrübung in einem Affektstau könne keine Rede sein. So kam das Aachener Schwurgericht zu einem Strafmaß von acht Jahren, die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft gefordert, der Verteidiger fünf Jahre.
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