Abschied mit Wehmut vor dem Neustart

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Sie dokumentieren ihre innere Verbundenheit zum Atelierhaus an der Süsterfeldstraße vor dem Umzug in die neue Heimat im Depot Talstraße: die ausstellenden Künstler von „perspective“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Atelierhaus im Süsterfeld hat etwas Verwunschenes: Licht und Ruhe sorgen für eine besondere Atmosphäre, um das alte Klostergebäude wuchern der ehemalige Nonnenfriedhof und der Klostergarten. Zum November aber zieht der Atelierhaus-Verein um.

In der Abschieds-Ausstellung „perspective“ bieten 26 Künstler einen Blick zurück auf die Zeit im Süsterfeld und einen Ausblick auf den neuen Standort, das Depot in der Talstraße – mal wehmütig, mal voller Neugier.

Seit seiner Gründung vor 20 Jahren diente der 1887 erbaute Klosterkomplex dem Verein Atelierhaus Aachen als Wirkungsstätte. Die Idylle des Gartens, die besonderen Lichtverhältnisse und der dem Verfall geschuldete, teil morbide Charme des Hauses haben über die Jahre unzählige Künstler in ihrer Arbeit inspiriert. Der Standort auf der Süsterfeldstraße bedeutete jedoch auch eine gewisse Abgeschiedenheit, so Nadya Bascha vom Atelierhaus.

Verkauf der Klosteranlage

Nachdem dem Verkauf des Klosterkomplexes findet der Verein eine neue Heimat im ehemaligen Straßenbahndepot an der Tal-straße. In den vergangenen Jahren ist hier ein Kultur- und Stadtteilzentrum für den Aachener Norden entstanden. Durch die Nähe zur Innenstadt und anderen Kunsthäusern wie dem NAK und dem Ludwig Forum werden ganz neue Möglichkeiten für Synergien und für die Präsenz in der Stadt entstehen, ist Bascha sicher.

Mit dem Blick nach vorn, auf den Neuanfang und der gleichzeitigen wehmütigen Ablösung von der alten Heimat beschäftigt sich „perspective“. Neben zahlreichen Künstlern des Atelierhauses haben sich auch vier Gastkünstler beteiligt. So hat Walter Fricke über Jahre fotografisch den Zerfall des Klostergartens und die Rückeroberung durch die Natur dokumentiert.

Cora Freimann hat in einer Sequenz von Gemälden die besondere Lichtatmosphäre des Ausstellungsraums eingefangen. Und Dirk Tölke hat in dreidimensional wirkenden Detailaufnahmen die Verwitterung und den Rost des alten Straßenbahndepots vor dem Umbau festgehalten.

Moderne Zeichnungen von Mirjana Stein-Arsic zeigen stilisierte, symbolische Abbildungen von „Domizil 1 und 2“, das alte verwildert und von der Natur eingenommen, das neue modern, mit runden Formen und strengen Linien. Videoinstallationen von Hella Frowein-Hagenah drücken in übereinandergelegten Aufnahmen aus dem Atelierhaus die Ambivalenz zwischen dem Wissen um das Weggehen und das gleichzeitige noch-nicht-angekommen-Sein aus.

Die Klostergärten als Ruheorte der Nonnen und Mönche nach dem Vorbild der biblischen geschlossenen Gärten zeigt Elena Starostina auf Ölpastellen auf Karton. Nach Recherchen zur Geschichte des Klosters gibt es jedoch auch kritische Blicke: Wolfgang in der Wiesche sucht in seinen Fotografien des Gartens nach Spuren der Klosterschülerinnen, die zu Zwangsarbeit verdonnert worden sein sollen.

Am neuen Standort, an den 33 Künstler des Atelierhauses mitziehen, wird der Verein das Konzept günstiger Atelierwerkstätten fortführen. Ausgebaut werden soll die bereits im Süsterfeld gepflegte Position als euregionale Plattform für junge Künstler.

Im Rahmen der Aachener Kunstroute ist die Ausstellung am 24. und 25. September von 11 bis 18 Uhr zu sehen, im aha.Kunstlabor wird zudem eine Installation von Ulrike Groß zum Thema Flucht gezeigt. Offiziell eröffnet wird „perspective“ am Sonntag, den 25. September um 12 Uhr und ist dann bis zum 23. Oktober im Atelierhaus zu sehen.

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