Abriss der Bildchener Brücke hat historische Dimension

Von: Thomas Kreft
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Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren: In Kürze soll die alte Bildchener Brücke an der Lütticher Straße abgerissen werden. Gebaut wurde sie im Ersten Weltkrieg als Teil einer neuen internationalen Eisenbahnverbindung von Aachen nach Brüssel. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Bahn will sie mit dem Segen der Stadt abreißen, Umweltschützer vom BUND fordern ihren Erhalt: die wuchtige Eisenbahnbrücke über die Lütticher Straße in Bildchen. Im Für und Wider gibt es noch eine dritte Größe, nämlich die historische. Das Gemäuer verdankt seine Existenz dem Ersten Weltkrieg, dessen Beginn sich 2014 zum 100. Male jährt.

Die älteren Einwohner kennen die Brücke vielleicht noch als Teil der fünf Kilometer langen Querverbindung von Bildchen nach Moresnet, wo die Strecke auf die Güterstrecke Aachen-West nach Montzen traf. Tatsächlich aber wurde die Brücke als Teil einer neuen internationalen Eisenbahnlinie von Aachen-Hauptbahnhof nach Brüssel errichtet, und zwar mitten im Ersten Weltkrieg. Der zeitraubende Umweg über Verviers und Lüttich entfiel.

1918 fuhr der erste Personenzug

Diese Streckenführung war vorausschauend für internationale Schnellzüge geplant worden, und zwar schon vor Kriegsausbruch. Die belgische Seite hatte an der Planung aber so recht keinen Gefallen gefunden, weil sie den Industriestandort Lüttich abgekoppelt hätte. Die militärische Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen vereinfachte das Vorgehen erheblich: General Groener als Chef des deutschen Feldeisenbahnwesens ordnete den Bau ganz einfach an. Die Aachener Allgemeine Zeitung schrieb dazu am 30. Juni 1915: „Die Verhandlungen mit Belgien über den Ausbau dieser Strecke ergaben jedoch derartige Schwierigkeiten, daß man schließlich die Hoffnung aufgegeben hatte, dieselben zu überwinden. Nun hat der Krieg hierin einen heilsamen Wandel geschaffen.“ Zunächst entstand für Kriegstransporte die Route Westbahnhof-Montzen, am 25. März 1918 fuhr dann der erste fahrplanmäßige Personenzug vom Hauptbahnhof über Bildchen und Montzen Richtung Brüssel.

Nur Güterzüge

Nachdem jedoch die Alliierten der Krieg siegreich entschieden hatten, änderte Belgien die neue Infrastruktur zugunsten der alten, der heute noch befahrenen Lütticher Strecke. Durch den Preuswald verkehrten ab 1919 nur noch Güterzüge. Zum 1. Juni 1969 wurde die Strecke stillgelegt und die Gleise anschließend endgültig abgebaut. In den vergangenen Jahren erfreute die sich Brücke wachsender Beliebtheit bei Wanderern und Radfahrern. Vor einigen Wochen haben Bagger die Verbindung allerdings im Zuge der Vorbereitungen des Brückenabrisses dicht gemacht.

Die Bildchener Brücke besteht aus Beton und sichtbaren Eisenträgern. Der schmale Durchlass neben der Fahrbahn diente einst als Trasse der Straßenbahn Aachen-Kelmis. Bei der Brücke handelt es sich um das letzte Eisenbahnbauwerk aus dem Ersten Weltkrieg im Aachener Stadtgebiet.

Schon beim Ausbau der Hochgeschwindigkeits-Strecke wurde in Sichtweite das sogenannte Überwerfungsbauwerk abgerissen, das in gleicher Bauweise und zur gleichen Zeit gebaut worden war. Es wurde beseitigt, obwohl es noch nicht einmal auf der Trasse selbst stand.

Jene Brücke diente dem kreuzungsfreien Abzweig. Das eindrucksvolle Gegenstück befindet sich auf belgischem Boden in Buschhausen bei Kelmis und wurde vor einigen Jahren saniert.

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