Ablösesumme: Marcus Bosch ist einmal pro Jahr in Aachen

Von: Robert Esser
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Ergreifend: Hunderte Chorsäng
Ergreifend: Hunderte Chorsänger verabschiedeten Generalmusikdirektor Marcus Bosch nach seinem letzten Sinfoniekonzert im ausverkauften Eurogress. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Mann macht einfach Appetit auf mehr. Gerade noch genießt der scheidende Generalmusikdirektor Marcus Bosch minutenlang stehende Ovationen der 1250 Besucher im ausverkauften Eurogress, eine Stunde später steht der 42-Jährige am Grill. Grillzange statt Taktstock.

Nach dem Publikum darf es sich jetzt das Orchester schmecken lassen - lecker. Maria Poquett und ihr Gastro-Team aus dem Theater laden zum vierten Mal zum Grillabend. Gemütlich, gesellig - und mit genialer Musik der Band Lagerfeuer, die den Kontrabass gerne mal kopfüber spielt.

Das fasziniert auch Klassik-Profis. Nach Mahlers Achten mit fast 500 Akteuren (inklusive Chören) auf der Bühne gibts hier hinter der Spielstätte Würstchen, Nackensteaks, Pute und Salate. „Köstlich”, findet das GMD Bosch.

„Das ist eine tolle Atmosphäre zum Abschied; ich fühle mich sehr geschmeichelt”, sagt der Dirigent, der Aachens Sinfonieorchester in zehn Jahren laut Orchestervorstand Werner Gronen „auf einen Spitzenplatz in der Wertschätzung in der deutschen Orchesterlandschaft geführt hat”.

Oberbürgermeister Marcel Philipp würdigte zuvor bereits im großen Saal Leistung und Leidenschaft des charismatischen Maestros. „Wie feiern Sie und das Orchester!” Applaus. „Danke für Ihre Genialität und für die Vervierfachung des Publikums - auch im Namen der Kämmerin.”

Noch mehr Beifall. Hunderte Chorsänger winken mit weißen Taschentüchern, Bosch ist sichtlich ergriffen. „Das war immer eines meiner wichtigsten Anliegen: Menschen, die keinen Zugang zur Klassik hatten, für diese zu interessieren”, sagt er später. Mission geglückt.

Man spürt: Das Publikum liebt ihn. Weil Bosch Verdi, Wagner und natürlich Bruckner gebracht hat - zu den Kurpark Classix, in „Gold & Silber” im Eurogress, bei „Pferd & Sinfonie” im Reitstadion.

Und es gönnt ihm den Wechsel nach Nürnberg, genauso wie Aachens Kulturdezernent Wolfgang Rombey: Vor einigen Ehrengästen erinnert er an den 26. März 2011. „Da kam ein Anruf meiner Kollegin, einer ausgesprochen attraktiven Frau”, wie der Dezernent betont.

Doch das Gespräch nahm eine unerfreuliche Wendung - mit bekanntem Aus- und Aufstieg. Bosch darf sich am Staatstheater Nürnberg auf den doppelten Etat freuen. „Das haben Sie sich verdient”, sagt Rombey. Aachen freut sich auf Nachfolger Kazem Abdullah. Wobei zuvor noch zwei Aufführungen „Tristan und Isolde” mit Bosch im Theater, die letzte am 7. Juli mit Abschiedsfest im Spiegelfoyer, auf dem Programm stehen.

Dann wollen Spitzenköche Boschs Leibspeisen kredenzen. Auch deshalb wird er aus Nürnberg zurückkehren - nicht in der nächsten Spielzeit, aber danach: „In meinem Vertrag ist eine Ablösesumme festgelegt - das heißt ein Dirigat pro Jahr in Aachen.”

Das wird dem Publikum der Kaiserstadt schmecken. Ovationen garantiert.
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