Aachen - Abkehr vom Turbo-Abitur: Am Ende entscheidet die Schulkonferenz

Abkehr vom Turbo-Abitur: Am Ende entscheidet die Schulkonferenz

Von: alp/re/os/akas
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Schluss mit G8: Die zukünftige schwarz-gelbe Landesregierung will eine Abkehr vom sogenannten Turbo-Abi nach acht Jahren am Gymnasium. Foto: dpa

Aachen. Mit Erleichterung, aber auch einer gewissen Portion Skepsis haben Aachener Schulleiter zur Kenntnis genommen, dass CDU und FDP das Abitur nach neun Jahren an nordrhein-westfälischen Gymnasien wieder zum Regelfall machen wollen. Auch wenn gerade Elternvertreter schon lange eine Rückkehr zu G9 forderten, ist an den Schulen klar: Nun dürfte wieder an den Lehrplänen geschraubt werden.

Die Rückkehr zu G9 ist am Anne-Frank-Gymnasium in Laurensberg schon länger Thema. Die Schulkonferenz – Lehrer, Vertreter, der Eltern und der Schüler – hat sich laut Schulleiter Wolfgang Gurzan damit intensiv befasst. „Wenn es jetzt so weit kommt, dass die Rückkehr offizieller Beschluss ist, dann sind wir hier am AFG sicherlich mit dabei“, betonte Gurzan am Donnerstag gegenüber der Aachener Zeitung.

Ralf Gablik, Leiter des Einhard-Gymnasiums, reagierte am Donnerstag auf zweifache Weise. Zum einen ist er Sprecher der Gymnasialschulleiter in Aachen und Umgebung. Und dieses Gremium habe sich eindeutig positioniert. „Macht es einheitlich“, lautete der Appell. Dass sei mit der jetzigen Initiative erreicht. Aber: „Wir am Einhard können G8 gut“, so Gablik.

Das habe sich in den vergangenen Jahren gut eingespielt. So gut, dass man sich seit langem wieder auf das Wesentliche, die pädagogische Arbeit, konzentrieren konnte. Bei einer Rückkehr zu G9 müsse man erst wieder viel in systemische Arbeit investieren. Und: Das „neue“ G9 werde nicht dem alten entsprechen. Die vielen zusätzlichen Angebote an den Schulen würden nicht alle in den Vormittag passen.

Auch sei der Elternanspruch in Richtung Ganztag ein völlig anderer als vor zehn Jahren. „Das muss man bei der Diskussion auch berücksichtigen.“ Wie sich das Einhard entscheide? Gablik: „Wie überall entscheidet das die Schulkonferenz.“

Diese Entscheidung will auch Jan-Dirk Zimmermann nicht vorweg nehmen. Doch der Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums kann sich nach eigenen Aussagen nicht vorstellen, dass ausgerechnet seine Schule die Ausnahme sein und aktiv G8 beantragen werde. „Gerade für unsere Schüler, von denen viele Deutsch als erste Fremdsprache lernen, ist ein längeres Lernen sinnvoll.“

Diese Ansicht teilt auch Arthur Bierganz, Leiter des Inda-Gymnasiums in Kornelimünster: „Für die Kinder ist die Rückkehr zu G9 eine deutliche Entlastung.“ Die Erleichterung insbesondere auch seitens der Eltern sei bereits am Mittwoch deutlich geworden. Just in dem Moment, in dem die Meldung von der vierten schwarz-gelben Koalitionsrunde durch die Medien kursierte, habe nämlich die Schulpflegschaftssitzung stattgefunden. „Die Stimmung unter den Eltern war sehr gut“, sagte Bierganz. „Die meisten bedauern nur, dass ihre Kinder nicht mehr von der Rückkehr zu G9 profitieren werden.“

Ähnlich sieht das Dr. Josef Els, Direktor des Bischöflichen Pius-Gymnasiums: „Persönlich begrüße ich die Entscheidung aus Düsseldorf sehr, ich war nie ein Freund von G8. An unserer Schule ist die Entscheidung darüber abhängig von dem, was die Eltern möchten.

So ist das auch mit dem Schulträger verabredet. In der Schulpflegschaft war das Thema schon auf der Tagesordnung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir mehrheitlich zu G9 zurückkehren – aber einen Zweig G8, für diejenigen, die das möchten, offenhalten. Schon vor dem flächendeckenden G8 hatten wir entsprechende Profilklassen. Das Modell war bewährt.“

Michael Göbbels, Schulleiter des Couven-Gymnasiums, will jetzt „in die Gremien hineinhorchen, wohin die Tendenz geht“. Wie andere Kollegen sieht er auch, dass in G8 sehr viel Arbeit investiert wurde, um das System für die Schülerinnen und Schüler so praktikabel wie möglich zu machen. Eine einfache Rückkehr zu G9 sei nicht möglich. Es gelte dann, wieder neue Lehrpläne zu erarbeiten. „Das Thema wird bei uns sehr differenziert wahrgenommen“, so Göbbels. Eine eindeutige Tendenz könne er nicht ausmachen.

„Angemessen viel Zeit für Lernen ist immer in unserem Interesse“, betont Patrick Biemans, der Leiter des St.-Ursula-Gymnasiums. Man habe bislang „die Aufgabe, G8 mit all seinen Belastungen pädagogisch wertvoll und gehaltvoll zu gestalten“, sehr gut gemeistert. Und genau so wolle man auch das „G9 in spe“ angehen und ebenfalls pädagogisch wertvoll gestalten – etwa durch eine gute individuelle Förderung und ein ansprechendes außerunterrichtliches Angebot.

„Als christliche Schule sehen wir hier auch noch weitere gehaltvolle Gestaltungsmöglichkeiten“, ist Biemans davon überzeugt, dass der Wechsel auf G9 – gemeinsam mit allen an der Schulentwicklung beteiligten Gruppen – „zügig und gut gelingen wird“.

Noch keine Einschätzung gibt es von der Viktoriaschule. Schulleiter Axel Schneider ließ mitteilen, dass er erst mit dem zuständigen Dezernenten Rücksprache halten werde, bevor er sich öffentlich zum Thema äußere. Auch Jochen Geradts, Schulleiter des Rhein-Maas-Gymnasiums, wollte das Thema am Donnerstag noch nicht kommentieren. Da es noch keinen endgültigen Beschluss gebe, ließ er mitteilen, sei es zu früh, um dazu etwas zu sagen.

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