Aachen - Abitur 2013: 159 Matheklausuren in der Aula Carolina

Abitur 2013: 159 Matheklausuren in der Aula Carolina

Von: Margot Gasper
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Der doppelte Abgang steht kurz bevor. Am Kaiser-Karls-Gymnasium wird Schulleiter Paul-Wolfgang Jaegers für die Abiturienten des Doppeljahrgangs um die 200 Zeugnisse unterschreiben. Foto: Harald Krömer
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Bernd Schwemmer ist seit fast 20 Jahren Oberstufenkoordinator am KKG. Der Doppel-Jahrgang bringt sogar für ihn immer wieder Überraschungen.

Aachen. Irgendwann gegen Ende der Osterferien werden am Kaiser-Karls-Gymnasium drei Klassenzimmer leergeräumt. Das Mobiliar wird um die Ecke in die Aula Carolina geschleppt. Und dann wird die ehemalige Klosterkirche für Aachens ältestes Gymnasium zwei Wochen lang zum Prüfungsraum. Denn das Abitur kommt diesmal im Doppelpack. Und dafür wird Platz gebraucht, viel Platz.

Der doppelte Abiturjahrgang in NRW ist auf der Zielgeraden angekommen. Die letzten Klassen, die in NRW in neun Gymnasialjahren zum Abitur geführt werden, und der erste G8-Jahrgang mit acht Schuljahren gehen gemeinsam in die Prüfungen. Die „Nebenwirkungen“ kriegt die ganze Schule zu spüren.

Am KKG haben die jungen Leute schon den Countdown gestartet für ihren „doppelten Abgang“: Am Dienstag waren es noch 18 Tage bis zum letzten Unterrichtstag. Und gleich nach den Osterferien müssen die ersten Abiturklausuren geschrieben werden. Mit Informatik geht es am 9. April los. Schon für einen „normalen“ Abiturjahrgang hat jedes Gymnasium reichlich zu organisieren. Der Doppeljahrgang aber verlangt schon wegen der schieren Menge an Prüflingen logistische Meisterleistungen.

Am KKG zum Beispiel lernen aktuell etwas mehr als 900 Schüler. „In den letzten Jahren hatten wir stets so um die 100 Abiturienten“, erinnert sich Schulleiter Dr. Paul-Wolfgang Jaegers. Diesmal muss die Schule rund 200 junge Leute durch die Prüfungen begleiten. Wie viele genau, das steht erst fest, wenn klar ist, wer die Zulassung zum Abitur geschafft hat.

„Allein die mündlichen Prüfungen im vierten Abiturfach werden eine ganz spannende Sache“, sagt Jaegers. Die Zeit zwischen Ostern und den Sommerferien sei ohnehin kurz und gespickt mit Feiertagen. „Da noch so einen Brocken reinzusetzen, das wird schwierig“, befürchtet der Schulleiter. „Das kann durchaus zur Folge haben, dass auch für die anderen Schüler tagelang der Unterricht ausfällt.“ Anders, befürchtet er, sind 200 mündliche Prüfungen nicht zu bewältigen.

Etliche Lehrer haben einen Berg Arbeit vor sich. Ein und dasselbe Thema für die „Mündliche“ darf nämlich maximal nur drei Schülern gestellt werden. So will es das Gesetz. Deshalb muss der bedauernswerte Kollege am KKG, der in diesem Jahr 17 mündliche Prüfungen hat, sechs verschiedene Prüfungsthemen für seine Schüler ausarbeiten.

Dass alle „Brocken“, die der Doppeljahrgang so beschert, am KKG gestemmt werden, darum kümmern sich Oberstufenkoordinator Bernd Schwemmer und ein Team aus acht Jahrgangsstufenleitern. Schwemmer ist an dem Gymnasium seit fast 20 Jahren als Oberstufenkoordinator im Einsatz, der Mann ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. „Aber der Arbeitsumfang ist diesmal schon beträchtlich“, gibt er zu.

Drei Prüfungsordnungen

Allein der Organisationsplan für die drei schriftlichen Abiturfächer hat ihn etliche Stunden Zeit gekostet. Da ging es zum Beispiel um die Frage, wo man am 17. April 159 junge Leute hinsetzt, die allesamt ihre Abiturklausur in Mathematik schreiben müssen. Die Lösung: Die Aula Carolina wird möbliert – für Mathe und etliche andere Prüfungen. Schulsport allerdings ist dort 14 Tage lang nicht drin. „Logistisch ist das alles eine richtige Herausforderung“, sagt Jaegers.

Der Oberstufenkoordinator und die acht Beratungslehrer müssen sich mit drei Ausbildungs- und Prüfungsordnungen auskennen. „Diese Rechtsvorschriften unterscheiden sich teilweise nur in Nuancen“, erläutert Schwemmer. „Und den Schulen werden immer neue Auslegungen der Vorschriften übermittelt.“ Aus seiner Sicht sehr ärgerlich: Für das Computerprogramm, mit dem die Abiturnoten berechnet werden, gibt es immer noch keine freigegebene Version. Dabei sollte das Programm den Gymnasien im Land eigentlich längst zur Verfügung stehen, so Schwemmer.

Irgendwann wird der Schulleiter dann rund 200 Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife mit seiner Unterschrift versehen. Und bis spätestens 29. Juni müssen die Gymnasien in NRW ihre Abiturienten entlassen. Gefeiert werden muss am KKG – aus Platzgründen –ebenfalls im Doppelpack. „Am 28. und 29. Juni gibt es jeweils eine Entlassfeier in der Aula Carolina“, kündigt Jaegers an. „Und ich werde auch zwei unterschiedliche Reden halten“, verspricht er. „Diesmal brauche ich also zwei gute Ideen.“

„Hier wird‘s leer“, kündigen die angehenden Abiturienten auf ihrer Countdown-Tafel im Schul­foyer an. Leer wird‘s in der Tat. Schließlich haben die NRW-Gymnasien nach dem Abitur 2013 einen ganzen Jahrgang weniger. Rein rechnerisch sind an den Gymnasien dann zu viele Lehrer im Einsatz.

Da ist der Schulleiter heilfroh, dass die Schulen nach offizieller Maßgabe offenbar keine Zwangsversetzungen von Kollegen befürchten müssen. „Die Schüler-Lehrer-Relation in NRW ist ohnehin viel zu hoch“, beklagt Jaegers, „die Klassen sind viel zu groß“.

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