Aachen - „Abgestempelt“: VHS zeigt Schau über judenfeindliche Illustrationen

„Abgestempelt“: VHS zeigt Schau über judenfeindliche Illustrationen

Von: Leon Kirschgens
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wenn heute von „abstempeln“ die Rede ist, so denkt man wohl meist an den Postangestellten, der die Briefe bearbeitet. Aber Menschen abstempeln? Zunächst im übertragenen, aber auch im wörtlichen Sinne?

So sah der Alltag jüdischer Menschen im 19. Jahrhundert und vor allem natürlich während der NS-Zeit in Deutschland aus, bestimmt von Vorurteilen und Diskriminierung, endend in einem beispiellosen Massenmord.

Der Berliner Sammler Wolfgang Haney hat annähernd 1000 antisemitische Postkarten zusammengetragen, von denen eine Auswahl nun in der Wanderausstellung „abgestempelt – judenfeindliche Postkarten“, in der Volkshochschule Aachen zu sehen ist.

Mal bevölkern Tiere die antisemitischen Illustrationen in Anspielung auf typisch jüdische Familiennamen wie Hirsch oder Bär, an anderer Stelle ist „der hinterlistige Jude“ mit Hakennase gezeichnet. In jedem Fall sind die „Grüße“ entmenschlichend und diffamierend. Die meisten Postkarten stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in der sie ein etabliertes Medium waren. „Oft setzen wir uns nur mit dem Antisemitismus ab 1933 auseinander, aber der ist damals nicht vom Himmel gefallen; er war schon vorher verbreitet und geläufig“, so Yvonne Hugot-Zgodda von der VHS.

Diskriminierung heute erkennen

Die Ausstellung will nicht nur Vergangenes präsentieren: „Wir wollen in Anbetracht der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit auch in Gegenwart und Zukunft schauen“, sagt Hugot-Zgodda. So soll die Ausstellung dazu beitragen, dass Menschen diskriminierende Etikettierungen jeglicher Form erkennen und deuten zu können.

Ansprüche, die die VHS nicht zum ersten Mal an sich stellt. Denn es ist eins der vielen Projekte der VHS, das sich sowohl mit der lokalen als auch überregionalen Geschichte des Antisemitismus auseinandersetzt. So hängen im gesamten Raum Aachen seit 2001 Gedenktafeln des Projekts „Wege gegen das Vergessen“. „Wir wollen solche Projekte wieder mit neuem Leben füllen und auch ein didaktisches Konzept mit Veranstaltungen anbieten“, sagt Holger A. Dux von der VHS. Da komme die Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (Bpb), die die Wanderausstellung seit 1999 anbietet, gerade recht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert