Aachen - Abgefahren: Senior hat 1700 Lkw gesammelt

Abgefahren: Senior hat 1700 Lkw gesammelt

Von: Robert Esser
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Mobile Schätzchen: Klaus Karhausen schätzt die vielen Details an seinen Lkw-Modellen – dazu zählt vor allem die originalgetreue Bemalung. Foto: Michael Jaspers
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Alles dreht sich um dicke Brummis: Die Lkw-Modelle füllen in Reih‘ und Glied Wände. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ganz zärtlich, mit den Fingerspitzen rangiert Klaus Karhausen den 40-Tonner aus seinem Wohnzimmer. Wohlgemerkt im Maßstab 1:87. Wenn der 83-Jährige einen seiner Lkw aus der gigantischen Glasvitrine rollen lässt, hat das etwas Feierliches.

Wie Trophäen präsentiert er die filigranen Bauwerke, Glanz und Gloria aus Metall und Plastik. Rekordverdächtig: Für den Senior-Chef des traditionsreichen Schreibwaren-Geschäfts Weyers-Kaatzer, der in den vergangenen 20 Jahren über 1700 Lastkraftwagen-Modelle in seiner Wohnung in der Aachener Innenstadt gesammelt hat, ist jedes seiner Schätzchen mit einer eigenen Geschichte verbunden. Und Karhausen, der sich selbst einen „Lkw-Verrückten mit Spleen“ nennt, kennt sie alle.

„Vor vielen Jahren hat mir meine Tochter mal einen Hängerzug eines Sitzmöbelherstellers mitgebracht, ein kleines Lkw-Modell“, erinnert er sich. „Da war’s um mich geschehen. Da habe ich meine Briefmarkensammlung in 26 Bänden weggestellt und angefangen, Lkw-Modelle zu sammeln.“ Dass er nun mehr – vermeintliche! – Spielzeugautos sein Eigen nennt als jede Groß-Kita der Kaiserstadt war zwar nicht geplant.

Aber: „Wenn ich etwas anfange, dann mache ich es ordentlich – und zwar konsequent“, sagt Karhausen. Dann schaut er seinem Zuhörer fest in die Augen. Als ob der die Ernsthaftigkeit seiner Sammelleidenschaft anzweifeln könnte – angesichts der rund 1700 Modelle, die mehrere Wände und Zimmer in Karhausens Stadthaus ausfüllen. Alles glänzend aufpoliert, in Reih’ und Glied, millimetergenau ausgerichtet. Für die Öffentlichkeit tabu, nur für die Zeitung macht er eine Ausnahme.

Da stehen sie: Mercedes, MAN, Scania, Iveco – alle großen Marken. „Bloß von DAF bin ich kein Freund, die mag ich nicht so, weiß nicht warum“, sagt Karhausen.

Ihm geht es um die Liebe zum Detail. „Schauen Sie doch mal, wie echt das aussieht, jede Kleinigkeit, die Spiegel, die Schildchen, die Beschriftung und Bemalung. Ist das denn nicht wundervoll?“, schwärmt er. Gerade hebt er einen Sattelzug der Aachener Spedition Schumacher in die Höhe. Wahre Kunstwerke. „Da ist auf regelrechten Gemälden zum Beispiel die Menschheitsgeschichte aufgemalt. Ein anderes Modell zeigt Karl den Großen, wieder ein anderes die Historie der Lastkraftwagen“, erläutert der Sammler.

Was bei ihm im Regal steht, das dieselt genauso draußen auf der Straße. „Wenn ich von Aachen nach München mit dem Auto fahre, treffe ich mindestens 80 Bekannte aus meiner Sammlung“, sagt Karhausen. Darunter die Aachener Speditionen – wie Hammer und Offergeld – und natürlich die Großen der Branche wie etwa Talke, Freund, DHL, Kühne + Nagel.

Viele hat er persönlich besucht, mit einigen Spediteuren verbinden ihn Freundschaften. „Ich interessiere mich für alles: die Motortechnik, die Katalysatoren, die Bereifung, die Typenschilder der Gefahrguttransporte“, zählt der gelernte Kaufmann auf. Sobald ein Fahrzeug eines Spediteurs den Besitzer „im echten Leben“ wechselt und damit auch die Lackierung, zieht Karhausen beim entsprechenden Modell seiner Sammlung nach. Alles immer auf dem neuesten Stand. „Und alle drei Monate dekoriere ich dann um“, schildert er. Ungezählte Stunden verbringt der rüstige Senior damit, alle Modelle akribisch zu dokumentieren, natürlich mit EDV-Unterstützung.

Besonders angetan haben es ihm sogenannte „Silo-Fahrzeuge“. „Die Verladetechnik von Schüttgütern und die verschiedenen Transportsysteme faszinieren mich“, erklärt Karhausen. Dann fingert er vorsichtig ein Modell mit kippbarem Gefahrgutsilo aus der Vitrine. „Wenn man so ein Fahrzeug in Händen hält, dann geht einem das Herz auf“, strahlt er. Seine Frau habe seine Leidenschaft längst akzeptiert.

Besonders preiswert ist es nicht, immer auf dem aktuellen Stand sämtlicher deutscher Speditions-Fuhrparke zu sein. Alles in den eigenen vier Wänden. Zehntausende Euro hat Karhausen schon in sein Hobby gesteckt. Und ein Ende ist nicht abzusehen. „Wissen Sie, es steckt so viel in und hinter der Lkw-Szene“, sagt Karhausen. Und bettet den 40-Tonner zurück ins Regal. Ruhezeit, Licht aus, bis zum nächsten feierlichen Besuch...

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