Aachen - Abbruch oder Leben: „Es ist nicht zu fassen, was Eltern leisten”

Abbruch oder Leben: „Es ist nicht zu fassen, was Eltern leisten”

Von: xen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nackenfaltenmessung, Fruchtwasseruntersuchung, Risiko-Ultraschall - Paare, die ein Kind erwarten, werden rasch mit diesen Begriffen der Pränataldiagnostik (PND) im Zuge der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen in Kontakt kommen.

Gerade Frauen ab 35 Jahren werden solche vorgeburtlichen Untersuchungen empfohlen. Der Deutsche Bundestag hat Ende 2008 darüber beraten, ob neben der medizinischen auch die psychosoziale Beratung sowie eine dreitägige Bedenkzeit vor einem Abbruch verpflichtend werden. Einen Beschluss gibt es noch nicht. Ein Beratungsangebot gibt es aber bereits seit geraumer Zeit, in Aachen zum Beispiel bei „Donum Vitae”.

Dieses Angebot greift bereits vor der ersten vorgeburtlichen Untersuchung, während und danach. „Viele Paare gehen in die Untersuchung mit dem Ziel, Gewissheit zu bekommen, dass ihr Kind ganz gesund ist”, weiß Martina Hartmann, Beraterin bei „Donum Vitae”.

„In einem Beratungsgespräch regen wir an, auch darüber nachzudenken, wie sie mit einem negativen Ergebnis umgehen.” Denn darüber machen sich die Wenigsten Gedanken - und sind völlig vor den Kopf geschlagen, wenn eine Behinderung beim Ungeborenen diagnostiziert wird.

Das Beratungsangebot wird allerdings nur selten wahrgenommen. „Wahrscheinlich ist das eine Schutzfunktion, sich nicht zu intensiv mit möglichen Konsequenzen beschäftigen zu müssen”, vermutet Hartmann. Ist der negative Befund aber festgestellt, müssen die Paare eine Entscheidung treffen: Für einen Abbruch oder für ein Leben mit einem behinderten oder kranken Kind. „Es ist gar nicht zu fassen, was Eltern dann leisten müssen”, meint Hartmann.

Diese existenzielle Entscheidung mit einer emotional nicht involvierten, professionellen Beraterin zu finden oder zu festigen, hat sich für viele Paare, die bei „Donum Vitae” waren, als hilfreich erwiesen. „Wir beleuchten den Sachverhalt von allen Seiten, geben neue Impulse, drängen aber nicht in irgendeine Richtung”, sagt Hartmann. „Jede Entscheidung hat seine Berechtigung.”

Und nach der Entscheidung? „Wir sind weiterhin für die Paare da, beraten zum Beispiel über Möglichkeiten des Abschiednehmens oder vermitteln zu Hilfseinrichtungen”, erklärt die Beraterin.

Mit ihrem Angebot weiß sich „Donum Vitae” - nach einiger Zeit des Klinkenputzens - auch unterstützt von vielen Frauenärzten. „Die Ärzte nehmen das Beratungsbedürfnis der Paare ebenfalls wahr”, meint Hartmann. Ein Informationsblatt von „Donum Vitae” wurde an alle Frauenarztpraxen verteilt.
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