Aachens Piraten haben jetzt Land in Sicht

Von: Felix Lennertz
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In Feierlaune: Die Piratenpart
In Feierlaune: Die Piratenpartei hat am Hirschgraben 24 ihr neues Büro eröffnet. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Sonderlich schön ist das neue Parteibüro der Piraten am Hirschgraben nicht - und mit 40 Quadratmetern alles andere als groß. Das unterscheidet es von den Zentralen anderer Parteien, und Charme hat das Ganze schon. Der große Raum, der jetzt eingeweiht worden ist, liegt zentral, und er hat zu zwei Seiten nichts als Fenster.

Zuletzt hat er als asiatische Suppenküche herhalten müssen. Frisch renoviert taugt er hervorragend als Parteibüro, sagt Pirat Kai Baumann. Der 39 Jahre alte Programmierer ist froh, nicht mehr durch die Gastro-Szene tingeln zu müssen, wenn die Piraten einen Versammlungsort suchen. In der Mitte des Raumes stehen Tische, die zu einem Block zusammengestellt werden können. Platz zum Diskutieren, Raum für Debatten, Werkstatt für Lösungsansätze.

Ein bisschen wie ein griechischer Marktplatz, sagt Baumann, der Ort, wo die Demokratie erfunden wurde - und darum geht es den Piraten. „Wir wollen den Menschen ihre Freiheiten und Rechte wiedergeben”, sagt Baumann. Die Piraten definieren sich selber als Bürgerrechtspartei. Zu ihren Kernthemen zählen der Schutz der Grund- und Bürgerrechte, die Schaffung eines absolut transparenten Staates, die Aufnahme des Datenschutzes als Grundrecht ins Grundgesetz und ein gesetzlich festgehaltenes Kommunikationsgeheimnis, um das Briefgeheimnis in die Neuzeit zu übertragen.

Viel Protest, wenig Inhalt? Die Piraten als Modeerscheinung? Felix Bosseler, ab Dezember Nachfolger von Thomas Gerger im Aachener Rat, sieht die Partei fest im Sattel - und längst etabliert. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir nach der kommenden Kommunalwahl in Fraktionsstärke im Stadtrat sitzen.” Der 42 Jahre alte IT-Projektmanager ist ein nüchterner Mensch, ein Zahlen-Mann. Und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach den Wahlen in Berlin ist die Mitgliederzahl in Aachen um 25 Prozent gestiegen auf jetzt 100; landesweit ist sie auf 2400, bundesweit auf 15.000 geschnellt.

Dass man mit einem Sitz im Rat nicht gegen die Politik der Etablierten anstinken kann, stört Bosseler nicht. Er will Transparenz schaffen. „Schauen Sie sich mal den städtischen Haushalt an. Der hat 2104 Seiten. Wer soll denn da noch durchblicken?” Seine Rolle im Rat sieht er in Analyse und Auswertung: „Um den Mund aufzumachen, brauche ich keine Mehrheiten.” Langfristig wollen die Piraten frischen Wind in die Parteienlandschaft bringen.

Tatsächlich komme das Wort Pirat aus dem Altgriechischen und heiße: Angreifer! Stellt sich die Frage, wo die Piraten politisch stehen, links, rechts, in der Mitte? „Tatsächlich liebäugele ich mit der Beschreibung sozialliberal, das grenzt uns von wirtschaftsliberal und FDP ab”, sagt Bosseler. Den meisten Zulauf habe die Partei übrigens „von Bürgern, die die Schnauze voll haben”.

Erst das zweite Piratenbüro in ganz NRW

Das Aachener Parteibüro ist erst das zweite Piratenbüro in NRW. Bezahlt wird es vom Landesverband. Noch arbeiten die Piraten nur mit Ehrenamtlern arbeiten. In ganz NRW hat die Partei keinen Angestellten.

Die Piraten haben ihre Wurzeln in Foren und Communities im Netz - wehren sich aber dagegen, als Internetpartei abgestempelt zu werden. „Das Internet ist nicht Ziel, sondern Werkzeug, um mehr echte Demokratie zu wagen”, sagt Kai Baumann. Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, zum Beispiel im Arbeitskreis Kommunalpolitik, der immer donnerstags ab 19.30 Uhr tagt.

Zu finden sind die Piraten am Hirschgraben 24 oder im Netz.
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